Saturday, 23. July 2016
22.07.2012
 
 

Amerikanische Einflussagenten an der Spitze der syrischen »Opposition«: Die Rolle der Bilderberger und des Council on Foreign Relations

Chris Marsden

Am 12. Juli stellte Charlie Skelton in der allgemeinen Kommentarkolumne »Comment is Free« der britischen Tageszeitung The Guardian die grundlegende Frage, die von den führenden Medien weltweit niemals gestellt wird. Der Beitrag mit der Überschrift »Die syrische Opposition: Wer zieht hier eigentlich die Fäden?« ist eine vernichtende Offenlegung der engen Verbindungen zwischen der syrischen Opposition und amerikanischen, britischen und französischen Geheimdiensten sowie führenden amerikanischen Neokonservativen

Zudem legt er dar, dass sich die Bildung des Syrischen Nationalrats (SNC) und die Ernennung seiner Führungsriege auf seit Langem gehegte und gutfinanzierte Pläne für einen Regimewechsel in Syrien und in der gesamten Nahmittelost-Region zurückverfolgen lässt. Diese Pläne gehen

mindestens bis in das Jahr 2005 zurück und wurden von Washington finanziert, das sich davon die Sicherung und Festigung seiner politischen Kontrolle der erdölreichen Region erhoffte.

 

Skelton gibt nicht vor, einen umfassenden Einblick zu liefern, sondern konzentriert sich bewusst auf einige wenige prominente Mitglieder des SNC und stellt einige der lautstärksten Befürworter eines militärischen Eingreifens heraus, die nach seiner Einschätzung von westlichen Mächten bezahlt werden.

 

Zu diesen Personen, die fast schon routinemäßig immer wieder als »offizielle Sprecher« oder »Aktivisten der Demokratiebewegung« zitiert werden, gehört die in Paris lebende syrische Akademikerin Bassma Kodmani, die dem Exekutivbüro des SNC angehört und dort für auswärtige Angelegenheiten verantwortlich ist.

 

Kodmani nahm bereits mehrfach an den Konferenzen der Bilderberg-Gruppe teil, einer losen Verbindung führender  Politiker, die die Verbindungen zwischen dem amerikanischen und europäischen Imperialismus stärken und ihre gemeinsamen weltweiten Interessen unter dem Banner der Förderung des transatlantischen Bündnisses durchsetzen wollen.

 

2005 arbeitete Kodmani für die Ford-Stiftung in Kairo. In jenem Jahr verschlechterten sich die syrisch-amerikanischen Beziehungen dramatisch, als Präsident George W. Bush zusammen mit Israel ein militärisches Vorgehen gegen Damaskus in Erwägung zog.

 

Im letzten September wurde Kodmani zur Exekutivdirektorin der Arabischen Reforminitiative ernannt, die von der amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR) und dessen Ableger, dem U.S./Middle East Project, finanziert wird, an dessen Spitze der frühere amerikanische Sicherheitsberater General Brent Scowcroft steht.

 

Die »Finanzaufsicht« über das Projekt wurde der britischen Denkfabrik Centre for European Reform überantwortet, die von dem früheren stellvertretenden Vorstandschef von Royal Dutch Shell, Lord Kerr, geleitet wird.

 

Kodmani gehört in ihrer Funktion als Exekutivdirektorin der Arabischen Reforminitiative auch dem europäischen Ableger des CFR an.

 

Radwan Ziadeh, SNC-Direktor für Auswärtige Beziehungen, ist leitender Wissenschaftler des US Institute of Peace und gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes, in dem unter anderem der frühere CIA-Chef James Woolsey, Karl Rove und andere prominente Neokonservative ein militärisches Eingreifen [in Syrien] fordern. Seit 2005 war Ziadeh der Verbindungsmann zwischen dem Weißen Haus und der syrischen Opposition.

 

Der Politikwissenschaftler der Universität des amerikanischen Bundesstaates Arkansas Nadschib Ghadbian gehört dem Generalsekretariat des SNC sowie zusammen mit Ziadeh dem Beirat des Syrischen Zentrums für politische und strategische Studien (SCPSS) mit Sitz in Washington an.

 

Ausama Monadsched vom SNC gründete den Satellitenfernsehsender Barada Television, der auf der Seite der Opposition steht, und leitete früher die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung (MJD)  in London. Beide Einrichtungen werden nach Angaben von WikiLeaks in erheblichem Maße vom amerikanischen Außenministerium finanziell unterstützt.

 

Skelton listet einige der Fälle von Unterstützungen im Umfang vieler hundert Millionen Dollar auf, die der syrischen Opposition von den USA und den Golfstaaten zur Verfügung gestellt wurden.

 

Zu den Diensten, die Monadsched Washington leistete, gehörte unter anderem die Veröffentlichung einer offiziellen politischen Erklärung des SNC, die auf einen Entwurf von Michael Weiss von der Henry Jackson Society zurückgeht und zu einer militärischen Intervention in Syrien aufruft. Die Henry Jackson Society wird von führenden Neokonservativen wie William Kristol und Richard Perle unterstützt.

 

Das syrische »Menschrechts-Beobachtergremium«, dessen aufgeblähte Opferzahlen immer wieder von den Medien aufgegriffen werden, erweist sich bei näherer Betrachtung als eine einzige Person, Rami Abdul-Rahman, der in Coventry lebt und dort Kleidung verkauft.

