Thursday, 29. September 2016
19.11.2010
 
 

Feminismus und die neoliberale Sprachregelung hinsichtlich des Rechts auf Leben

Wang Xin Long

Es mag den Feministinnen gefallen oder auch nicht: Sie bedienen sich in Erreichung ihrer Ziele neoliberaler Kampftechniken. Ein Beispiel von vielen ist die neoliberale Sprachregelung, wie sie im Kampf um das Abtreibungsrecht zum Einsatz gekommen ist.

Was ist Freiheit? Diese Frage ist nicht mehr eindeutig zu beantworten, denn Freiheit ist zu einem Konzept mutiert, das einer politischen oder philosophischen Interpretation unterliegt. Freiheit heute hat mit der Freiheit von vor 50, 100 oder 500 Jahren recht wenig gemeinsam, denn die politischen Umstände, aus deren Blickwinkel Freiheit beobachtet und zugeteilt wird, unterliegen einer eigenen Dynamik.

Das Konzept der Freiheit heute ist Teil und Ausdruck einer neoliberalen Interpretationstechnik. Gefahr ist im Verzug!

Polemik beiseite. Wo ist die Freiheit des einen im Kontext des anderen? Es ist ein neoliberaler Anspruch, jedem jede Freiheit zu gewähren. Es sollte in diesem Kontext niemals vergessen werden, was dieses Konzept der Freiheit bedeutet. Denn es ist der Neoliberalismus der Neuzeit, der Krieg und Ungemach in die Welt bringt. In Nationen, Regionen, Städte und Dörfer. In die Familien und letztlich in die Individuen selbst, die sich nicht mehr entscheiden können, ob sie nun Männer oder Frauen, Lesben oder Schwule, Transgender oder Neogender, sexuell, asexuell, bisexuell oder multisexuell usw. sein wollen. Wahlfreiheit – die Qual der Wahl. Die Individuen dürfen – nein, sollen – wählen, was sie sein wollen. Gesellschaftliche Konventionen, Rollenverteilungen und Werte, alles wurde eingeebnet und den Choice Makers, wie Individuen in der Geburtssprache des Gender Mainstreamings genannt werden, vor die Füße geworfen. Die Gesellschaft ist frei, und flach wie ein Pfannkuchen.

Unterschiede sind kaum noch wahrzunehmen, denn sie haben im alltäglichen Wahl-Wahnsinn, im Krieg gegen alles und jeden und des Individuums gegen sich selbst, keinen Platz mehr. Die Gesellschaft wurde über-individualisiert, das Individuum derart in sich selbst aufgespalten und isoliert, dass es zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, als dass es die Welt um sich herum in einem natürlichen und gesunden Wechselspiel wahrnehmen könnte.

Ist das noch immer Polemik? Vielleicht haben Sie Recht. Die hier aufgestellten Aussagen mögen polemischer Natur sein, weil sie keine wissenschaftliche Basis haben. Denn die Wissenschaft schaut weg. Die neoliberal programmierten proposalgesteuerten Erkenntnisfabriken sollen keine Beweise liefern darüber, dass die Gesellschaft flach wie ein Pfannkuchen ist. Die Qual der Wahl, dieser immer währende sinnlose Kampf um die beste individuelle Entscheidung, wie er in der Welt, in den Ländern, den Dörfern, Familien und Individuen tobt, soll nicht thematisiert werden. Am Ende könnte ja schließlich herauskommen, dass Krieg herrscht, auch wenn kein Blut fließt.

Schauen wir uns gemeinsam ein paar Abläufe näher an.

Bei der elitär verordneten Wahlfreiheit sind wir bei einem der Schlaglichter der feministischen Bewegung angekommen: bei der Abtreibung. »Mein Bauch gehört mir« ist jene Parole, die die Tötung von ungeborenem Leben als Wahlfreiheit darstellt. Ein Bauch ist nun einmal ein Bauch. Er kann dick sein, oder dünn, oder eben schwanger. Menschen können zu- oder abnehmen. Frauen können aber auch ein wenig abtreiben lassen, wenn sie ein bisschen schwanger sind. Der Bauch gehört den Frauen, und diese entscheiden, was damit zu geschehen hat. Dieses ist der Blickwinkel und die Sprache der Feministinnen. Wie sähe aber eine Sprachregelung aus Sicht der betroffenen Ungeborenen aus?

