Sunday, 25. September 2016
09.12.2013
 
 

»Völker, hört die Signale«: Das Gespenst von 1929 geht wieder um

Tyler Durden

Es heißt, diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen. Als jemand, der sich intensiv mit der Geschichte der Märkte befasst, habe ich immer wieder festgestellt, dass diese Einsicht zutrifft. Das Pendel schlägt von Furcht wieder zu Gier aus. Die Übervorsichtigen werden zu den Übereifrigsten. Und im Grunde vollzieht sich immer wieder die gleiche Entwicklung: Zu viel Kredit, zu viel Spekulation, das Schwinden des Zweifels und der Zurückhaltung und die Verbreitung der Auffassung, diesmal sei es ganz anders.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es der Ausbau des Eisenbahnnetzes war, der in den Zusammenbruch von 1893 führte, oder ob die Begeisterung über die Konsolidierung der Stahlindustrie 1901 oder die Vermischung von Spekulation und Bankgeschäft 1907 die jeweilige Krise auslöste. Und es geht auch nicht darum, ob die gigantische Ausweitung der

Hypothekenkredite, bestimmte Börsengänge oder die Anreize der Notenbank ausschlaggebende Faktoren waren. Wenn eine Entwicklung nicht ewig andauern kann, wird sie früher oder später zum Erliegen kommen.

 

Die Schwachheit menschlicher Emotionen und Vernunft führt dazu, dass diese extremen Pendelausschläge unausweichlich sind. Unser nur unvollständiges und unvollkommenes Verständnis der wirtschaftlichen Kräfte, die im Gegenzug letztlich die Schwächen der Menschen widerspiegeln, die Entscheidungen über Investitionen, den Kauf oder Spareinlagen treffen, bedeutet, dass die politischen Entscheidungsträger die Unwägbarkeiten und Launen des Konjunkturzyklus niemals überwinden können.

 

Daher gilt: Diesmal unterscheidet sich die Lage nicht grundsätzlich von den vorangegangenen Katastrophen. Vielleicht haben sich Äußerlichkeiten oder bestimmte Einzelheiten geändert, aber der Kern ist derselbe.


Und in der Tat weist der Aktienmarkt heute ein Muster auf, das auf gespenstische Weise der Entwicklung gleicht, die zum berüchtigten »Schwarzen Freitag« und der anschließenden Weltwirtschaftskrise führte. Dieses Muster, das Tom McClellan vom McClellan Market Report veranschaulichte, nachdem ihn der bekannte Kurven-Prognostiker Tom Denmark darauf aufmerksam gemacht hatte, finden Sie im Folgenden abgebildet.

 

 

Es tut mir leid, wenn ich hier die Fieberträume, die die Wall Street in den vergangenen Monaten ergriffen haben, etwas abkühlen muss – diese Euphorie, in der alle Indikatoren scheinbar Rekordwerte erreichten: die anhaltende positive Stimmung auf den Märkten ebenso wie die kreditfinanzierten Aktienkäufe; die allerorten kapitulierenden Bären (d.h. diejenigen, die mit fallenden Kursen rechnen) und ein Markt, der in zunehmendem Maße von Kreditvermittlungen abhängt, die lockere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Anreize schaffen soll, und das Hirngespinst, dass die Rentabilität der Unternehmen niemals wieder in Frage gestellt würde.

 

Legte man bei der Beurteilung lediglich die Preisanalogie zugrunde, gäbe es Anlass zur Sorge. Aber auch grundsätzlich solle man allmählich beginnen, sich Sorgen zu machen.

 

Während das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts schwächelt (das Wirtschaftsanalyse-Unternehmen Macroeconomic Advisors sieht für das letzte Quartal dieses Jahres lediglich ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus), immer mehr Amerikaner ihren Arbeitsplatz verlieren, die Unternehmen weiterhin Investitionen zurückhalten und die Ausgaben für den persönlichen Konsum auf ein Niveau angestiegen sind, wie es mit den jüngsten Rezessionen einherging, haben wir die Phase sich verringernder Grenzerträge aufgrund der abhängig machenden lockeren Geldpolitik der Fed schon hinter uns gelassen.

