Friday, 29. July 2016
28.02.2014
 
 

Weitere »Verschwörungstheorie« als wahr erwiesen: Regierung spioniert Bevölkerung über Webcams aus

Tyler Durden

Ich erinnere mich noch genau, dass ich mich vor vielen Jahren schon entschied, die Linse meiner Webcam mit einem Stück Klebeband zu verschließen, nachdem mir bewusst geworden war, dass auf meine Computer-Webcam ferngesteuert zugegriffen werden könnte. Ich erinnere mich auch noch gut an die Gesichter, die meine Freunde zogen, als sie das bemerkten und nach dem Grund fragten. Sie hielten mich für übergeschnappt. Es wurde nicht einmal mit mir in aller Ruhe darüber geredet, da die Vorstellung, die Regierung oder der Geheimdienst NSA könnte oder würde unschuldige Amerikaner über ihre Webcams ausspionieren, den meisten Menschen damals absurd und grotesk erschien.

Dieses Thema ist nicht gerade neu, und ich hatte es bereits im vergangenen April mit meinem englischsprachigen Artikel »Ein Blick auf die Schadprogramme, die das FBI benutzt, um über Webcams zu spionieren« aufgegriffen. Dank Edward Snowden wissen wir heute mehr, viel mehr.

 

Die britische Tageszeitung The Guardian schrieb dazu:

»Wie Geheimdokumente enthüllen, fing der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) mit Unterstützung der amerikanischen NSA Webcam-Standbilder von Millionen von Internetnutzern, gegen die keinerlei Verdacht vorlag, ab und speicherte sie.

In GCHQ-Dokumenten aus dem Zeitraum 2008 bis 2010 heißt es ausdrücklich, dass ein Überwachungsprogramm mit dem Decknamen ›Optic Nerve‹ (›Sehnerv‹) massenweise Standbilder aus Yahoo-Videochats sammelte und sie in den Datenbanken des Geheimdienstes speicherte. Dabei spielte es keine Rolle, ob die betreffenden Personen Zielpersonen des Geheimdienstes waren oder nicht.

Allein in einem Zeitraum von sechs Monaten im Jahr 2008 sammelte der Geheimdienst Webcam-Bilder von mehr als 1,8 Millionen Yahoo-Nutzern weltweit. Unter den Fotos befand sich eine erhebliche Anzahl von Bildern eindeutig sexuellen Inhalts.

Die GCHQ verfügen nicht über die technischen Möglichkeiten, sicherzustellen, dass von dem Programm keine Bilder britischer oder amerikanischer Staatsbürger gesammelt und gespeichert werden. Zudem gibt es nach britischem Recht keine Beschränkung, die es britischen Geheimdienst-Analysten verbietet, auf Bilder von Amerikanern ohne eine richterliche Einzelfallbefugnis zuzugreifen…

Das System, das in beängstigender Weise an den allgegenwärtigen Televisor in George Orwells 1984 erinnert, wurde zu Experimenten im Zusammenhang mit der automatischen Gesichtserkennung benutzt, um GCHQ-Zielpersonen zu überwachen und auch neue potenzielle Zielpersonen zu ermitteln. Solche Durchsuchungen des Internets könnten dazu eingesetzt werden, Terrorverdächtige oder Kriminelle aufzustöbern, die sich zahlreicher anonymer Nutzernamen bedienen.

Das Programm speicherte keine vollständigen Video-Chats, sondern ›nur‹ alle fünf Minuten ein Standbild aus dem Feed des jeweiligen Nutzers. Auf diese Weise wollte man zum Teil den Vorgaben gesetzlicher Menschenrechtsvorschriften entsprechen und gleichzeitig eine Überlastung der GCHQ-Server durch die sonst anfallende Datenmenge vermeiden.«

Die vorgelegten Dokumente lassen zwar keine Rückschlüsse darauf zu, ob auch noch andere Nutzer als Yahoo-Kunden im gleichen Maße betroffen waren oder sind, aber in einem Dokument werden etwa die vielversprechenden Potenziale und Fähigkeiten der Kinect-Kamera der Xbox 360 mit Interesse erörtert. Diese Kamera werde auch für den »ganz alltäglichen Webcam-Verkehr« genutzt und eigne sich daher für die Einbeziehung in ein umfassenderes Programm.