Ein Embryo ist im Ergebnis der erfolgreichen feministischen Lobbyarbeit kein Mensch mehr. Er wurde durch den Einsatz von Sprache und juristischer Definition vom Subjekt in ein rechtloses Objekt verwandelt, und darf demnach getötet werden. Es ist – per Definition – kein Mensch, der dann stirbt. Nach der feministischen – und in der Folge juristischen – Idee ist dieses Objekt kein Träger eines Rechtsanspruches. Es ist somit alles nur eine Frage der Sprache, eine formelle Sache der Interpretation in der Beziehung von Frauen zu deren Körperregionen. Und diese Interpretation lässt andere Merkmale dieser Beziehung erst gar nicht zu.

Stellen Sie sich hingegen einmal vor, wie eine Sprachregelung aus dem Blickwinkel eines Ungeborenen aussehen könnte: »Dein Bauch gehört mir«. Eine völlig andere Feststellung, diesmal zugunsten des Ungeborenen. Sicher, ein Horrorszenario für alle ungewollt Geschwängerten, die schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren wollen, aber eine Lebensgarantie für die Werdenden, denen eine Wahlfreiheit in der feministischen Doktrin durch sprachliche und juristische Auslegungen erst gar nicht geboten wird. Darüber hinaus wird an den beiden Aussagen eine Gegensätzlichkeit offenbar, die die feministische Sprachregelung als neoliberal entblößt: Die »Mein-Bauch-gehört-mir«-Doktrin positioniert sich einzig auf das »Individuum Frau« und bedient sich somit der grundsätzlichsten aller neoliberalen Techniken: der Individualisierung im Sinne einer Isolierung des Ichs.

Im Gegensatz dazu erkennt die »Dein-Bauch-gehört-mir«-Idee den Fötus als aktives, forderndes Subjekt und stellt einen Dialog zwischen zwei Menschen her: die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Mithilfe dieser völlig anders gearteten, aber absolut nachvollziehbaren sprachlichen Darstellung des Ist-Zustandes einer Schwangerschaft, wird das Ungeborene zurückverwandelt; es wird vom Objekt zum Subjekt, es überwindet die Schwelle vom Tod hin zum Leben.

Über diesen Mangel an einer ethischen Auseinandersetzung mit Sprache als Konzept helfen auch die gesetzlich geforderten »Beratungsgespräche« nicht hinweg. Der neoliberale Staat wäscht seine Hände in Unschuld, denn letztendlich liegt alle Verantwortung bei der Schwangeren: die Frau kann – nein, sie muss – wählen. Der Staat bietet lediglich die Optionen. Aber genau diese Optionen sind ungerecht, weil sie sich einer einseitigen neoliberal ausgerichteten Interpretationsdoktrin bedienen und somit einen gesellschaftsfeindlichen Ein- und Ausgangspunkt haben! Noch einmal: In der feministisch neoliberal geprägten Sprachregelung wird das werdende Leben auf eine physische, leblose Masse ohne Rechte reduziert. Andere, gerechtere Interpretationen sind möglich, aber sie werden nicht genutzt! Und warum, bitte, sollten diese anderen Interpretationen gerechter sein? Nun, fragen Sie sich selbst: Leben Sie gerne? Würden Sie es als ungerecht empfinden, wenn Ihnen jemand Ihr Recht auf Leben abspricht, weil er Sie als einen simplen Zellhaufen wahrnimmt?

Es sollte nicht vergessen werden, dass die sexuelle Befreiung viele Gesichter hat. Und zwar nicht nur die ungesehenen Gesichter der millionenfach abgetriebenen Föten. Nein! Der Feminismus bietet viel mehr. Reale Gesichter, reale Menschen. So zum Beispiel Frauen, die heute erwachsen sind, sich ihres Lebens erfreuen, weil sie das Glück hatten, nicht abgetrieben worden zu sein. Liebe Leserin, denken Sie darüber nach: Sie könnten abgetrieben worden sein! Natürlich könnten Sie nun diese Zeilen nicht lesen. Aber Sie hätten im anderen Falle die Erfahrung des Überlebenskampfes im Mutterleib gemacht. Bedienen Sie sich Ihrer neoliberal verbrieften Freiheit und wählen Sie selbst, welche Erfahrung Ihnen lieber wäre. Nehmen Sie sich das postnatale Recht, über die pränatale Wahlfreiheit zwischen Leben und Tod zu entscheiden. Fragen Sie sich, wie viel Wahlfreiheit Sie für sich selbst beanspruchen, aber auch wie viel Recht auf Leben Sie einem Ungeborenen zugestehen würden. Und: Wie viel Recht auf Leben würden Sie sich in der Position eines Ungeborenen zugestehen bzw. einfordern? Das alles sind schwindelerregende Gedankenspiele, über die es aber nachzudenken lohnt.

