Wednesday, 25. May 2016
09.05.2015
 
 

Schweiz: Ein Chefredakteur und die Geheimdienste

Udo Ulfkotte

Die heikle Nähe von Leitmedien zur Elite wird in der Öffentlichkeit derzeit ganz genau beobachtet. Nun ist auch die renommierte Neue Zürcher Zeitung ins Visier geraten.

 

Die 1780 gegründete Neue Zürcher Zeitung zählt im deutschsprachigen Raum zu den »Leitmedien«. Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte einmal, dass er lieber die NZZ lese als die Berichte des BND. Diese Aussage erscheint inzwischen in einem völlig neuen Licht. Denn Eric Gujer, der Chefredakteur der NZZ, steht nun im Zentrum einer Geheimdienstaffäre.

 

Seine Nähe zum Schweizer Geheimdienst »Nachrichtendienst des Bundes (NDB)« könnte ihm zum Verhängnis werden.  Nach Angaben der Schweizer Zeitung Blick und der NZZ-Sprecherin Myriam Käser ist NZZ-Chef Gujer »Mitglied des Gesprächskreises Nachrichtendienste in Deutschland«. Zudem heißt es über ihn:

»Im Vorfeld der Ausarbeitung des Nachrichtendienstgesetzes konsultierte der NDB verschiedene Experten aus Wissenschaft, Medien, Justiz, Politik und Wirtschaft«, erklärt NZZ-Sprecherin Myriam Käser gegenüber Blick.ch. Und: »Eric Gujer wurde als Strategie-Experte und langjähriger Deutschlandkorrespondenten zu verschiedenen Fragen insbesondere im Zusammenhang mit dem deutschen Nachrichtendienstgesetz (NDG) und der parlamentarischen Kontrolle der Nachrichtendienste in Deutschland konsultiert.«

Gujer hat auch ein Buch über den BND geschrieben (»Kampf an neuen Fronten«). Wie peinlich ist es da, wenn die NZZ die »heikle Nähe von Leitmedien zur Elite« geißelt? NZZ-Chefredakteur Eric Gujer »beriet den Nachrichtendienst« (den Schweizer Nachrichtendienst des Bundes NDB), so die Schlagzeile des Schweizer Kommunikationsportals Persönlich.

 

Gujer arbeitete viele Jahre für die NZZ als Korrespondent in Berlin. Er zählt zu den Alpha-Journalisten. Und seine Nähe zur Elite bringt nun die ganze NZZ in Verruf, die such fragen lassen muss, ob es in ihren Reihen gekaufte Journalisten gibt.

 

Anders gefragt: Ist diese Nähe eines Chefredakteurs noch hinnehmbar? Oder bleibt von heute an beim Lesen der NZZ nicht etwa der üble Geschmack, dass die Berichterstattung vom Denken der Eliten oder gar der Geheimdienste beeinflusst wird?

 

Für mich ist die NZZ ab heute jedenfalls Altpapier, welches in den Papierkorb gehört – zumindest bis Chefradakteur Eric Gujer vor die Tür gesetzt wurde. Geheimdienste beraten und ein angeblich unabhängiger Journalist sein – das funktioniert nicht. Ich weiß das eigener Erfahrung.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (9) zu diesem Artikel

12.05.2015 | 02:13

Mauritius Maximus - genannt: Moritz

Mir ist dies seit mehr als 20 Jahren schon bekannt und klar. Allerdings habe ich danach noch einige Zeit gebraucht, bis ich lernte und erfuhr, das der von den Mainstream-Medien hochgejubelte "Weltökonom Schmitt" Bilderberger war, und er - wie alle Kanzler des Staatswitzes BRD - die Kanzlerakte zu unterschreiben hatte. Und den hatte ich zeitweise auch noch bewundert. Schande über mich. MM


11.05.2015 | 17:21

onno

Wir wissen dass die Auflagen der grosse Zeitungen fallen da wir jetzt Internet haben wo wir jegliche Berichte lesen koenen die in Gegensatz zu den MSM Propaganda meistens ein anderes Bild geben als die luegenhafte Darstellung in den fuehrenden Zeitungnen wie auch jetzt die NZZ. In gegensatz zu ihren Ruf anscheinend auch gefuehrt wir von Journalisten die keine objektiven Berichterstattung geben sondern die Interesse der eigene Regierung aber auch die der USA/NATO wie wir festellen...

Wir wissen dass die Auflagen der grosse Zeitungen fallen da wir jetzt Internet haben wo wir jegliche Berichte lesen koenen die in Gegensatz zu den MSM Propaganda meistens ein anderes Bild geben als die luegenhafte Darstellung in den fuehrenden Zeitungnen wie auch jetzt die NZZ. In gegensatz zu ihren Ruf anscheinend auch gefuehrt wir von Journalisten die keine objektiven Berichterstattung geben sondern die Interesse der eigene Regierung aber auch die der USA/NATO wie wir festellen konnten ueber die einseitige pro-Amerikanische Artikeln ueber die Ukraine und die dauerhafte anti-Russische und anti-Putin Propaganda.