 

Gegenwärtig beschränken wir uns auf eine asymmetrische Geldpolitik und die Senkung der Leitzinsen. Die ungenutzten Kapitalreserven der Banken sind auf Billionenhöhe angewachsen. Der Immobilienmarkt ist nach den Spekulationen über eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik der Fed im Jahresverlauf ins Stocken geraten, was zwischen Mai und August zu einem Anstieg der Hypothekenzinsen von 3,4 Prozent auf 4,6 Prozent führte. Der Anleihenmarkt wird durch die Monetarisierung der Staatsverschuldung durch die Anleihenkäufe der Fed zunehmend verzerrt. Die Volkswirtschaften der aufstrebenden Märkte müssen verstärkt mit Währungskrisen rechnen, sollte die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik tatsächlich zurückfahren.

 

Das weiß auch die Fed. Aber sie ist in der Zwickmühle zwischen diesen Risiken und einem realen und ernsthaften Liquiditätsentzug gegenüber den Märkten – dem einzigen Lichtblick des wirtschaftlichen Aufschwungs nach 2009 – gefangen.

 

Aber die Besonderheiten der Geschehnisse, die letztlich in den Zusammenbruch von 1929 mündeten, liefern uns abschreckende Einsichten in die sich gegenwärtig vollziehenden Entwicklungen.


Die Entschlossenheit der von Bernanke geleiteten Fed, die Fehler zu vermeiden, die die Große Depression verschlimmert haben – zur Unzeit einsetzende restriktive monetäre Bedingungen –, hat dazu geführt, dass gerade die Fehler wiederholt wurden, die überhaupt erst die Krise auslösten: Dies gilt insbesondere für die anhaltend niedrigen Zinsen durch den Ankauf von Staatsanleihen, was dann zu einem Wirtschaftsaufschwung und positiven Erwartungen auf den Märkten führte, die durch die nur geringe oder praktisch nicht vorhandene Inflation gerechtfertigt schienen.

 

(An dieser Stelle sei eine Zwischenbemerkung gestattet: Wie der Ökonom Murray Rothbard, ein Anhänger der Österreichischen Schule, in seinem Buch America’s Great Depression feststellte, fielen damals wie heute aufgrund von Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen die Preise.)

 

Hier nun der Clou: Ende der 1920er Jahre betrieb die Fed (damals vor allem die New Yorker Fed unter der Führung von Benjamin Strong) eine massive Politik der geldpolitischen Lockerung (»Quantitative Easing«). Die Geldmenge wurde ausgeweitet und die Zinsen über direkte Anleihekäufe niedrig gehalten. Wie heute auch wurde die Wall Street von einer euphorischen Stimmung beherrscht.

 

Die Katastrophe folgte auf dem Fuße


Die Entscheidungsträger der Fed sahen sich als Helden, als sie gegen das vorherrschende Dogma der Zentralbanken verstießen, wie es etwa 1873 durch den Herausgeber des Economist, Walter Bagehot, in seinem berühmten Buch Lombard Street: A Description of the Money Market formuliert worden war: Die Zentralbanken sollten solventen Banken zu Strafzinsen im Gegenzug für hochwertige Sicherheiten großzügig Geld leihen. Anreize durch die Zentralbank sollten in Form von Zentralbankkrediten nur in Notfällen eingesetzt werden, um eine Panik zu verhindern. Die Notenbank sollte nie über die reine Ausweitung der Geldmenge als Motor der wirtschaftlichen Rettung dienen.

 

Diese Prinzipien werden gegenwärtig wieder verletzt und damit die Fehler der Vergangenheit wiederholt. Bernanke wird noch zu seinen Lebzeiten die Folgen seiner Fehler und seiner fehlgeleiteten Rechtfertigung, die Lockerung der Geldpolitik sei ein Erfolg, weil die Aktienkurse gestiegen seien, zu spüren bekommen. Dabei ignorierte er die Beweise dafür, dass dieser »Wertzuwachs« nicht den gewünschten Erfolg brachte.


Strong starb 1928 und erlebte daher die katastrophalen Folgen, den seine besessene Fixierung auf niedrige Zinsen und eine massive Kreditausweitung auslösten, nicht mehr. Noch 1927 hatte er behauptet, seine Politik werde »die Aktienmärkte in eine euphorische Stimmung« versetzen.