Bezeichnend in diesem Kontext ist auch die Rolle der Kirche, die als Trägerin von »Beratungseinrichtungen« eines der wichtigsten Rädchen in der postmodernen Abtreibungsmaschinerie darstellt. Diese – überaus nüchterne – Feststellung mag die aufrichtigen Gemüter einiger Kirchensteuerzahler in Wallung bringen. Aber bevor der Zorn zu groß wird, fragen Sie doch einfach bei Ihren lokalen kirchlichen Schwangerschaftsberatungen nach, welche Erfolgsquote die christlichen Berater denn so zu verzeichnen haben. Sie werden sehen, dass sich Frauen in erdrückender Mehrheit der Fälle trotz »Beratung« für eine Abtreibung entscheiden. Es ist Fakt: Auch wenn die Kirche offiziell keine Abtreibungen fordert, fördern tut sie diese auf jeden Fall. Anhand der niedrigen »Erfolgsquoten« könnte die Kirche ganz schnell erkennen, dass der christliche Auftrag im Rahmen der Beratungen absolut nicht erfüllt wird, dass er in den gegebenen sozialen und politischen Rahmenbedingungen nicht erfüllt werden kann – und konsequent aus dem lukrativen Beratungsgeschäft aussteigen.

Während sich die Kirche als Helfer in der Not präsentiert, kommt die offizielle und lautstarke Forderung nach (einem Recht auf) Abtreibungen von den Feministinnen. Es geht schließlich um die Wahlfreiheit, die das weibliche Geschlecht angeblich für sich in Anspruch nehmen will. Im Namen der Befreiung, im Namen der sexuellen Revolution. Die Revolution frisst bekanntlich ihre Kinder. Welch sarkastische Analogie.

Bleiben wir beim Thema Revolution: In China werden bevorzugt weibliche Föten abgetrieben. Das hat allerdings weniger mit der feministischen Revolution zu tun, sondern eher mit der Revolution an sich, wenn sie auf tradierte Werte trifft. Womit sich die Katze schon wieder in den Schwanz beißt, insbesondere deswegen, weil zu diesem Umstand vonseiten der feministischen Revoluzzer keine Kritik kommt. Dieses hat aber konsequenterweise zwei recht simple Gründe: Erstens widerspricht es der feministischen Doktrin, Schwangerschaftsabbrüche per se zu kritisieren, und zweitens sind Föten nur Objekte ohne Rechtsanspruch! Hier geht man – Entschuldigung: frau – auf dem schmalen Grat der Interpretation auf ein Paradox zu, denn die Geschlechterbefreiung nimmt eine zahlenmäßig ungleiche Tötung der eigenen Art kritiklos in Kauf, um das Recht auf Tötung als solches nicht in Frage zu stellen.

Trotz aller argumentativer und juristischer Prozesse: Es fällt schwer zu glauben, dass Föten Objekte, simple Zellhaufen sind. Immerhin: diese Zellhaufen sind männliche oder weibliche Objekte. Objekte also, wie »der Tisch« oder »die Tür«. Warum also nicht »der Junge« oder »das Mädchen«? Ganz einfach: weil die Tötung von Jungen und Mädchen grausam und verwerflich ist. Deshalb werden diese ungeborenen Jungen und Mädchen mithilfe einer Sprachregelung und deren juristischen Umsetzung hinter die Trennlinie zwischen Subjekt und Objekt zurückgedrängt, um sich dieser Objekte bei Bedarf gewissensneutral entledigen zu können. Es ist alles eine Frage der Interpretation, eine Frage der Inanspruchnahme von Wahlfreiheit und Recht. Diese Freiheiten und Rechte sind unter der heutigen Doktrin neoliberaler Natur.

Mein Bauch – dein Bauch. Der kleine Unterschied …

 

 


 

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