Verkehrte Welt (III): Rohostoffjagd im pakistanisch-iranischen Grenzgebiet
Udo Ulfkotte
An der pakistanisch-iranisch-afghanischen Grenze liegt Belutschistan. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrscht in Belutschistan ein unerklärter Krieg. Die Belutschen machen Herrschaftsansprüche geltend und wollen ihr auf drei Staaten verteiltes Volk vereinen. Das Geld dazu liegt auf der pakistanischen Seite Belutschistans im Boden. Denn in der pakistanischen Provinz Belutschistan lagern verhältnismäßig viele Bodenschätze – unter anderem Kupfer, Eisen, Zink, Gold und Uran. Darüber hinaus kommen 36 % der nationalen Erdgasproduktion Pakistans aus dieser Provinz.Trotz der Ressourcen hat Belutschistan von allen pakistanischen Landesteilen das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen und den geringsten Gasverbrauch. Lediglich vier der 26 Distrikte dieser Provinz verfügen über eine Gasversorgung. Die Gewinne aus dem Verkauf der Rohstoffe fließen in andere Landesteile.
2003 brachen schwere Kämpfe zwischen der belutschischen Separatistenorganisation Balutchistan Liberation Army (BLA) und der pakistanischen Armee aus. Die Auslöser waren diesmal nicht nur die Mineralkonzessionen und die Verteilung der Gewinne aus dem Gasgeschäft, sondern ein Großprojekt an der belutschischen Südküste zum arabischen Meer. Mit dem 2002 begonnen Bau eines Tiefsee- und Containerhafens, in der auf einer Halbinsel gelegenen Hafenstadt Gwadar, leiteten die chinesische und pakistanische Regierung ein monumentales Gemeinschaftsprojekt ein, das noch bis 2010 laufen soll und dessen Kosten bald die Marke von einer Milliarde Dollar überschreiten wird. Im März 2007 wurde ein Teil dieses Tiefseehafens eröffnet, von dem aus in naher Zukunft das aus dem Nahen Osten kommende Öl eingeschifft und mit Hilfe geplanter Straßenverbindungen von Gwadar aus über den Karakorum Highway in die energiehungrige Volksrepublik transportiert werden soll.
Als ein Tor zum Nahen Osten verkürzt Gwadar nicht nur den Seeweg des Öls zu den chinesischen Hafenstädten am Gelben Meer, sondern erleichtert auch den Warentransfer mit den immer wichtiger werdenden Märkten Ostafrikas. Gwadar hat einen enormen geostrategischen Wert für Peking, da China in den letzten zehn Jahren viele Investitionen im Nahen Osten tätigte und inzwischen einen Großteil seiner Energie von dort bezieht. Daher beabsichtigen die Chinesen auch die Errichtung eines Marinestützpunktes in Gwadar, der ihre vorwiegend energiepolitischen Interessen in der instabilen Region auch auf militärischer Ebene in Zukunft sichern helfen soll.
Die Tatsache, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee in Kürze in der Nähe zur Straße von Hormus stationiert sein wird, ist für die Konkurrenten USA und Indien sicherlich gewöhnungsbedürftig. Für die pakistanische Regierung dagegen kommt die Präsenz der neuen "chinesischen Freunde" gelegen, denn der neue Hafen verspricht ein gigantisches Geschäft zu werden.
Pakistan möchte aus der Hafenstadt am Golf von Oman eine neue Handelsmetropole à la Singapur oder Dubai entwickeln. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Bauprojekte an finanzstarke Investoren im In- und Ausland vergeben. Doch belutschische Unternehmer fühlten sich bei der Vergabe von Bauprojekten benachteiligt. Und so wird wieder gebombt. Es kam seither zu zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen mit der pakistanischen Armee in deren Folge bis jetzt Hunderte von Menschen ihr Leben verloren haben. Darüber hinaus wurden Bombenanschläge gegen die pakistanische Armee verübt, bei denen auch Zivilisten zum Opfer fielen.
Auch Gwadar selbst geriet ins Fadenkreuz der Ausschreitungen. Die Hafenstadt war Ziel zahlreicher Raketenangriffe. 2004 wurden drei, 2006 weitere drei chinesische Ingeneure entführt und von belutschischen Extremisten ermordet. Und die Separatisten haben angekündigt, ihre Angriffe zu verstärken. Der Teifelskreis ist nun jener, den es in vielen Ländern der Welt gibt, wo ethnische Interessem, Bodenschätze/Rohsotoffe, die Gier ausländischer Konzerne und militärische Interessen der Großmächte aufeinander prallen ...
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