Friday, 30. September 2016
21.06.2014
 
 

Die »Minerva Research Initiative« – das Pentagon wappnet sich für »massiven gesellschaftlichen Zerfall«

Tyler Durden

Vor einem Monat erschienen Fotos der chinesischen Polizei bei einer Übung. Die Einheiten übten, wie man einen »Arbeiteraufstand« niederschlägt, aber sie taten dabei auch genau das, was nötig wäre, um eine Rebellion der Mittelschicht einzudämmen. Was weiß China, das die USA nicht wissen? Wie sich herausstellt, lautet die Antwort: nichts.

 

China mag trainieren, wie man mit Gummigeschossen Aufstände beendet, aber schon 2008 führte das amerikanische Verteidigungsministerium Studien zur Dynamik bürgerlicher Unruhen und zu möglichen Reaktionen des US-Militärs durch!

 

Der Name des Projekts: »Minerva Research Institute«. Die Aufgabe: »Das grundlegende Verständnis des Pentagons für gesellschaftliche, kulturelle, verhaltenspsychologische und politische Kräfte steigern, die für die USA strategisch bedeutsame Regionen der Welt beeinflussen.«


Detailliert berichtete als erstes The Guardian darüber. Dort hieß es: »Das Millionen Dollar schwere Programm ist dafür gedacht, unmittelbare und langfristig ›für Kriegsparteien relevante Erkenntnisse‹ zu gewinnen, die für ranghohe Beamte und Entscheider in der ›verteidigungspolitischen Gemeinde‹ gedacht sind. Die Informationen sollen ›an Kämpfen beteiligten Kommandanten‹ bei der Entscheidungsfindung helfen.«

 

Minervas Grundprämisse ist simpel: Wie laufen im Zeitalter sozialer Netze gewalttätige politische Umstürze (oder auch massiver gesellschaftlicher Zerfall) ab? Wie kann man sich darauf vorbereiten – durch »Ins-Visier-nehmen friedlicher Aktivitäten und Protestbewegungen« –, wenn es schließlich auch auf amerikanischem Boden dazu kommt?

Für den Zeitraum 2014 bis 2017 wurde eine Studie der Cornell University und des US Air Force Office of Scientific Research genehmigt. Sie soll ein empirisches Modell zur »Dynamik der Mobilisierung und Ansteckung sozialer Bewegungen« entwickeln. Bestimmt werden soll, wann soziale Ansteckung die »kritische Masse (den Tipping-Point)« erreicht. Zu diesem Zweck werden »digitale Spuren« untersucht, die für »die Revolution 2011 in Ägypten, die Wahlen zur russischen Duma 2011, die Krise um Benzinsubventionen in Nigeria 2012 und die Gazi-Park-Demonstrationen 2013 in der Türkei« vorliegen.

Tweets und Onlinegespräche werden untersucht, um »herauszufinden, wann Einzelpersonen von sozialer Ansteckung erfasst wurden und ab welchem Punkt sie mobilisiert wurden«.

Ein anderes Projekt wurde der Universität von Washington dieses Jahr genehmigt. Darin geht es darum, »die Bedingungen zu entdecken, unter denen politische Bewegungen entstehen, die umfassenden politischen und wirtschaftlichen Wandel herbeiführen wollen« und um die typischen Eigenschaften und die Folgen. Gemanagt wird das Vorhaben vom US Army Research Office. Schwerpunkt werden »große Bewegungen mit mehr als 1000 dauerhaften Teilnehmern« sein, untersucht werden insgesamt 58 Länder.

Gut finanziert ist Minerva allemal. 75 Mio. Dollar standen über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg zur Verfügung, um Soziales und Verhaltenspsychologisches zu erforschen. Allein dieses Jahr hat der US-Kongress ein Budget von 17,8 Mio. Dollar für Minerva abgenickt.

 

Zu den völlig »theoretischen« Studien, die Minerva finanziert, gehört auch ein Projekt, das die Universität von Maryland gemeinsam mit dem Pacific Northwest National Laboratory des Energieministeriums durchführt. Dabei geht es darum, herauszufinden, wie groß das Risiko sozialer Unruhen aufgrund von Klimawandel ist. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und kostet 1,9 Mio. Dollar. Dabei werden Modellrechnungen erstellt, wie sich Gesellschaften unter dem Einfluss diverser Klimaveränderungen entwickeln.

 

Minerva soll einfach nur theoretische sozialwissenschaftliche Experimente durchführen, heißt es. Das würde doch bedeuten, dass es überhaupt keine praktische Anwendungsmöglichkeit für die Erkenntnisse geben sollte. Weit gefehlt.

