Arabische Öl-Staaten wollen Kohlekraftwerke bauen
Udo Ulfkotte
Die Anrainer des Persischen Golfes verfügen über die größten bekannten Rohölreserven der Welt. Zudem haben sie gewaltige Gasvorkommen. Nun wurde bekannt, dass sie Kohlekraftwerke bauen wollen.
Das Sultanat Oman wird stets als Inbegriff orientalischer Märchenländer genannt. Neben trockenen Wüsten gibt es subtropische Gebiete, die einen ungeheuren Artenreichtum in der Natur hervorgebracht haben. Und weil die Bevölkerung des riesigen Landes mit 2,5 Millionen Menschen klein, vor allem die Gasreserven aber eher groß sind, kann der herrschende Sultan Qabus es sich leisten, jedem Staatsbürger gelegentlich ein Geschenk zu machen. Mal bekommen die Familienoberhäupter ein neues Fischerboot, mal Einladungen zu Empfängen am Hofe des Sultans mit üppigen Verköstigungen. Das soll die Bürger des islamischen Landes bei Laune halten und Unzufriedenheit nicht aufkommen lassen. Doch die Bevölkerung von Oman, das bis in die sechziger Jahre hinein noch tiefstes Mittelalter war, wird derzeit mit Schallgeschwindigkeit in die Neuzeit katapultiert. Das Land boomt. Immer mehr Touristen besuchen das Land, immer mehr Investoren kommen und auch die Einkommen der Bürger steigen. Damit einher geht ein höherer Energieverbrauch. Es wird ständig mehr Strom, aber auch Wasser verbraucht – Wasser, das in Meerwasserentsalzungsanlagen mit hohem Energieeinsatz produziert werden muss.

Nun kann der Ölexporteur Oman noch mindestens 20 Jahre Öl exportieren. Und die Gasreserven reichen weitaus länger. Doch ein Barrel Öl wird auf dem Weltmarkt seit Monaten schon mit weit mehr als 90 Dollar gehandelt. Und vor allem die Chinesen und Inder kaufen omanisches Flüssiggas (LNG) schneller, als die Omanis Tanker abfüllen können. Öl und Gas werden auf absehbare Zeit teuer bleiben. Zugleich ist Kohle auf dem Weltmarkt günstig zu haben. Vor diesem Hintergrund erwägt man in Oman nun, erste Kohlekraftwerke zu bauen. Man will also die heimische Energie teuer verkaufen – und die nicht eben saubere Kohle importieren. 700 Megawatt soll das erste Kohlekraftwerk haben.
Bei der Verbrennung von Kohle entsteht ebenso wie bei Erdgas immer Kohlendioxid (CO2). Ein Steinkohlekraftwerk der Mittellast mit 700 MW verbraucht im Jahr rund 1,8 Mio. Tonnen Kohle, es entstehen rund drei Mio. Tonnen CO2 mit einem Volumen von 1500 Mio. Kubikmeter. Das ist das 7,5-fache des Fassungsvermögens des Ederstausees. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben vorsichtig angekündigt, ihren Strom zukünftig auch mit Hilfe von Kohlekraftwerken gewinnen zu wollen. Kohlekraftwerke gehören zu den größten Luftverschmutzern der Welt. Der Wirkungsgrad moderner Kraftwerke liegt bei maximal 45 Prozent – es gehen somit 55 Prozent der Wärme-Energie über die Kühltürme verloren. Die Umweltbilanz ist daher verheerend.
Beim Klimaschutz sind die Staaten der arabischen Halbinsel ohnehin die Schlusslichter. Und bisweilen fallen sie selbst bei Klimaschutzkonferenzen negativ auf, so wie etwa das ölreiche Saudi-Arabien. Riad hatte es bei einer Welt-Klimakonferenz in Kenia im November 2006 gewagt, Fördergelder für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu beantragen. Die waren allerdings für die ärmsten Länder der Welt gedacht. Doch der „Anpassungshilfsfonds“ weckte die Begierde bei den Saudis. Saudi-Arabien setzte bei der Klima-Konferenz noch eins drauf: Die Vertreter Riads forderten, die Diskussionen über den Ausstoß von Treibhausgasen bei Flugzeugen und Schiffen einzustellen. Dabei ist der Verkehr eine der Hauptquellen von Kohlendioxid auf der Welt.
Saudi-Arabien hat ebenso wie Oman das Kyoto-Protokoll unterschrieben - durchaus in dem Bewusstsein, dass die Einsparung fossiler Brennstoffe und die Entwicklung alternativer Energien die Geschäftsgrundlagen des Landes empfindlich beeinträchtigen können. Deshalb treten die Saudis auf den internationalen Klima-Konferenzen als Bremser auf: Sollte der Ölpreis zurückgehen, so eine der Forderungen, müsse das Land Ausgleichszahlungen erhalten - wie die Entwicklungsländer. Da dürfte so manchem armen Schlucker die Spucke wegbleiben. Und weil die Weltgemeinschaft den Forderungen der arabischen Staaten auf Klima-Ausgleichszahlungen nicht nachkommt, geht man nun mit den Plänen für den Bau Umwelt belastender Kohlekraftwerke an die Öffentlichkeit.
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