Wednesday, 25. May 2016
04.10.2011
 
 

Vorzeigeland Schweden: Eine Familienpolitik, die Kinder psychisch krank macht

Anna Dahlström

Immer dann, wenn in  Deutschland über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutiert wird, dauert es nicht lange, und einer der Krippenbefürworter, in der Regel sind es Familienpolitiker der Bundesregierung, bringt als positiven Vergleich die Situation in Schweden in die Debatte ein. Ein Totschlagargument ist dieses Schweden inzwischen geworden, jedenfalls hier in Deutschland. Dabei macht sich offenbar niemand die Mühe, einmal die wahren Umstände in dem skandinavischen Land herauszufinden. Sonst würden die Parolen anders lauten, denn die wahre Lage in Schweden sieht dramatisch aus.

Experten und Wissenschaftler schlagen Alarm, so wie es hierzulande und anderen Staaten der Fall ist. Die schwedische Ärztin, Neurobiologin und Professorin an der Universität Göteborg, Annica Dahlström, und ihr Mitstreiter Christian Sörlie Ekström sprechen in warnenden Artikeln von einer schwedischen Familienpolitik, die die Kinder psychisch krank macht. Im Portal der Göteborgs Posten erschien im Frühjahr folgender Artikel der beiden Forscher, den Natalie Hamann freundlicherweise für den KOPP Verlag übersetzte:

Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit müssen wir fast alle Erkenntnisse im Bezug auf Kinder auf die Müllkippe der Geschichte werfen. Vielen Kindern geht es heutzutage richtig schlecht, und es wird sich weiter verschlimmern. Doch im heutigen demokratischen Schweden darf man nicht

danach fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen unserer modernen Sichtweise gibt, wie Kinder aufwachsen sollten, und den immer häufiger auftretenden Erkrankungen der Kinder. Nun lassen Sie uns selbst für ein Weilchen außer Acht, lassen Sie uns Folgendes fokussieren: was ist gut für die Kinder?

Wir stoßen außerdem auf die Frage, in wie weit die Entwicklung zum Besten der Kinder verläuft, oder ob wir erwachsenen Eltern hier etwas aus reinem Eigeninteresse betreiben.

Die statistischen Raten bzgl. Selbstmord, Suizidversuch, Depression und der Einnahme von Psychopharmaka haben sich bezüglich  junger Frauen bis zu 400 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre erhöht. (Hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass von allen Kindern erwartet wird, sich wie Jungen zu verhalten?) Der Trend bei jungen Männern ist der gleiche, auch wenn die Entwicklung nicht genauso dramatisch ist. Je jünger die Kinder, desto extremer der Anstieg, den heranwachsenden Kindern geht es immer schlechter, und wir fragen uns, warum.

Die erste Generation, die geboren wurde unter den neuen nun geltenden Bedingungen in Schweden, war vom ersten Lebensjahr an in der Kinderkrippe, und hat während ihrer ersten sechs Lebensjahre den größten Teil ihres wachen Lebens mit Krippen- und Tagesstättenpersonal verbracht. Des Weiteren haben diese Kinder in einer Gesellschaft gelebt, in der wir uns einbilden, dass Männer und Frauen genau gleich sind und identische Fähigkeiten besitzen, sich um die Kinder zu kümmern, ohne Aussicht auf eigene Wahlmöglichkeiten. Das ist nun das erste Mal, dass wir erkennen können, wie es jener  Generation geht, die nun die Konsequenzen tragen muss aus diesem schwedischen Experiment.

Heute arbeiten die Eltern ca. acht Stunden mehr pro Woche und Haushalt, als vor 1980. Das bedeutet also 1,5 Stunden weniger Kind-Elternkontakt pro Tag. Wenn wir annehmen, dass das bewusst erlebte Zusammensein vor 1980 drei bis vier Stunden pro Tag bei Kleinkindern und Eltern war, stellen 1,5 Stunden weniger eine Verringerung des Kontaktes um 50 Prozent dar!

Die Entwicklung des Vermögens, soziale Bindungen zu knüpfen, ist heute ein gut erforschter Prozess. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder engen Kontakt zu ihren Müttern benötigen. Sie brauchen auch ihre Väter, aber die Mutter ist das Wesentlichste in den ersten zwei bis drei Lebensjahren.

Ein Kind, das herzzerreißend weint, wenn es in der Kinderkrippe abgeliefert wird,  fühlt sich ausgeliefert. Erst im Alter zwischen vier und fünf Jahren entwickeln Kinder einen Zeitbegriff. Wenn wir ein ein Jahr altes Kind weggeben, hat es keine Möglichkeit zu beurteilen, ob die Eltern jemals zurückkommen werden. Mit zwölf Monaten ist es im störungsanfälligsten Alter hinsichtlich seiner Entwicklung zur Bindungsfähigkeit, und schon in dieser Phase bringen wir die Kinder in Schweden zur Krippe.

Schäden im Prozess der Entwicklung von Kompetenz, soziale und emotionale Bindungen einzugehen, sind oft irreparabel und resultieren in Ruhelosigkeit, Angstzuständen und Depressionen. Genau darin, woran unsere Kinder und Jugendlichen heute leiden.

