Samstag, 10. Dezember 2016
29.12.2015
 
 

Warum der Dritte Weltkrieg nicht mehr fern ist

Dr. Paul Craig Roberts

Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ließ eine gefährliche amerikanische Ideologie erstarken: das neokonservative Denken. Die Sowjetunion hatte wesentlich dazu beigetragen, ein einseitiges Vorgehen der USA zu zügeln. Seit dieses Hindernis für Washington weggefallen ist, arbeiten die Neokonservativen unverhohlen daran, ihr Ziel einer amerikanischen weltweiten Vorherrschaft durchzusetzen. Amerika war nun die »einzig verbliebene Supermacht«, die »uneingeschränkte Macht«, die überall in der Welt ohne Einschränkung nach Gutdünken aktiv werden konnte.

 

Der neokonservative Kolumnist der Washington Post, Charles Krauthammer, brachte die neue Realität wie folgt auf den Punkt:

»Wir verfügen über überwältigende weltweite Macht. Wir sind die von der Geschichte auserwählten Wächter der internationalen Ordnung. Als die Sowjetunion unterging, entstand etwas Neues, etwas vollkommen Neues: eine unipolare Welt, die durch eine einzige Supermacht dominiert wurde, die keinen Rivalen mehr besaß, der ihr entgegentreten könnte, und deren Macht bis in alle Winkel der Erde reichte. Dies ist eine überwältigende neue geschichtliche Entwicklung, wie es sie seit dem Untergang Roms nicht mehr gegeben hat. Selbst das römische Weltreich kann sich nicht mit dem heutigen Amerika messen.«

Diese überwältigende unipolare Machtposition, die die Geschichte Washington bescherte, soll um jeden Preis verteidigt werden. Der einflussreiche stellvertretende amerikanische

Verteidigungsminister Paul Wolfowitz formulierte 1992 die nach ihm benannte Wolfowitz-Doktrin, die zur Grundlage der amerikanischen Außenpolitik wurde:

»Es ist unser vorrangiges Ziel, das Wiederauftauchen eines neuen Rivalen, entweder auf dem Territorium der früheren Sowjetunion oder anderswo, der eine Bedrohung der Art darstellt, wie es zuvor die frühere Sowjetunion getan hat, zu verhindern. Diese übergeordnete Überlegung liegt allen neuen regionalen Verteidigungsstrategien zugrunde und macht es notwendig, uns verstärkt darum zu bemühen, eine feindliche Macht daran zu hindern, eine Region zu beherrschen, deren Ressourcen unter einer gefestigten Kontrolle ausreichen würden, eine Weltmacht hervorzubringen.«

 

Wobei unter »feindlicher Macht« jedes Land zu verstehen ist, das stark genug ist, eine von Washington unabhängige Außenpolitik zu betreiben. Die einseitige Durchsetzung amerikanischer Machtinteressen nahm unter Präsident Clinton Anfang der 1990er Jahre mit den Interventionen in Jugoslawien, Serbien, dem Kosovo und der über den Irak verhängten Flugverbotszone konkrete Gestalt an.

 

1997 entwickelten die Neokonservativen ihr Project for a New American Century. Und drei Jahre vor den Anschlägen vom 11. September forderten die Neokonservativen Präsident Clinton in einem Memorandum dazu auf, auf einen Regimewechsel im Irak hinzuarbeiten und »Saddam Hussein von der Macht zu entfernen«. Insgesamt planten sie den Sturz von sieben Regierungen in fünf Ländern.

 

Die Ereignisse des 11. September 2001 werden von gut informierten Personen als »das neue Pearl Harbor« bezeichnet, das nach Ansicht der Neokonservativen notwendig war, um ihre Eroberungskriege im Nahmittelosten beginnen zu können. Paul O’Neill, Präsident George W. Bushs erster Finanzminister, erklärte öffentlich, auf der ersten Kabinettssitzung Präsident Bushs habe der Einmarsch in den Irak auf der Tagesordnung gestanden. Dieser Einmarsch war bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001 geplant worden. Seit 2001 hat Washington acht Länder ganz oder teilweise zerstört und ist gegenwärtig in Syrien und der Ukraine auf Konfrontationskurs gegenüber Russland gegangen.

 

Russland kann nicht zulassen, dass in der aus Syrien und dem Irak bestehenden Großregion ein dschihadistisches Kalifat entsteht, weil dies die von Muslimen geprägten Regionen der Russischen Föderation destabilisieren würde. Henry Kissinger selbst hat auf diesen Umstand hingewiesen, und jeder halbwegs vernünftige Mensch wird dieser Erkenntnis zustimmen.

 

Aber die machtgierigen und fanatischen Neokonservativen, die die jeweiligen Regierungen unter Clinton, Bush und Obama kontrolliert haben und kontrollieren, sind so von ihrer eigenen Hybris und Arroganz besessen, dass sie sogar bereit sind, Russland massiv zu provozieren, indem sie ihre türkischen Marionetten dazu brachten, ein russisches Kampfflugzeug abzuschießen, und die demokratisch gewählte Regierung in der Ukraine stürzten, die über gute Beziehungen zu Russland verfügte, um stattdessen eine amerikanische Marionettenregierung an die Macht zu bringen.

