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»Die Konzentration, die aus diesen Abwässern stammt, liegen wesentlich höher, als wir erwartet hatten«, erklärte Patrick Philipps, einer der führenden Verfasser der Studie, die in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde. »Wenn die Öffentlichkeit daran interessiert ist, Medikamente aus der Umwelt fernzuhalten, hat sie diese Ursache möglicherweise bisher nicht in Betracht gezogen.«
In den vergangenen Jahren ist die Verunreinigung der Wasserversorgungssysteme durch Medikamente, von der man zuerst annahm, sie ginge auf menschlichen Urin und Fäkalien zurück, immer stärker ins Bewusstsein gerückt und Anlass zu ernster Sorge geworden. Da die Gewässersysteme weltweit untereinander verbunden sind, konnte man mehr als 100 verschiedene Medikamente in ganz Nordamerika, Europa und Asien sowie in Brunnen und entlegenen Regionen nachweisen. Die Nachrichtenagentur Associated Press schätzt aufgrund eigener Recherchen und der Berichte von Wasserwerken in 77 Ballungsgebieten sowie 52 kleineren Gemeinwesen auf regionaler und kommunaler Ebene, dass mindestens 46 Millionen Menschen in den gesamten USA regelmäßig Brauchwasser ausgesetzt sind, das mit Medikamenten kontaminiert ist.
Viele dieser Medikamente sind nicht als Wasserschadstoffe eingestuft, sodass auch keine sogenannten »sicheren« Grenzwerte für sie festgelegt wurden. Wissenschaftler sind aber besorgt, weil viele dieser Medikamente so konzipiert wurden, dass sie im Körper noch in so geringen Konzentrationen wie 0,000000001 Teilchen (1 Teil pro Milliarde, ppm) wirken. Daher ist mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für den Menschen, aber auch die Umwelt zu rechnen. Dies wurde durch eine frühere USGS-Studie bestätigt, die bei einer Untersuchung von Gewässern bei einem Drittel aller untersuchten Stellen Intersex-Fische, also Fische mit sowohl männlichen wie weiblichen Geschlechtsmerkmalen, vorfand.
»Es handelt sich hier um chemische Substanzen, die so konzipiert wurden, dass sie bei sehr geringen Konzentrationen erhebliche Effekte auslösen«, sagte der Zoologe John Sumpter von der Londoner Bruel-Universität. »Das ist eben die Wirkungsweise von Medikamenten. Wenn sie in der Umwelt auftauchen, sollte es daher niemanden überraschen, dass dies Folgen hat.«
Des Weiteren kann niemand vorhersagen, wie es sich letztlich auswirkt, wenn Menschen ihr gesamtes Leben lang Wasser in großen Mengen zu sich nehmen, und jedes Glas eine völlig ungeprüfte Mischung möglicherweise einiger Dutzend bioaktiver Bestandteile enthält. Erschwerend kommt hinzu, dass viele dieser giftigen Substanzen sich nachgewiesenermaßen in menschlichem oder tierischem Gewebe anreichern.
Lange Zeit hat die Pharmaindustrie darauf beharrt, strikte Kontrollen reichten aus, um zu verhindern, dass größere Mengen ihrer Erzeugnisse in den Fabriken über die Abwässer in die Wasserversorgungssysteme gelangen könnten. Bereits 2007 konnte Joakim Larsson von der Universität Gothenburg Antibiotika in einer Konzentration von 31 mg pro Liter in einer indischen Abfallbeseitigungsanlage nachweisen. Der Anteil des Breitband-Antibiotikums Ciproflaxin im Wasser lag höher, als der maximale Grenzwert, der für menschliches Blut festgelegt worden war. Die betreffende Anlage wurde mit Abwässern aus einem pharmazeutischen Produktionsbetrieb gespeist.
Um zu überprüfen, ob in den USA ähnliche Verhältnisse herrschten, untersuchten Phillips und seine Kollegen Proben aus 26 über die gesamten USA verteilten Kläranlagen, die nach dem Reinigungsprozess entnommen worden waren. Zwei Kläranlagen reinigten die Abwässer von Fabriken, die Medikamente herstellten. Eine der beiden Kläranlagen erhielt 20 Prozent seiner ungeklärten Abwässer aus solchen Fabriken.
