Britische Aristokraten als Kannibalen?
Andreas von Rétyi
Waren die Mitglieder des britischen Königshauses bis ins 17. Jahrhundert Kannibalen? Das jedenfalls behauptet ein Historiker. Was abwegig klingt, hat allerdings einen realen Hintergrund.
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Ende Juni 2011 erscheint ein Buch des britischen Medizinhistorikers Richard Sugg. Die in seinem
Werk aufgestellten Behauptungen scheinen auf den ersten Blick mehr als gewagt. Man stelle sich nur vor: Angehörige der obersten britischen Adelsschicht versammeln sich um einen Toten, verzehren sein Fleisch und trinken sein Blut. Ein Akt von Kannibalismus und Vampirismus als völlig normaler Vorgang unter den erlesensten Repräsentanten der herrschenden Klasse. Das erscheint unglaublich. Welchen Wahrheitsgehalt aber haben derlei Aussagen? Mumien, Kannibalen und Vampire (»Mummies, Cannibals and Vampires«), so lautet der Titel der unheimlich anmutenden Studie des Historikers. Die britische Oberklasse hat nach seinen Angaben früher bizarre Rituale praktiziert. Der Historiker beschränkt sich bei seiner Studie nur auf den britischen Hochadel. Doch über Jahrhunderte hinweg grassierte in Europa eine spezielle Form des Kannibalismus, die sich zwar nicht jedermann leisten konnte, aber dennoch erschreckend weit verbreitet war. Das Ritual basierte auf dem medizinischen Irrglauben, Blut und Körperteile eines Verstorbenen besäßen Heilwirkung. Genau um diesen Aspekt geht es auch in der neuen Veröffentlichung von Professor Sugg, der seine Arbeit keineswegs auf bestialische, okkulte Rituale in Kreisen der Machtelite abstellt.
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