Tuesday, 22. May 2012
28.09.2011
 

Griechenland: Die Lunte brennt

Christine Rütlisberger

Aus der Ferne betrachtet klingen die in Athen beschlossenen Sparprogramme auf den ersten Blick ganz vernünftig. Bei näherer Betrachtung werden sie eines ganz sicher zur Folge haben: blutige Unruhen.

Wer Menschen unterschiedlicher politischer Lager geschlossen gegen sich vereinen möchte, der kann sich künftig an der griechischen Regierung orientieren. Es geht hier nicht darum, ob die einzelnen nachfolgenden Details für sich genommen zu Einsparungen führen und finanziell sinnvoll sind. Fragen Sie sich beim Lesen der Passagen einfach einmal, wie Sie und Ihre Freunde reagieren würden, wenn das alles Sie selbst beträfe. Sie werden dann nicht lange überlegen müssen und

können vorhersehen, was in den kommenden Wochen und Monaten in Griechenland passieren wird: eine zuvor nie gekannte Welle der Gewalt und Unruhe.

In Griechenland gibt es ab sofort keine Rechtssicherheit mehr. Weder für Inländer noch für Ausländer. Kaum haben sich die Griechen auf eine Sparmaßnahme eingestellt, wird diese mit einer weiteren Schreckensmeldung vom Tisch gefegt. Es ist bekannt, dass die im Öffentlichen Dienst Beschäftigten Lohnkürzungen hinnehmen mussten. Und bis zu 70.000 Beamte sollen auf einen Schlag entlassen werden. Weniger bekannt ist, dass die meisten Staatsbediensteten und Angestellte staatsnaher Betriebe (etwa bei Olympic Airlines oder in den Krankenhäusern) schon seit Monaten kein Gehalt mehr erhalten haben. So hat das Kultusministerium den Angestellten, die auf der Akropolis gearbeitet haben, seit 22 Monaten kein Gehalt mehr ausgezahlt. Als die Mitarbeiter dann die Akropolis für Besucher geschlossen und für die Auszahlung ihres Lohns demonstriert haben, da wurden sie mit Tränengas auseinander getrieben. Das aber ist erst der Anfang von Sparmaßnahmen, die man in Deutschland in den Medien schlicht verdrängt. Lesen Sie die ganze Härte der beschlossenen Schritte – dann wissen Sie, warum es in Athen bald mehr als nur einen Vorgeschmack auf den Bürgerkrieg geben wird.

 

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