Es handele sich nur um Grundlagenforschung, man solle sich also keine Sorgen darum machen, anwendungsorientierte Dinge zu tun, hatte Dr. Harold Hawkins vom Office of Naval Research den Forschern von der Uni zu Beginn erklärt. Tatsächlich zeige das Treffen jedoch, dass es dem Pentagon darum gehe, Ergebnisse in Anwendungen umzusetzen, schrieb Corman in der E-Mail. Er empfahl seinen Forschern, darüber nachzudenken, wie man »Ergebnisse, Berichte etc. so gestalten kann, dass sie [vom Pentagon] die praktische Anwendbarkeit klar erkennen können«.

Viele unabhängige Wissenschaftler stehen dem Vorgehen der US-Regierung kritisch gegenüber. Sie bewerten das Verhalten als Versuch, Sozialwissenschaften zu Kriegszwecken zu militarisieren. Im Mai 2008 schrieb die American Anthropological Association (AAA) der US-Regierung, dem Pentagon fehle es an der Infrastruktur, die man zur gründlichen, ausgewogenen und objektiven Bewertung und zur Peer Review anthropologischer und anderer sozialwissenschaftlicher Forschung benötige. Derartige Forschung sei bei zivilen Einrichtungen wie der National Science Foundation (NSF) besser aufgehoben.

Und bei wem laufen alle Fäden zusammen? Natürlich bei der NSA, wo sonst.

Bei einem Kriegsszenario ging es Price zufolge um Umweltschützer, die gegen ein Kohlekraftwerk bei Missouri protestieren. Einige davon seien Mitglieder der bekannten Nichtregierungsorganisation Sierra Club. Die Aufgabe der Teilnehmer sei es gewesen, zu identifizieren, wer Problemlöser sei und wer Problembereiter und welche Bevölkerungsteile im Zuge der Informationsmaßnahmen ihre Meinung hin zu denjenigen Ansichten und Werten verlagern würden, die dem »angestrebten Endzustand« der Militärstrategie entsprechen.

Derartige Kriegsspiele decken sich mit einer Vielzahl von Planungsunterlagen aus dem Pentagon, denen zufolge die Massenüberwachung der National Security Agency (NSA) zum Teil auch davon motiviert ist, sich auf die destabilisierenden Folgen kommender Umwelt-, Energie- und Wirtschaftsschocks einzustellen.

»Minerva ist ein hervorragendes Beispiel für das zutiefst engstirnige und verzweifelte Wesen der Militärideologie«, schreibt Nafeez Ahmed vom Guardian. »Schlimmer noch: Dass sich Vertreter des Verteidigungsministeriums weigern, auch nur die einfachsten Fragen zu beantworten, ist symptomatisch für eine simple Tatsache: Während sie unbeirrbar an ihrer Mission festhalten, ein zusehends unbeliebter werdendes globales System zu schützen, das den Interessen einer winzigen Minderheit dient, zögern die Nachrichtendienste nicht, den Rest von uns als potenzielle Terroristen hinzustellen.«

 

Aber das ist doch nicht überraschend? Wenn die Gesellschaft tatsächlich auseinanderbricht (und die groß angelegten Planungsspiele der Fed und ihrer Kollegen werden das Heranrücken dieses Tags nur beschleunigen), wird praktisch jeder, der das zerfallende Regime auch nur in winzigster Form gefährden könnte, als Terrorist hingestellt werden.

 

Wir haben bereits darüber berichtet: Was noch vor nicht allzu langer Zeit wie Science-Fiction klang, steht kurz bevor – die Einführung von »Pre-Crime«, der präventiven Verbrechensbekämpfung. Ein leistungsstarker NSA-Computer mit kognitiven Fähigkeiten wird allein durch Verhaltensmuster bestimmen, wer sich in Zukunft zum Terroristen entwickeln könnte. Es ist quasi nur eine Frage der Zeit, bis Männer in grauen Anzügen – oder noch besser: Drohnen – ohne großes Aufsehen alle potenziellen Terroristen abführen. Als Grund reicht doch, dass allein ihre Anwesenheit schon den Status quo bedroht und zu einem noch schnelleren Zerfall des Systems führen könnte.

 

So, und nun ignorieren Sie am besten all das Vorige und gehen schön Aktien kaufen, denn alles ist gut. Hier gibt es nichts zu sehen!

 

 

 


 

 

 


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