Irak: Todesurteil gegen einen Christen – Obama mit schuldig?
Udo Schulze
Macht sich US-Präsident Barack Obama kurz vor den mit Spannung erwarteten Kongresswahlen zumindest moralisch mitschuldig an der bevorstehenden Hinrichtung eines Christen? Der Verurteilte heißt Tariq Aziz, ist 74 Jahre alt und ehemaliger Außenminister des Irak. Zum Tode durch den Strang wurde er von einer Justiz bestimmt, die zu einem Regime gehört, das die USA und ihre Verbündeten durch den Irak-Krieg erst an die Macht gebracht haben.
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Aziz, der nach Ansicht zahlreicher internationaler Beobachter Opfer einer Siegerjustiz geworden ist, gehört der chaldäischen Kirche, die seit dem 17. Jahrhundert mit der Römisch-katholischen Kirche assoziiert ist, an. Deswegen protestierte der Vatikan auch umgehend nach Verkündung des Urteils. Die katholische Kirche lehne die Todesstrafe prinzipiell ab, hieß es. Man hoffe, das Urteil werde nicht vollstreckt. Sollten die Aufrufe der Kirche ungehört verhallen, sieht sich die Regierung in Irak künftig nur schwer zu beantwortenden Fragen ausgesetzt. So jener danach, wo denn der Unterschied des heutigen Vorgehens zu dem Saddam Husseins liege, der ebenfalls Todesurteile verkünden ließ. Zudem muss laut darüber nachgedacht werden, ob es sich im Fall Aziz nicht auch um einen Kampf zwischen Islam und Christentum handelt, wenn denn die angeblich westlich orientierten Kräfte in Bagdad den Aufforderungen der katholischen Kirche – und damit der Zivilisation – missachten und ihr blutiges Handwerk vollenden. Geradezu dringlich wird in diesem Zusammenhang der Gedanke, was die USA und ihre Verbündeten durch den Krieg außer Tod und Zerstörung noch bewirkt haben – offensichtlich nichts von besonderer Tiefe. Einen wirklichen Wandel im Denken, Einschätzen und Handeln der irakischen Bevölkerung und ihrer Regierung kann angesichts des Todesurteils niemand verzeichnen. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Wölfe im Irak den Schafspelz mit dem Abzug der Amerikaner wieder abgelegt haben und nun die Zähne schlimmer denn je blecken.
Für US-Präsident Obama eine nicht ungefährliche Entwicklung, zeigt sie doch, dass er in Wirklichkeit überhaupt nicht in der Lage ist, freiheitliches Denken, Demokratie und Humanität in den Irak zu bringen. Das Implantat »westliche Werte« wird vom irakischen Körper abgestoßen, trotz aller Operationsversuche. Obama, dem zuhause der Wind eiskalt ins Gesicht bläst, muss sich im teilweise stark christlich geprägten Amerika darauf einstellen, dass seine konservativen Gegner in der Heimat das Todesurteil gegen einen Christen aufgreifen werden. Zumal in den USA noch immer engagiert darüber diskutiert wird, ob der Präsident nun Moslem oder Christ sei. Er selber hat sich klar zum Christentum bekannt.
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