Ein weiterer Faktor ist, dass von Männern und Frauen erwartet wird, dass sie den gleichen Betätigungen nachgehen. Dies resultiert aus einer politischen, unbewiesenen These, dass Männer und Frauen austauschbar seien, was Fähigkeiten und Grundvoraussetzungen betrifft, sich um Kinder zu kümmern. Eine anteilsmäßig gleiche Verteilung auf beide Elternteile setzt voraus, dass Mann und Frau identisch sind.

Aber wir sind NICHT identisch! Es gibt große Unterschiede im Gehirn des durchschnittlichen Mannes im Vergleich mit dem der durchschnittlichen Frau. Natürlich gibt es Abweichungen in der Bevölkerung in Form von Männern, die ausgeprägt typisch weibliche Gehirneigenschaften aufweisen und umgekehrt, aber statistisch gesehen, gibt es bedeutende Unterschiede.

Die Verschiedenheiten haben sich im Zuge der Evolution entwickelt, und die Unterschiede sind schon festgelegt lange vor der Geburt. Der Mythos, dass wir als neutrale Lebewesen geboren werden, und dass erst die Gesellschaft uns in Identitätsmuster von Mann oder Frau zwingt, ist eine der abscheulichsten politischen Lügen in der heutigen modernen Zeit.

Es ist teuer, sein Kind hier in Schweden zu lieben. Um uns in sein politisches Modell hineinzuzwängen, wendet der schwedische Staat ökonomische Mittel zur Steuerung an. Eine Familie, in der die Kinder weiterhin drei Jahre zu Hause verbringen, wovon die ersten 1,5 Jahre die Mutter zu Hause bleibt, wird entsprechend nachfolgender Modellrechnung durch entgangene ca. 40.000 € benachteiligt. Das läuft so:

  • Der volle Elterngeldbetrag (entspricht dem deutschen Erziehungsgeld) wird innerhalb von 13 Monaten ausbezahlt und ist teilweise geschlechtsgebunden. Der Gleichstellungsbonus prämiert sogar Familien, in denen die Mutter schon nach sechs Monaten wieder zur Arbeit geht. Wenn die Mutter 13 Monate zu Hause bleibt, entgehen der Familie mit 6.800 € pro Kind deswegen.
  • Erziehungsgeld (eine freiwillige Sonderleistung der Kommunen)wird nur innerhalb der ersten zwei Lebensjahre ausbezahlt, und nur denjenigen, die ihr Kind nicht in die Krippe geben. Ein ganztägiger beitragsfreier Betreuungsplatz in der Krippe kostet die Kommunen ca. 1.450 € netto im Monat, ein Betrag, von dem eine Familie leben könnte, ohne einen weiteren Cent ausgeben zu müssen. Doch das Erziehungsgeld sind knappe 300 € pro Monat, und dies ist auch noch eine freiwillige Leistung der Kommunen.  Also von den 1.450 €, die die Kommune im Monat spart, bezahlt sie an die Eltern maximal 300 €, und auch nur innerhalb der ersten zwei Lebensjahre, und auch nur als freiwillige Leistung.

Die Differenz, 1.150 € im Monat, geht in die Taschen der Kommunen. Das ist eigentlich Geld für das Kind, und wenn es im dritten Lebensjahr auch noch zu Hause bleibt, spart sich die Kommune alles ein.

  • Eine Sonderbesteuerung ist eingeführt worden, da man angeblich nicht nur von einem Einkommen leben kann. Familien mit nur einem Einkommen und dem Recht auf volles Elterngeld verlieren ca. 2.600 € pro Jahr durch Sondersteuern in der Elternzeit.

Doch bei dem Erhalt von Elterngeld in Höhe von 2.000 € (vergleichbar mit dem gehaltsabhängigen Erziehungsgeld in der Elternzeit in Deutschland), steuerfähig und rentenbeitragspflichtig, sollten wir die Wahlfreiheit haben, ob wir mit unseren Kindern zusammen sind und gleichzeitig die Diskussionen darüber sein lassen, ob die wichtigste Aufgabe im Leben eine Frauensache ist oder nicht.

Die Basis des Familienmodells des schwedischen Staates ist damit untergraben, und die Politik handelt entgegen unserer evolutionär festgelegten Voraussetzungen und gegen die Interessen der Kinder. Dies wird einzig und allein aufgrund engstirnigen Eigeninteresses der Erwachsenen  hinsichtlich materiellen Wohlstandes und dem staatlichen Bedürfnis nach Wachstum betrieben. Der Staat muss für enorme und anwachsende Kosten aufgrund psychischer Erkrankungen aufkommen, aber die wahren Gründe will man sich wegen kurzsichtiger, nationalökonomischer Ursachen nicht vornehmen. Das Thema Kinder und Jugend ist heutzutage außen vor, und das ist politischer Zynismus pur. Es sind die Kinder, die nun akut geschädigt sind und die die Konsequenzen dieses schwedischen Experimentes ausbaden müssen.

 

 


 

 

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