 

Vor diesem Hintergrund verstehen wir nun, dass die gefährliche Situation, der sich die Welt gegenwärtig gegenübersieht, die Folge des arroganten Strebens der Neokonservativen nach amerikanischer weltweiter Vorherrschaft ist. Die Fehleinschätzungen und die Gefahren im Zusammenhang mit den Konflikten in Syrien und der Ukraine gehen ebenfalls auf die neokonservative Ideologie zurück.

 

Um die amerikanische Vorherrschaft zu erhalten und zu stärken, haben die Neokonservativen die Zusage des Verzichts auf eine Osterweiterung der NATO, die Washington Gorbatschow gegenüber abgegeben hatte, über Bord geworfen. Darüber hinaus sorgten die Neokonservativen dafür, dass die USA den 1972 ohne Befristung abgeschlossenen ABM-Vertrag einseitig aufkündigten.

 

In diesem Vertrag verzichteten die USA und Russland auf die weitere Entwicklung und den Einsatz von Raketenabwehrsystemen. Die Neokonservativen veränderten die amerikanische Kriegsdoktrin und stuften Nuklearwaffen nicht länger als Vergeltungswaffen, sondern vielmehr als präemptive Erstschlagswaffen ein. Dann begannen sie, an der Grenze zu Russland Raketenabwehrbasen zu errichten, und behaupteten, diese Basen dienten nur dazu, Europa vor der nichtexistierenden Bedrohung durch iranische Interkontinentalraketen zu schützen.

 

Russland und sein Präsident Wladimir Putin wurden von den Neokonservativen und ihren Handlangern in der amerikanischen Regierung und den amerikanischen Medien verteufelt. So erklärte beispielsweise Hillary Clinton, die sich gegenwärtig um die Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin bewirbt, Putin sei der »neue Hitler«.

 

Ein früherer hochrangiger CIA-Mitarbeiter rief sogar zur Ermordung Putins auf. Und die Präsidentschaftskandidaten beider großen Parteien wetteifern darum, wer die aggressivste Haltung gegenüber Russland vertritt und den russischen Präsidenten am härtesten beleidigt.

 

Als Folge ist das Vertrauen zwischen den Atommächten verloren gegangen. Die russische Regierung hat begriffen, dass Washington weder seine eigenen Gesetze noch das Völkerrecht respektiert und man sich daher nicht darauf verlassen kann, dass Washington irgendwelche Abkommen einhält.

 

Dieser Vertrauensverlust bereitet zusammen mit dem aggressiven Vorgehen gegenüber Russland seitens Washingtons und der korrupten Medien, dem sich die europäischen Hauptstädte absurderweise angeschlossen haben, einem Atomkrieg den Weg. Da die NATO (im Wesentlichen die USA) keine Chance hat, Russland in einem konventionellen Krieg zu besiegen, und auch einem Bündnis aus Russland und China chancenlos gegenüberstünde, wird dieser Krieg mit atomaren Waffen geführt werden.

 

Um einen Krieg zu vermeiden, verzichtet Putin auf Provokationen und reagiert seinerseits maßvoll auf die Provokationen des Westens. Aber Putins verantwortungsbewusstes Verhalten wird von den Neokonservativen fälschlicherweise als Zeichen der Schwäche und der Furcht ausgelegt. Die Neokonservativen drängen Präsident Obama, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, dann werde Russland schon einknicken.

 

Putin hat demgegenüber keine Zweifel daran gelassen, dass Russland niemals kapitulieren werde.

 

Diese Botschaft hat Putin vielfach unmissverständlich klargemacht. So erklärte er etwa am 28. September 2015 anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der Vereinten Nationen, Russland werde nicht länger den gegenwärtigen Zustand in den weltpolitischen Angelegenheiten hinnehmen. Zwei Tage später befahl er den russischen Kriegseinsatz gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien.

 

Die europäischen Regierungen und hier insbesondere Deutschland und Großbritannien tragen Mitschuld daran, dass es zum Atomkrieg kommen könnte. Diese beiden amerikanischen Vasallenstaaten haben Washingtons rücksichtslose und leichtsinnige Aggression gegenüber Russland erst möglich gemacht, indem sie sich vorbehaltlos der Propaganda Washingtons anschlossen und die von Washington geforderten Sanktionen und Interventionen gegen andere Länder unterstützten. Solange Europa als verlängerter Arm Washingtons handelt, steigt die Gefahr eines nuklearen Armageddon ständig weiter an.

 

In der jetzigen Situation kann ein Atomkrieg nur auf zweierlei Weise verhindert werden: Im ersten Fall würden Russland und China kapitulieren und die Vorherrschaft Washingtons hinnehmen. Die andere Möglichkeit bestünde darin, dass in Deutschland, Großbritannien oder Frankreich unabhängige politische Führungspersönlichkeiten ans Ruder kommen und den Austritt aus der NATO beschließen.

 

Dies würde einen Massenaustritt aus der NATO in Gang setzen, und damit verlöre Washington sein wichtigstes Werkzeug, um Konflikte mit Russland vom Zaun zu brechen. Daher stellt die NATO gegenwärtig für jedes europäische Land und die gesamte Welt die gefährlichste Kraft weltweit dar.

 

Wenn die NATO nicht aufgelöst wird, machen diese beiden Faktoren – die NATO und die neokonservative Ideologie einer amerikanischen weltweiten Vorherrschaft – einen Atomkrieg unvermeidlich.

 

 

 

 

 


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