Zwei Kläranlagen reinigten also Abwässer aus Pharmaunternehmen. Eine Kläranlage der Kontrollgruppe befand sich im US-Bundesstaat New York, während die anderen 23 Kläranlagen in elf verschiedenen anderen Bundestaaten angesiedelt waren. Aus jeder dieser Kläranlangen wurde jeweils nur eine Probe entnommen.
Sehr schnell traten bei der Analyse der Proben aus den Kläranlagen, die Pharma-Abwässer reinigten, Besonderheiten zutage. »Als wir die Abwasserproben mit dem Gas-Chromatographen und dem Massenspektrometer untersuchten, bemerkten wir viele Ausschläge, die durch zunächst unbekannte Substanzen hervorgerufen worden waren«, berichtete die Wissenschaftlerin Dana Kolpin. Die Analyse ergab, dass es sich bei den betreffenden Substanzen um sieben weitverbreitete Muskelrelaxanzien (Medikamente, die eine zeitweise Entspannung der Muskulatur bewirken) sowie um Schmerzmittel auf der Grundlage von Opiaten handelte. Ihre Konzentrationen lagen oft um das Tausendfache höher als bei den Wasserproben, die aus den anderen 24 Kläranlagen stammten. Diese sieben Medikamente wurden auch in einem Trinkwasserreservoir nachgewiesen, das sich 20 Kilometer flussabwärts von einer der Kläranlagen befand.
Alle sieben Pharmazeutika fanden sich auch in Proben aus den Anlagen, die nicht das Abwasser
pharmazeutischer Produktionsbetriebe reinigten. Hier lag die Konzentration in der Regel bei unter 1 ppm. Im Gegensatz dazu lagen die Konzentrationen des Appetitzüglers und Leistungssteigerers Phendimetrazin und des Muskelrelaxans Carisoprodol in den Proben der Kläranlagen, die das Abwasser pharmazeutischer Produktionsbetriebe reinigten, höher als 40 ppm. Die Konzentration des Barbiturats Butalbital erreichte 160 ppm und die der Schmerzmittel auf Opiatbasis, Methadon und Oxycodon, lag bei 400 bzw. 1700 ppm. Die höchsten Konzentrationen wurden mit 3.800 ppm im Falle des Muskelrelaxans Metaxalon gemessen. Sie entsprachen damit den Werten, die auch in der indischen Studie festgestellt worden waren; und das trotz der wahrscheinlich unzureichenderen Überwachungsmechanismen. »Meiner Ansicht nach hat niemand damit gerechnet, dass wir in fließenden Gewässern auf diese Konzentrationen stoßen«, erklärte Phillips weiter. Dieser Studie gebührt das Verdienst, zum ersten Mal für die USA festgestellt zu haben, dass pharmazeutische Konzerne zu den Hauptverursachern der Verschmutzung durch Medikamente gehören.
»Diese Untersuchung wird hoffentlich dazu führen, dass die Pharmaunternehmen in die Pflicht genommen werden«, sagte der Experte für Umweltgifte, Chris Metcalfe, von der Universität Trent.
Eine weitere bekannte Ursache der Verschmutzung durch Medikamente bildet die Verfütterung von Antibiotika und Hormonen an Nutztiere. Es wurden bereits Störungen des Hormonsystems bei Fischen nachgewiesen, die flussabwärts von Futterplätzen lebten. Auf die Haut aufgetragene Medikamente gelangen beim Duschen oder Baden ebenfalls über das Abwasser in die Wasserversorgung, und Medikamentenrückstände im Schweiß könnten beim Reinigen der betreffenden Kleidungsstücke ausgewaschen werden. Weitere Verunreinigungen entstehen dadurch, dass Krankenhäuser, Pflegeheime oder andere medizinische Einrichtungen abgelaufene oder nicht vollständig verbrauchte Medikamente einfach über die Toiletten entsorgen.
Die Entsorgung pharmazeutischer Produkte oder Inhaltstoffe ist nicht durch die amerikanische Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA, die auch für die Arzneimittelzulassung zuständig ist, geregelt.
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Quellen und weitere Informationen unter:
http://pubs.acs.org/cen/news/88/i23/8823news5.html
http://www.ouramazingplanet.com/pharmaceutical-waste-seeping-into-environment-0241/
http://www.guardian.co.uk/environment/2010/apr/21/toxic-stew-chemicals-fish-eggs
http://www.naturalnews.com/025573.html
http://www.naturalnews.com/023948_water_drinking_drugs.html
http://www.usatoday.com/news/health/2008-09-12-drugs-water_N.htm
NaturalNews
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