 

Dieser Hinweis darauf, dass überlegt wurde, die Kinect-Kamera zu Spionagezwecken zu missbrauchen, ist interessant, da ich mich bereits im letzten Frühjahr in einem Blogbeitrag unter der Überschrift »Was steckt so alles in Ihrer Xbox? Zahlreiche Überwachungsgeräte« dazu geäußert hatte.

 

Aus bereits zuvor im Guardian veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass sich auch die NSA mit den Möglichkeiten beschäftigte, die Videofähigkeiten der Spielkonsolen für ihre Überwachungszwecke einzuspannen.

 

Über den Missbrauch von Webcams und Spielkonsolen hinaus suchen GCHQ und NSA nach genaueren und ins Einzelne gehenden Systemen zur Gesichtserkennung, wie etwa Iris-Erkennungskameras. »Man denke nur an den Film Minorit Report, in dem Tom Cruise mitspielte«, heißt es in einer Geheimdienst-Präsentation.

 

Vergessen Sie nicht: Ihre Regierung liebt Sie – insbesondere Ihre Nacktfotos.

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Unrechtsstaat Deutschland
  • Auswandern nach Kanada?
  • Mit Windparks in den Ruin
  • Was tun bei ärztlichen Behandlungsfehlern?

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

»Verschwörungstheorie«: Grundlagen eines »Totschlagarguments«

James F. Tracy

Der Begriff der »Verschwörungstheorie« löst bei den meisten in der Öffentlichkeit stehenden Menschen und insbesondere bei Journalisten und Akademikern Angstgefühle und Beunruhigung aus. Seit den 1960er Jahren wurde diese Etikettierung zu einem Disziplinierungsmittel, das sich als überwältigend effektiv erwies, wenn es darum ging, zu verhindern,  mehr …

Microsoft bestreitet, Skype-Gespräche zu überwachen – zuvor waren Nutzer wegen beleidigender Sprache gesperrt worden

Paul Joseph Watson

Nachdem ans Licht gekommen war, dass Microsoft Nutzer der Spielkonsole Xbox wegen beleidigender Äußerungen gesperrt hatte, sah sich das Unternehmen gezwungen, zu dementieren, dass es über den Internetdienst Skype laufende Gespräche überwacht.  mehr …

Big Brother oder Spanner? England installiert Überwachungskameras in Toiletten und Umkleideräumen

Redaktion

Über 200 staatliche Schulen in England haben in Toiletten-, Wasch- und Umkleideräumen Kameras zur Überwachung der Schülerinnen und Schüler installiert, wie aus einem vor Kurzem veröffentlichten Bericht zu den Überwachungsmaßnahmen hervorgeht.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Auswandern nach Kanada? Aufgepasst, es gibt auch Risiken

Markus Gärtner

Es ist erstaunlich, dass Einwanderer in Kanada nur die positiven Seiten des Landes kennen. Ein medialer Schutzschild verdrängt einiges, was jene, die nach Kanada wollen, unbedingt wissen sollten.  mehr …

Fortschrittliche Sprachreinigung: Der Mohr soll gehen

Udo Ulfkotte

Die Evolution hat den Menschen Augen gegeben, mit denen sie ihre Umwelt betrachten können – und ein Gehirn, um die Eindrücke zu verarbeiten. Mitunter gibt es Sinnestäuschungen. Denn Politiker und auch Medien zeichnen oftmals gern ein Bild von unserer Umwelt, welches bei näherer Betrachtung völlig anders ist. Das ist zwar politisch so korrekt. Aber  mehr …

Gold: Was verschweigt die Bundesbank zum deutschen Staatsgold?

Redaktion

Brisante Neuigkeiten zu unserer Frankfurter Zentralbank und dem Gold, das wir in New York eingelagert haben. Gold, das uns allen gehört. Dieses Gold hatte die Zentralbank teils zurückgefordert. Jetzt verzichtet sie weitgehend auf diese Forderung. Warum?  mehr …

Besteht eine Verbindung zwischen Monsanto und der Legalisierung von Marihuana in Uruguay?

F. William Engdahl

Im April wird Uruguay nach einem Votum des Parlaments als erstes Land der Welt den Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana legalisieren. Cannabiskonsumenten können in speziell lizenzierten Apotheken monatlich maximal 40 Gramm kaufen, sofern sie uruguayische Staatsbürger, mindestens 18 Jahre alt und in einer staatlichen Datenbank erfasst sind, mit  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.