Friday, 1. July 2016
16.02.2011
 
 

Die Manipulation von Silber geht weiter…

Thorsten Schulte

Bevor wir auf manipulative Eingriffe im Silbermarkt eingehen, lassen Sie uns zunächst darauf hinweisen, dass die Weltwährungsreserven per 11. Februar 2011 auf den neuen Rekordwert von 9.291 Milliarden Dollar angestiegen sind. Von rund 5.000 Milliarden Dollar davon ist bekannt, in welcher Währung sie gehalten werden. Auf den US-Dollar entfallen 3.062 Milliarden Dollar und auf den Euro 1.346 Milliarden. Insbesondere die asiatischen Staaten stemmen sich gegen massive Aufwertungen ihrer Währungen, die ihre Exportkraft schwächen würden. Die Aufblähung der Weltwährungsreserven ist ein Schmiermittel für die Weltwirtschaft und sorgt für Inflation!

Die US-Notenbank hat per 11. Februar nun für 704 Milliarden Dollar Staatsanleihen gekauft und die Bilanz der Fed erreichte per 09.02.2011 mit 2.504 Milliarden Dollar ein noch nie da gewesenes Niveau. Ganz aktuell werden Pläne der EU-Kommission bekannt, einen permanenten Euro-Rettungsschirm zu installieren. Der neue »Europäische Stabilitätsmechanismus« (ESM) soll einen Kapitalstock von 100 Milliarden Euro erhalten, den die Mitgliedsstaaten entsprechend ihrem Anteil an der Europäischen Zentralbank einzahlen. Der Fonds soll Hilfsgelder für in Finanznot geratene Euroländer mit einem Volumen von einer halben Billion Euro verwalten. Sich in diesem Umfeld von Edelmetallen zu trennen, wäre aus meiner Sicht größter Unsinn. Auch die Aufwärtsdynamik der Weltwirtschaft ist intakt. Unsere Einschätzung der Jahre 2009 und 2010 war richtig und bleibt zunächst noch zutreffend. Korrekturen des Silberpreises können immer wieder aus heiterem Himmel auftreten – dazu gleich mehr –, aber solange die Auftriebskräfte der Weltwirtschaft intakt sind, sorgt dies auf zweierlei Weise für positive Impulse. Einerseits steigt in einem solchen Umfeld die industrielle Nachfrage nach unserem Lieblingsmetall, andererseits lässt das inflationäre Umfeld das Schutzbedürfnis der Menschen vor hoher Inflation aufkeimen. Der Industriearbeiter ist in Indien derzeit mit einer Inflationsrate von 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau konfrontiert. Für China wird erwartet, dass die Inflation im Januar 2011 bei +5,4 Prozent zum Vorjahr lag. Die Nahrungsmittelpreise legten binnen 12 Monaten zuletzt um 9,6 Prozent zu. Die Menschen in diesen Staaten können die Auswirkungen des Kaufkraftverfalls ihrer Währungen am eigenen Leib erfahren. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass die Gold- und Silbernachfrage in Ländern wie China und Indien seitens der Bevölkerung zunimmt. Langfristig spricht dies für stark steigende Edelmetallpreise.