 

Eine weitere Koryphäe der Henry Jackson Society ist Hamsa Facher, den Nick Cohen von der britischen Tageszeitung The Observer als eine der »zuverlässigsten Quellen für Verbrechen bezeichnet, die in den [regierungstreuen] Nachrichten niemals erwähnt werden«. Die Artikel, die er anregt, werden schon gewohnheitsmäßig als Augenzeugenbericht bezeichnet. Facher arbeitet als Kommunikationsmanager von Monadscheds Strategic Research and Communication Centre mit Sitz in London und ist auch beim Fernsehsender Barada TV angestellt.

 

Skelton verdient Anerkennung für seine so zutreffende Beschreibung des Netzwerks von Verbindungen zwischen der syrischen Opposition und den amerikanischen und europäischen Sicherheitsapparaten. Aber tatsächlich ist das, was er hier offenlegt, genauso den Rechercheabteilungen des Guardian, der New York Times, der BBC, den Fernsehsendern NBC, CBS, ABC und anderen bekannt.

 

Aber keines dieser Medien [kann für sich in Anspruch nehmen], von irgendjemandem hereingelegt worden zu sein. Sie sind alle willfährige Sprachrohre der imperialistischen Kriegspropaganda, und sie stellen keine Fragen nach den Quellen, die sie zitieren, weil sie die Kriegstrommeln nicht zum Schweigen bringen wollen.

 

Und diese Einstellung liefert auch das Motiv für die beißende Verleumdung Skeltons am folgenden Tag ebenfalls im Guardian durch den für diplomatische Angelegenheiten zuständigen Redakteur Julian Borger. »Der Vorwurf, die USA manipulierten die Nachrichten aus Syrien, ist ein Ablenkungsmanöver«, heißt es in der Überschrift. »Das allgemeine Bild liegt klar vor aller Augen.«

 

Borger bezichtigt Skelton der »Unterstellung« und wirft ihm einen ausufernden Gebrauch von Anführungszeichen vor, die wohl Skeptizismus ausdrücken sollten, einen »banalen Schreibstil« und andere literarische und stilistische Vergehen vor. Er verteidigt die verschiedenen amerikanischen Einflussagenten, die Skelton herausgehoben hatte, als »Persönlichkeiten, die einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit der Erforschung der syrischen Gesellschaft und Politik widmen«.

 

Diese Charakterisierung ist so wertfrei, dass sie sich getrost auf jeden beliebigen imperialistischen Strategen und Spion anwenden lässt.

 

Die wirkliche und eigentlich unübersehbare Bedeutung Bassma Kodmanis in der SNC-Hierarchie wird einfach unter den Tisch fallen gelassen, während man Skelton sogar vorwirft, den Council on Foreign Relations als »einflussreiche amerikanische Lobbygruppe« zu bezeichnen. Diese Bezeichnung sei »unnötig bösartig«. Der CFR sei, so behauptet Borger, »Amerikas prestigeträchtigstes außenpolitisches Forum und Forschungszentrum«.

 

Borger widerspricht damit seiner eigenen pseudo-naiven Pose. Keine andere außenpolitische Denkfabrik kann sich in puncto Einfluss mit dem CFR vergleichen, und Kodmani gilt dort als vertrauenswürdige Vertreterin der imperialistischen amerikanischen Interessen im Mittleren Osten.

 

Man muss noch hinzufügen, dass die britische Sozialistische Arbeiterpartei und ihre weltweiten gleichgesinnten Ideologen wie das auf Michel Pablo zurückgehende [trotzkistische] United Secretariat und andere pseudo-linke Gruppierungen eine ähnliche politisch motivierte Blindheit gegenüber dem wahren Charakter der syrischen Opposition und ihren Zielen an den Tag legen.

 

Im Juni beklagte sich Chalil Habasch in der vom United Secretariat herausgegebenen Zeitschrift International Viewpoint: »Der revolutionäre Prozess in Syrien wird seit seinem Beginn von einigen Linken mit Argwohn betrachtet... Sie werfen ihm vor, eine Verschwörung westlicher imperialistischer Länder und reaktionärer regionaler Staaten wie etwa Saudi-Arabien zu sein. Dieser Trend hält leider weiter an.«

 

Simon Assaf von der SWP hinterließ auf dem alljährlichen [Treffen] »Marxismus 2012« einen ausgesprochen stumpfsinnigen Eindruck. Er erklärte dort, er wolle nicht weiter auf diejenigen eingehen, die aufgrund der Beteiligung der Türkei, Katars, Saudi-Arabiens oder der USA von einer »Verschwörung« sprächen, da es zu lange dauern würde, bis er sich wieder beruhigt habe.

 

Diese Gruppen weigern sich nicht nur, eine kritische Haltung gegenüber der Oppositionsbewegung und den diversen sozialen Kräften, die diese repräsentieren, einzunehmen – wie es für jeden notwendig wäre, der die Grundlage für eine unabhängige Oppositionsbewegung der Arbeiterklasse legen will. Wie der Guardian und andere Leitmedien verschleiern sie bewusst den bourgeoisen, sunnitisch-sektiererischen und proimperialistischen Charakter der derzeitigen Führungsriege der Bewegung, um auf diese Weise die imperialistischen Intrigen der Großmächte zu kaschieren, die am Ende zu noch verheerenderen Folgen als der Krieg der NATO gegen Libyen führen werden.

 

 

 

 

 


 

 

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