Friday, 27. May 2016
23.11.2011
 
 

Tod durch alternative Energien: Politiker nehmen Erdbebenforscher nicht ernst

Udo Ulfkotte

In Italien wäre ein Erdbebenforscher beinahe inhaftiert worden, weil er korrekt ein Erdbeben voraussagte. In Japan hat ein Erdbebenforscher rechtzeitig vor den letzten schweren Beben und der Gefahr einer nuklearen Katastrophe gewarnt – und musste sich dafür entschuldigen. Im deutschsprachigen Raum sieht es nicht anders aus, doch hier droht eine ganz andere Gefahr.

Katsuhiko Ishibashi ist der international renommierteste japanische Erdbebenforscher. Seit zwei Jahrzehnten sagt er frühzeitig Erdbeben in Japan voraus. Dafür erntete er nicht etwa Dank, sondern tiefste Verachtung. Katsuhiko Ishibashi prognostizierte das Erdbeben von Kobe frühzeitig – fünf Monate zuvor. Der an der Universität von Kobe lehrende Professor schrieb Ende 1994 darüber ein Buch – Warnungen eines Seismologen –, das zum Bestseller wurde. Aber niemand unternahm etwas, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung zumindest zu mildern. Katsuhiko Ishibashi

prognostizierte auch das schwere Erdbeben vom Frühjahr 2011 und die folgende nukleare Katastrophe. Er musste sich dafür öffentlich entschuldigen, Demut zeigen und wurde vom obersten Chef der japanischen Atombehörde als »Amateur« verspottet. Japan baute 1964 seinen ersten Atomreaktor – in jenem Jahr promovierte Katsuhiko Ishibashi. Frühzeitig machte er darauf aufmerksam, dass in Japan beim Bau von Atomkraftwerken die Gefahr von Erdbeben nicht ernst genommen wurde. Seismologische Messungen waren bis 1995 nie Bestandteil von Genehmigungen für den Bau der dortigen Kernkraftwerke (bis zum Erdbeben von Kobe). Und wer einmal als Betreiber eine Genehmigung für den Betrieb eines Kernkraftwerkes hatte, der behielt diese – ohne Nachbesserungen. Professor Katsuhiko Ishibashi galt lange als ein rotes Tuch für die japanische Atomindustrie. Seit Fukushima hat sich das zumindest ein wenig geändert. Zuvor wurde er mit seinen Prognosen ständig ausgelacht.

Es gibt ja immer wieder Prognosen, die für ungeahnte Erheiterung bei Politikern und Unternehmen sorgen. Und die Verfasser solcher Erdbebenprognosen bezeichnet man öffentlich als »Schwachköpfe«. Giampaolo Giuliani, italienischer Erdbebenforscher am Laboratori Nazionali del Gran Sasso, dem größten unterirdischen Versuchslabor für Elementarteilchenphysik der Welt, ist ebenfalls ein solcher angeblicher »Schwachkopf«. Im März 2009 schlug er Alarm, nachdem er die Freisetzung eines radioaktiven Gases – Radon – aus den geologischen Erdrissen in der Region beobachtet hatte. Er behauptete, es werde bald ein schweres Erdbeben in den Abruzzen geben. Giampaolo Giuliani kündigte für Ende März 2009 dieses schwere Erdbeben an. Bis zum 31. März passierte jedoch nichts. Und am 31. März kritisierte Guido Bertolaso, der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Giulianis Warnung. Er drohte sogar mit einer Strafe gegen »diese Schwachköpfe, die sich damit amüsieren, Falschmeldungen zu verbreiten«. In der Tat wurde Forscher Giuliani wegen des Verbreitens eines falschen Alarms angezeigt, schrieb die italienische Zeitung Corriere della Sera. »Jeder weiß, dass man Erdbeben nicht vorhersagen kann«, war Bertolasos Begründung. Eine Woche später als vorhergesagt traf Giulianis Prophezeiung dann doch mit fürchterlicher Gewalt ein: Am 6. April 2009 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,8 die Abruzzen. Es gab viele Tote. Der »Schwachkopf« hatte Recht gehabt. Für die Angehörigen der Toten war das sicher kein Trost.

Warum ist dieser lange Vorspann für uns im deutschsprachigen Raum so wichtig? Weil es vor genau 100 Jahren ein Erdbeben der Stärke 6,1 in diesem Raum gab, dessen Auswirkungen man von Braunschweig bis in die Toskana spürte. Die Menschen von heute haben es selbst im damaligen Epizentrum, dem Raum von Überlingen, vergessen – oder verdrängt. Große Erdbeben wiederholen sich irgendwann, diese Erkenntnis ist heute Stand der Wissenschaft. Wir müssen im deutschsprachigen Raum mit Erdbeben der Stärke um 6,1 rechnen. Erstaunlicherweise schalten wir Kernkraftwerke wegen dieser Gefahr ab – und setzen stattdessen jetzt auch verstärkt auf die Wasserkraft. Wir bauen Pumpspeicherwerke und Talsperren für die alternative Stromerzeugung. Und wir lachen jene aus, die vor den großen Risiken warnen, wenn die Dämme einem Erdbeben nicht standhalten werden und sich die Fluten sich wie eine Walze rasend schnell in Richtung von Städten bewegen werden. Der japanische Professor Katsuhiko Ishibashi und der italienische Forscher Giampaolo Giuliani kennen das Gefühl, wenn man ausgelacht wird. Einige tausend Tote später nimmt man sie jetzt ernst.

 

 


 

 

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