Saturday, 30. July 2016
18.09.2011
 
 

Säbelrasseln im östlichen Mittelmeer: Droht Krieg zwischen Griechenland und der Türkei?

Udo Ulfkotte

Bricht jetzt auseinander, was nicht zusammengehört? Und zwar nicht nur in der Euro-Zone? Auch in der NATO läuten zwischen Griechenland und der Türkei auf einmal alle Alarmglocken. Die Türkei entsendet (von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt) gerade Kriegsschiffe, weil sich Athen und Ankara um gewaltige Rohstoffvorkommen auf dem Meeresgrund streiten. Die Lage könnte sich schnell zuspitzen, denn Ankara droht ja auch Israel mit einem Militäreinsatz .

Es ist bekannt, dass die Türkei Israel militärisch bedroht und nun als militärische Schutzmacht der Palästinenser auftreten will. Es ist bekannt, dass der türkische Ministerpräsident Erdogan der einzige amtierende Ministerpräsidenten der Welt ist, der wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilt wurde und lange Zeit im Hochsicherheitsgefängnis in einer Einzelzelle inhaftiert war. Der verurteilte Volksverhetzer Erdogan machte weiter und ließ auch skrupellos nahe Kars ein Mahnmal für die Opfer des türkischen Völkermordes abreißen. Er besuchte gerade arabische nordafrikanische Staaten und lobte ausdrücklich jenen Ägypter Ahmet al-Shahat, der gerade erst in Kairo unter dem Jubel der Muslime von der israelischen Botschaft die Flagge vom Dach heruntergeholt hatte. Die Türkei will nun in Ankara eine Straße nach Ahmet al-Shahat benennen lassen. Es ist ebenfalls bekannt, dass die Türkei die NATO über ihre Kriegsvorbereitungen gegen Syrien unterrichtet hat. Und nun geht es auch noch gegen den Erzfeind Griechenland und gegen Zypern. Da braut sich ein gewaltiges Unheil zusammen. Denn die Türkei schürt jetzt überall das Feuer.

Vom 15. September bis 15. November 2011 macht ein norwegisches Bohrschiff im Auftrag der Türkei Probebohrungen im östlichen Mittelmeer. Es geht um Gas- und Ölvorkommen. Das norwegische Bohrschiff ist seit gestern nicht mehr allein unterwegs – die Türkei hat drei Kriegsschiffe abkommandiert, um die Bohrungen militärisch zu sichern. Denn auch Griechenland beansprucht das Gebiet und beginnt ebenfalls mit Probebohrungen (siehe dazu die Informationen von Simablog weiter unten). Nun stoßen im östlichen Mittelmeer zwei alte Feinde aufeinander. Beide Seiten würden von einem Krieg innenpolitisch profitieren: Athen könnte sofort die brodelnde innenpolitische Unzufriedenheit auf den äußeren Feind Ankara lenken – und auch Erdogan würde seinem Ziel, das Osmanische Reich mit allen Mitteln wieder auferstehen zu lassen, einen Schritt näher kommen.

Schon vor einem Jahr berichteten in der Zeitung Welt türkische Wissenschaftler und Juristen darüber, dass die Türkei unter Erdogan immer mehr in Richtung des Hitler-Faschismus rücke. Und nicht nur der türkische Verfassungsrechtler Prof. Dr. Süheyl Batum warnte davor, dass Erdogan ein neuer Goebbels sei. Man hat das in anderen NATO-Staaten bislang einfach nicht hören wollen. Erdogan ist nun einmal ein Meister der Täuschung. Und nun prallen zwei NATO-Staaten im östlichen Mittelmeer aufeinander. Der griechische Ministerpräsident Papandreou hat sogar eine Reise in die USA abgebrochen, wo er wegen der Finanzkrise mit dem IWF und der amerikanischen Regierung sprechen wollte.

Simablog berichtete am Samstag aus Griechenland über den sich anbahnenden Streit zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer:

Das griechische Umwelt- und Energieministerium hat diese Woche den Startschuss für die Förderung von Öl und Gas vor der griechischen Küste gegeben. Es lud alle potenziellen Interessenten ein, sich zunächst um die Rechte zu Probebohrungen und geologischen Untersuchungen zu bewerben. Dies soll im Ionischen Meer (also an der Westküste Griechenlands) und vor der Küste Kretas geschehen.