 

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Geldanlage: So wird sich der Goldpreis entwickeln
  • Cloud-Computing und Abzocke: Überall
    neue Kassenhäuschen
  • Obama schließt US-Botschaft im Vatikan
  • Tod aus dem Drucker? Die unterschätzte Gefahr

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

15 Anzeichen dafür, dass wir kurz vor dem heftigen Platzen einer wirklich massiven Aktienblase stehen

Michael Snyder

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Bob Shiller, der dieses Jahr zusammen mit Lars Peter Hansen und Eugene Fama mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, erklärte: »Genau so sehen Blasen aus.« Er sei über den »Aufschwung auf dem amerikanischen Aktienmarkt sehr beunruhigt«. Aber man muss kein Nobelpreisträger  mehr …

Zwölf der bedrohlichsten Warnungen zu den möglichen Folgen einer amerikanischen Zahlungsunfähigkeit für die Weltwirtschaft

Michael Snyder

Eine amerikanische Zahlungsunfähigkeit über einen Zeitraum von mehreren Tagen hinweg könnte einen Finanzzusammenbruch auslösen, der alles bisher Bekannte in den Schatten stellen würde. Sollte die amerikanische Regierung absichtlich das weltweite Finanzsystem in Bedrängnis bringen wollen, bestünde die beste Möglichkeit darin, die Begleichung der  mehr …

1933 wurde die Depression bestritten – auch heute leugnen sie, dass wir uns in einer Depression befinden

Michael Snyder

Je stärker sich alles verändert, desto stärker zeigt sich aber auch, dass vieles im Kern unverändert bleibt. Die Große Depression begann eigentlich mit dem berüchtigten »Schwarzen Donnerstag« am 24. Oktober 1929, aber wie Sie gleich sehen werden, veröffentlichte die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) noch 1933 reihenweise Meldungen und  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Die kosmischen Wurzeln der Menschheit – Welche Rolle spielten die »Götter«?

Armin Risi

Bereits vor Jahrtausenden sahen paranormal begabte Menschen das gegenwärtige Zeitalter voraus, ebenso auch dessen Ende. Der Tiefpunkt werde der Wendepunkt sein. Dann, so sagten sie, würden die Menschen beginnen, sich wieder zu erinnern: an ihre geistige Herkunft, an ihre Geschichte im Zyklus der Zeiten und an ihre Berufung hier auf Erden. »Ihr  mehr …

Kolloidales Gold: Entdecken Sie eines der großartigsten Heil- und Verjüngungsmittel

Brigitte Hamann

Vieles wurde über die kraftvolle Wirkung von kolloidalem Silber gegen Bakterien, Viren und Pilze geschrieben. Aber kennen Sie auch kolloidales Gold? Kolloidales Gold setzt an den fundamentalen Schaltstellen von Gesundheit, Jugendlichkeit und Regeneration an. Lesen Sie weiter und entdecken Sie, was kolloidales Gold alles für Sie tun kann.  mehr …

Manning an WikiLeaks: »Dies wird ein großartiges Jahrzehnt werden«

Robert Bridge

Tief verborgen in einem umfangreichen Dossier der US-Streitkräfte zum Kriegsgerichtsprozess gegen Chelsea (früher: Bradley) Manning ist ein 13-seitiges Protokoll verschiedener Internetchats zwischen Manning und einem WikiLeaks-Vertreter enthalten, hinter dessen Pseudonym »Nathaniel Frank« der WikiLeaks-Gründer Julian Assange vermutet wird. Diese  mehr …

China gegen USA – Kampf um geopolitische Vormacht oder Vorbote des Dritten Weltkriegs?

Peter Orzechowski

Wer das derzeitige Säbelrasseln von Japan und China um die chinesisch »Diaoyu« und japanisch »Senkaku« genannte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer als regionales Kraftgeprotze kleinredet, hat den geopolitischen Zusammenhang nicht verstanden. Denn in Wahrheit geht es darum: Wer hat die Vorherrschaft über die Küsten Chinas? Peking beginnt, den  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.