Tuesday, 26. July 2016
10.02.2016
 
 

Zensur: Facebook sperrt Anonymous

Torben Grombery

Die Hackergruppe Anonymous hatte auf ihrer Profilseite bei Facebook zuletzt mehr als 1,8 Millionen »Gefällt mir«-Angaben und hat mit ihren Veröffentlichungen nicht selten mehr als 20 Millionen Menschen erreicht. Wie sich jetzt zeigt, eine brisante Reichweite für interne Behördendokumente wie BKA-Analysen und Verschlusssachen der Polizei, die ungefiltert zum Herunterladen ins Netz gestellt wurden.

 

Seit dem 4. Februar 2016 ist die Hackergruppe Anonymous nicht mehr in der Lage, neue Artikel auf ihrer Profilseite beim sozialen Netzwerk Facebook zu veröffentlichen (posten). Die Profilseite ist zwar noch zu erreichen und sichtbar, wurde jedoch von Facebook für weitere Posts gesperrt. Dazu später mehr.

Anonymous wäre nicht Anonymous, wenn sie diesen Schritt nicht hätten kommen sehen und längst eine entsprechende Ausweichmöglichkeit anbieten würde – welche auch nach wie vor noch von der Profilseite bei Facebook aus beworben wird.

 

Dort ist seit dem 29. Januar 2016 in einem on Top fixierten Beitrag zu lesen:

»www.vk.com/anonymous.kollektiv – Da die deutsche Politik Facebook mittlerweile dazu zwingt Inhalte auf Zuruf zu löschen und tagtäglich Videos und Beiträge spurlos und ohne Angaben von Gründen von unserer Seite verschwinden, möchten wir unsere Unterstützer hiermit noch einmal eindringlich dazu aufrufen uns ab sofort im Netzwerk VKontake zu folgen. Vorteile: Russisches Netzwerk deutschsprachig Server in Russland Zensur von Beiträgen und Kommentaren findet nicht statt weltweit über 150 Millionen registrierter User kostenloser Stream aller verfügbaren Musiktitel und Filme Apps Spiele keine Datenhehlerei «

Diese Sperrung war also schon verpufft, bevor sie begonnen hatte. Das von Anonymous außerwählte Alternativnetzwerk »vk.com« ist ein mehrsprachiges soziales Netzwerk, das aus Russland stammt und auf russischen Servern liegt. Dorthin folgen den insbesondere bei jungen Menschen beliebten Hackern schon jetzt wieder mehr als 21 000 Personen, die sich eigens dort registriert haben. Über neuerliche Leserzahlen liegen bisher noch keine Belege vor.

 

Die Reichweite von Anonymous bei Facebook war hingegen gewaltig und wurde regelmäßig belegt, zuletzt mit einem Screenshot über die Gesamtreichweite vom 14. – 20. Januar 2016:

 

Da Anonymous auf dieser Profilseite häufig zuwanderungskritische Berichte von alternativen Medien wie KOPP Online sowie dem Compact Magazin veröffentlichte und insbesondere interne Behördendokumente wie als geheime Verschlusssachen klassifizierte Analysen des Bundeskriminalamts oder als »VS – Nur für den Dienstgebrauch« eingestufte Lageberichte zur inneren Sicherheit vom Bundesministerium des Innern zum Herunterladen für Jedermann im Angebot hatte – also Politik und Medien entsprechend schlecht dargestellt wurden – ist dieser Hackergruppe vonseiten der Mainstream-Medien regelmäßig die Zugehörigkeit zum Anonymous Kollektiv abgesprochen worden.

 

Entsprechend wurden die bisher nicht öffentlich bekannten Macher hinter der Profilseite regelmäßig ins rechte Licht gerückt, was dann auch gelegentlich zu Abmahnungen und zum Widerruf wegen falscher Behauptungen geführt hat.

 

Als Grund für die Sperrung ihrer Profilseite beim sozialen Netzwerk Facebook haben die Hacker von Anonymous einen Screenshot ins Internet gestellt, der belegen soll, dass die Sperrung ausschließlich wegen der geleakten Behördendokumente erfolgt ist, was demnach gegen die Facebook-Gemeinschaftsstandards verstößt.

 

Einen weiteren Grund für die gravierende Entscheidung von Facebook sehen viele Leser und Anhänger der Hackergruppe in ihrem Umgang mit Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der bei den Anonymous-Anhängern und Hintermännern äußerst unbeliebt ist und über den regelmäßig absolut negativ berichtet wird (freundlich ausgedrückt).

Den Volljuristen Maas hält man in diesen Kreisen für eine brandgefährliche Fehlbesetzung und Berichte wie »Minister Mittelmaas«, in denen seine Verstrickungen aus der Zeit bei der Saar-SPD beschrieben werden, die allesamt folgenlos für den ehemaligen Umweltminister des Saarlandes geblieben sind, werden entsprechend thematisiert und kommentiert.

 

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte sich in jüngster Vergangenheit mehrfach vehement dafür eingesetzt, gegen »Hasskommentare« im Internet konsequent vorzugehen und mehr Zivilcourage angemahnt. Damit wurde der Druck auf Unternehmen wie Facebook, Twitter und YouTube, ihre Kommentarforen stringenter zu überwachen, stetig erhöht.

 

In Hacker-Kreisen, wo die Meinungsfreiheit als eines der höchsten Güter der Demokratie angesehen wird, kommen solche Vorstöße naturgemäß nicht gut an. Besonders nicht von einem Minister mit zweifelhafter Vergangenheit, der gegen Regierungskritiker die Nazikeule schwingt.

 

Auch die angekündigte europäische »Initiative für Zivilcourage Online«, die zum Ziel hat, Extremismus und Hassreden im Internet zu bekämpfen, und die mit finanziellen Mitteln von mehr als einer Million Euro ausgestattet werden soll, wird nicht nur in Hacker-Kreisen kritisch beäugt.

 

 

 

 

 

 

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