Es liegen allerdings umfangreiche geologische Gutachten unter anderem der Universität Kreta vor, die belegen, dass es Öl und Gasvorkommen gibt und wo diese liegen. So erwartet das Ministerium, dass die Probebohrungsphase auch nur drei Monate dauern wird - dann werden die endgültigen Lizenzen vergeben. Das Ministerium rechnet damit, binnen 15 bis 20 Jahren Öl im Wert von rund 40 Milliarden Euro fördern zu können, meldet die Zeitung Kathimerini. Davon wird Athen Lizenzen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro erhalten.

Als Interessenten für die Probebohrungen haben sich bislang informell der Norwegische Staatskonzern Statoil und der US-Konzern Noble Energy (die gerade vor und für Zypern/Israel mit der Gasförderung begonnen haben) gemeldet. Inoffiziell haben Interesse an der späteren Förderung Noble, Statoil Shell, die zypriotische Energean Oil und der griechische Staatskonzern Hellenic Petroleum angemeldet. 2012 soll die Förderung bereits beginnen.

Die nun ausgewählten Gebiete im Ionischen Meer und vor Kreta sind geopolitisch unumstritten - anders als die Gebiete um die Inseln in der Ägäis, unter denen ebenfalls große Öl- und Gasvorkommen liegen. Allein deshalb erhebt die Türkei immer wieder Anspruch auf einige der Inseln. Es geht dabei nicht um die paar kahlen Felsen, sondern um die Rohstoffe darunter. So hat die Türkei gerade vor ein paar Tagen ein norwegisches Forschungsschiff gechartert und dies in die Gewässer vor der kleinen Insel Kastelorizo entstandt.

Kastelorizo gehört zu einer Inselgruppe östlich von Rhodos, nur drei Kilometer vor der türkischen Küste. Ausgerechnet hier hatte der griechische Staatschef Andreas Papandreou 2010 vor malerischer Kulisse die massiven Schwierigkeiten Griechenlands bekanntgegeben:

Zufall oder politisches Signal an die Türkei und an Eingeweihte? Griechenland hat bereits gegen die türkischen Forschungen offiziell protestiert, wird in Ankara aber wohl auf taube Ohren stoßen.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit bleiben derzeit auch die Spannungen um die Probebohrungen zur Gasförderung vor Zypern, gegen die die Türkei heftig interveniert, die aber bereits begonnen haben. Ankara begründet den Protest offiziell damit, dass damit Nordzypern und die dortige türkische Bevölkerung ja von den Förderungen nicht profitieren würde. Ankara droht sehr klar und direkt mit einer Militärinvervention, sollten die Probebohrungen beginnen. Die zypriotische Aussenministerin ließ gestern wissen, dass Zypern schon mal sicherheitshalber den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Lage informiert hat und sich »der Rückendeckung der internationalen Gemeinschaft versichert habe«, was immer das bedeutet.

So weit zur Faktenlage. Nun lassen sich trefflich einige Fragen stellen:

 

• Warum beginnt Griechenland erst jetzt mit den Öl- und Gasförderungsaktivitäten, wenn doch bereits schon seit 15 Jahren bekannt ist, dass es diese Vorkommen gibt?

• Warum sagte gerade vor ein paar Monaten Premier Papandreou noch auf einer Pressekonferenz »wir haben kein Öl«, als er explizit danach gefragt wurde?

• Warum ist schon jetzt die Rede davon, dass Hellas dann wohl »nur« ein Drittel der Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung bekommen wird - wenn doch mit Hellenic Petroleum ein staatliches Unternehmen existiert, das sich mit der Förderung von Öl auskennt (da es - bescheidene - Mengen bereits in der Region um Kavala fördert)?

• Warum kommen diese Aktivitäten jetzt - parallel mit der nunmehr auf offiziell vorbereiteten Staatspleite von Griechenland?

• Warum haben die Bilderberger zusammen mit den Ölfirmen vor Ausbruch der Krise ausgerechnet in Griechenland getagt?

Welchen Grund es auch immer geben wird. Es zeigt sich, wie gefährlich es war und ist, damit zu warten, bis Griechenland schwach und die westliche internationale Gemeinschaft durch die Wirtschaftskrise geschwächt und zerstritten ist. Denn jetzt wittert die Türkei ihre Chance.

Hoffentlich findet der nächste Ölkrieg nicht direkt in Europa statt.

 

(Nachdruck der letzten Passagen mit freundlicher Genehmigung von Simablog.eu)

 

 


 

 

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