10.05.2015 | 10:05

Felix W.

Hätte Helmut Schmidt mal lieber die Berichte vom BND gelesen als die NZZ. Dann könnte er vielleicht heute über andere Dinge Schreiben als über seine Affären und seine Nazi-Vergangenheit.


10.05.2015 | 08:14

Livia

Das Kernproblem ist nach wie vor Größe! Größe ist auch hier der Anfang allen Übels. Gäbe es ganz viele kleine Zeitungen und Verlage, wäre es für die Machteliten eine nicht zu bewältigende Sysyphusarbeit, die alle zu beherrschen. Da müßte man Metternich fragen können, der zu seiner Zeit das Problem (noch) hatte. Noch undurchschaubarer wird das Ganze ja dadurch, daß heute nicht die Regierenden direkt zensieren, sondern denen noch übergeordnete Kräfte, die auch die Regierenden...

Das Kernproblem ist nach wie vor Größe! Größe ist auch hier der Anfang allen Übels. Gäbe es ganz viele kleine Zeitungen und Verlage, wäre es für die Machteliten eine nicht zu bewältigende Sysyphusarbeit, die alle zu beherrschen. Da müßte man Metternich fragen können, der zu seiner Zeit das Problem (noch) hatte. Noch undurchschaubarer wird das Ganze ja dadurch, daß heute nicht die Regierenden direkt zensieren, sondern denen noch übergeordnete Kräfte, die auch die Regierenden beherrschen und lenken und zudem oft aus dem Ausland kommen. Man beherrscht, indem man den Verlag besitzt - und wer die Musik bezahlt, bestimmt bekanntlich, was gespielt wird! Wirtschaftsunternehmen hebeln in ihrem Sinne die Demokratie aus - und wenn diese im Ausland sitzen sogar im Sinne fremder Interessen, auch im Sinne der FEINDE! Als die NZZ gegeründet wurde, galten in Europa die Regeln der Zünfte! Ausländische Verlagsbesitzer waren da genausowenig möglich wie der Besitz mehrerer Zeitungen und / oder gar Verlage in einer Hand. Die Aufgabe dieser Regeln war der Anfang von allem, was heute wirtschaftspolitisch falsch läuft. Anstatt auf den - durch Regellosigkeit und Ausbeutung entstandenen - Reichtum der Angloamerikaner zu schielen, hätte man sich schon damals durch strenge Wirtschaftssanktionen (Zölle, Embargos) gegen die dort durch unmoralische Vorteile Entstandenenes schützen müssen.


10.05.2015 | 01:35

Joseph

Im Anschluss daran, weiter gehend, können die Videos mit dem renommierten Nato-Historiker Daniele Ganser empfohlen werden. Unter anderem auch was er in anderen Gesprächen, Videos, zu sagen hat über Charlie Hebdo, usw.. Zudem super angenehm anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=tO8OkrOxNOA


09.05.2015 | 22:23

Körner: "Familiäre Großbetriebe"

Nach über 10 Jahren FAZ war ich auf der Suche nach einer seriösen Alternative - die unverfrorene Syrien & Ukraine Propaganda war einfach nicht mehr zu ertragen! Ich wollte die NZZ darauf einmal unter die Lupe nehmen. Auch angemeldet hatte ich mich dann online, um einen Leserkommentar zu einen Artikel von Martha Nussbaum abzugeben. Es ging im Groben, darum, dass wir alle Phobien gegenüber dem Fremden haben und uns gefälligst zu ändern haben. In dem Sinne, dass wir alles Fremde...

Nach über 10 Jahren FAZ war ich auf der Suche nach einer seriösen Alternative - die unverfrorene Syrien & Ukraine Propaganda war einfach nicht mehr zu ertragen! Ich wollte die NZZ darauf einmal unter die Lupe nehmen. Auch angemeldet hatte ich mich dann online, um einen Leserkommentar zu einen Artikel von Martha Nussbaum abzugeben. Es ging im Groben, darum, dass wir alle Phobien gegenüber dem Fremden haben und uns gefälligst zu ändern haben. In dem Sinne, dass wir alles Fremde gutheissen und umarmen. Im Leserkommentar verwies ich dann auf unsere berüchtigte Barbara Lerner-Spectre, die ja auch davon redet, dass Europa ohne die Multikulti-Flutung nicht wird überleben können und die Juden deswegen ins Kreuzfeuer geraten, weil diese wegen ihrer Führungsrolle in diesem Prozess im Zentrum stehen. Kurzum: der Kommentar wurde natürlich nicht veröffentlich und das wars dann auch mit der NZZ. Just another Eliten-Sprachrohr ... booooooooooring!

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