Diese Entwicklung wird nach unserer festen Überzeugung auch in der Eurozone Platz greifen. Der Spiegel berichtete vergangenen Samstag, der scheidende Bundesbankchef Axel Weber habe die Konsequenzen gezogen, weil er bei wichtigen Fragen eine Minderheitenmeinung eingenommen habe. Für uns steht fest, dass er keine Mehrheit für die Stabilitätskultur der Deutschen Bundesbank im EZB-Rat sah. Er wäre, wenn Merkel ihn überhaupt als EZB-Präsidenten durchgesetzt hätte, nur ein schwacher Präsident der Euro-Notenbank geworden. Im Übrigen dürfte er die Folgen der lockeren Geldpolitik richtig einschätzen. Diese Präsidentschaft wäre damit wohl kaum die Krönung seines Lebenswerks geworden und er dürfte in einigen Jahren sehr froh sein, dass dieser Kelch an ihm vorüberging! Da kann Peter Bofinger im FAZ-Interview am 13. Februar gerne sagen, »von Inflation zu sprechen ist doch neurotisch«. Wir haben das ganze Jahr 2010 auf steigende Rohstoffpreise als Folge der guten Konjunktur – hauptsächlich in Asien – hingewiesen. Der alte CRB-Index mit 17 gleichgewichteten Rohstoffen hat schon längst das Hoch des Jahres 2008 hinter sich gelassen. Vielleicht schaut sich Herr Bofinger einmal diesen Chart von 1963 bis heute an. Hier zeigen sich die Folgen der laxen Geldpolitiken rund um den Globus:

 

 

Silber hat auf Eurobasis im letzten Jahr 96 Prozent zulegen können und damit Gold deutlich deklassiert. Das gelbe Metall kam nur auf 38,6 Prozent. Wir sind angesichts der gesamten Gemengelage mehr denn je davon überzeugt, dass für Silber das Beste erst noch kommen wird. Dennoch ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass immer wieder heftige Rückschläge erfolgen. Dabei wird immer wieder »mit gezinkten Karten« seitens der großen Händler gespielt. Dass es nicht immer mit rechten Dingen zugeht, wollen wir mit diesem Beitrag wieder einmal belegen.

Jeder Anleger, der an der NY Comex z. B. den 5.000-Unzen-Kontrakt Silber handeln möchte, muss eine sogenannte »Initial Margin« in seinem Brokerkonto vorhalten. Warum und was bedeutet »Initial Margin« überhaupt? Eine kurze Erläuterung: Die CME Group als für den Handel dieser Kontrakte zuständige Kontrollstelle legt fest, welche Mindesthinterlegungssumme ein Anleger auf seinem Brokerkonto haben muss, um überhaupt einen Kontrakt eröffnen zu dürfen. Man kann die »Initial Margin« deshalb auch als »Einschussleistung« oder besser noch als »Sicherheitshinterlegung« bezeichnen. Durch diese Sicherheitshinterlegung will die CME gewährleisten, dass sich Käufer und Verkäufer eines Kontraktes keinem finanziellen Ausfallrisiko der jeweiligen Gegenpartei bei einem Geschäft aussetzen. Die Sicherheitshinterlegung hat also eine sehr berechtigte Schutzfunktion, die umso wichtiger wird, je steiler oder auch volatiler eine Bewegung in dem jeweiligen Markt wird.

In unserem nachfolgenden Beispiel belassen wir es der Einfachheit halber ausschließlich bei der Veränderung der Sicherheitshinterlegung, die für die Gruppe der Spekulanten gültig wurde.

 

Historie:

Am 09.11.2010 wurde die Anhebung von 6.750 auf 8.775 US-Dollar bekannt gegeben. Am 16.12.2010 von 8.775 auf 10.463 US-Dollar und am 20.01.2011 dann auf 11.138 US-Dollar.

Schauen wir jetzt mal auf die maximale Verlustmöglichkeit an den Tagen (Tagestief im Vergleich zum Tageshoch), an denen die Erhöhungen für den Folgetag angekündigt wurden:

 

Datum Hoch in US$ Tief in US$ Verlust in %
09.11.2010 29,3600 26,5000 9,74
16.12.2010 29,2250 28,3275 3,07
20.01.2011 28,8075 27,4175 4,83

 

 

Die Handelsspanne am 09.11.2010 betrug von Hoch zu Tief 2,86 US-Dollar. Die Preisdifferenz bei einem 5.000-Unzen-Kontrakt dementsprechend (5.000 x 2,86) 14.300 US-Dollar.

 

Quelle: CME, Bloomberg, Silberjunge

 

 

Die Erhöhung am 09.11. war dementsprechend durchaus gerechtfertigt. Ein Marktteilnehmer, der an diesem Tage z. B. fünf Kontrakte handelte, wies in seinem Konto am Tagesende einen Gewinn oder auch Verlust von maximal 71.500 US-Dollar auf.

Zur Erinnerung: Die Sicherheitshinterlegung betrug bis dato lediglich 6.750 US-Dollar pro Kontrakt. In unserem Beispiel eines Händlers mit fünf Kontrakten also 33.750 US-Dollar! Die CME kam also hier ihrer Verantwortung, die Marktteilnehmer gegenseitig zu schützen, durchaus nach.

Die Erhöhung am 16.12.2010 und speziell am 20.01.2011 ist jedoch kaum begründbar. Der Markt hatte sich beruhigt, die Volatilität an diesen Tagen war längst nicht so hoch wie am 09.11.2010. Es war zudem die zweite Erhöhung nacheinander in einem Umfeld FALLENDER Gold- und Silberpreise, im Gegensatz zu ALLEN vorangegangenen Marginerhöhungen, wo der Edelmetallsektor STIEG.

Wären wir in den immer wieder mit Manipulationsvorwürfen konfrontierten US-Großbanken tätig, würden wir selbstverständlich auch nach Bekanntgabe der erhöhten Marginanforderungen an die Spekulanten Silber leer verkaufen, um die »Schmerzen« für die spekulativen Investorenhände zu erhöhen. Wir achten daher auf den folgenden Chart, der die von der CME verlangte Sicherheitsleistung in Prozent des Kontrakt-Marktwertes ausdrückt (bei einem Silberpreis von 30 Dollar liegt dieser bei 150.000 Dollar). Werte von unter 6 Prozent sprechen für ein großes Risiko, von einer Marginerhöhung der CME heimgesucht zu werden. Ob JP Morgan und Co. bereits im Vorfeld informiert werden, ist für uns dabei nur Nebensache. Für uns steht fest, dass die großen Spieler Nachrichten über erhöhte Sicherheitsanforderungen immer wieder nutzen, massive Leerverkäufe zu tätigen, um den größtmöglichen Schaden für Spekulanten zu verursachen.

In der vergangenen Woche wurde vom Wall Street Journal berichtet, dass Daniel Shak’s 10 Millionen Dollar schwerer Hedgefonds SHK Asset Management Gold-Terminkontrakte über mehr als 850 Millionen Dollar gehalten habe. Dieser kleine Fonds hatte damit über 10 Prozent aller ausstehenden Gold-Terminkontrakte gehalten. Dass dieser unglaubliche Hebel ein Wahnsinn ist, versteht sich von selbst. Wenn die letzte CME-Marginerhöhung solche Marktakteure aus dem Markt kegelt, weinen wir den Betroffenen keine Träne nach. Aber leider sind viele kleine Privatanleger die Leidtragenden der Marginpolitik der CME!

Wenn wir uns in diesem Zusammenhang dann noch die CFTC – Ankündigung der letzten Wochen zu Positionsobergrenzen anschauen, die Häusern wie JP Morgan quasi einen Freibrief erteilt, ihre ungedeckten Leerverkäufe unbegrenzt fortzuführen, bekommt die derzeitige Erhöhungspolitik der CME Group in Sachen »Margin« schnell einen faden Beigeschmack. Zu weit her geholt?

Wenn CFTC-Commissioner Dunne erklärt, dass »die CFTC vor einer Budgetkrise steht, weil sie nicht genug Geld zur Verfügung hat, [die Anforderungen von] Dodd/Frank einzuführen und durchzusetzen«, könnte man daraus schließen, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo die Durchsetzung von Partikularinteressen nun erlaubt ist, um den PAPIERMARKT für Gold und Silber auf unbestimmte Zeit zu regieren. Setzen wir weiter unbeirrt auf physische Edelmetallinvestments.

 

 

 


 

 

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