Freitag, 2. Dezember 2016
22.06.2015
 
 

Der Finanz-Crash kommt näher

Edgar Gärtner

Während das breite Publikum wie gebannt auf Griechenland und das Gebaren seiner linken Regierung starrt, ist auf den internationalen Finanzmärkten etwas eingetreten, dessen Tragweite zunächst nur von Profis erkannt wurde. Die Renditen der deutschen Bundesanleihen, im Fachjargon »Bunds«, sind von 0,049 Prozent im April auf zeitweise über ein Prozent im Juni gestiegen. Sie haben sich also während weniger als 40 Handelstagen verzwanzigfacht.

 

Weniger drastisch, aber in die gleiche Richtung bewegten sich auch die Renditen der Anleihen (Bonds) anderer Staaten. Das mag für Laien zunächst als gute Nachricht erscheinen. Doch bedeutet das für frühere Käufer solcher Staatsanleihen einen gewaltigen Wertverlust in der Größenordnung von insgesamt über 600 Milliarden Dollar. Die Profis sprechen deshalb von einem Bond-Crash. Zwischenzeitlich haben die »Bunds« sich zwar wieder etwas erholt, doch die Kursausschläge (im Börsenjargon Volatilität) bleiben beunruhigend hoch.

 

Bislang galten die deutschen Staatspapiere bei professionellen Anlegern als sicherer Hafen. Nach den Statistiken, deren sich Finanzjongleure wie Computer bei der Abschätzung von Anlagerisiken bedienen, hätte ein Crash, wie wir ihn in diesem Frühjahr erlebten, nur alle 15 000 Jahre vorkommen sollen.

 

Kein Wunder, dass sich Versicherungen und Garantiefonds um die »Bunds« rissen. Nach den jüngsten Kursausschlägen können diese aber nicht mehr als sicher gelten.

 

Jetzt trennen sich viele Anleger in Panik von Staatsanleihen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird nun Mühe haben, weitere Staatsanleihen auf dem Finanzmarkt zu platzieren. Die Staatsverschuldung wird auf jeden Fall teurer, was die Steuerzahler bald zu spüren bekommen werden.

 

Wegen der Nullzinspolitik der Zentralbanken und der Ankündigung des EZB-Chefs Mario Draghi, Staatsanleihen notfalls in unbegrenzter Höhe aufzukaufen, waren auch niedrig verzinste Staatspapiere in den letzten Jahren zum sicheren Geschäft für Großinvestoren geworden. Sie konnten Geld, das sich die Großbanken für beinahe null Prozent Zinsen bei den Zentralbanken ausgeliehen hatten, sicher und profitabel anlegen.

 

Die Realwirtschaft und insbesondere der Mittelstand hatten davon freilich kaum etwas. So gab es sowohl in den USA als auch in der EU seit dem Beinahe-Finanz-Crash im Jahre 2008 unterm Strich kein reales Wirtschaftswachstum. Wir befinden uns noch immer in der Rezession.

 

Gewachsen ist nur der Schuldenberg. Er beträgt inzwischen weltweit über 200 Billionen US-Dollar, das heißt etwa das Vierfache des Weltsozialprodukts. Hinzu kommen nur mit Hoffnung unterfütterte Kreditausfallversicherungen (CDS) in einer Gesamthöhe von etwa 800 Billionen Dollar, das heißt etwa dem 14-Fachen der Weltwirtschaftsleistung.

 

Da den Investoren wegen der Nullzinspolitik der wichtigste Kompass fehlt, nimmt die Volatilität in allen Börsensegmenten gewaltig zu. Die Kurse für Aktien und Anleihen koppeln sich mehr und mehr von der realen Wirtschaftsentwicklung ab. Und das Dutzend Männer und Frauen, welches die wichtigsten Zentralbanken und den Weltwährungsfonds lenkt, weiß de facto nicht mehr, was es tut.

 

So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mächtigen der Welt bei ihrem fieberhaften Bemühen, den Crash zu vermeiden, diesen selber herbeiführen. Der amerikanische Finanzanalyst David Stockmann weist darauf hin, dass der letzte Beinahe-Finanzcrash von unbedienten Immobilien-Krediten (Subprimes) in Höhe von 1,3 Billionen Dollar ausgelöst wurde. Seither sei eine neue Kreditblase entstanden, die mit 2,8 Billionen Dollar mehr als doppelt so groß ist wie die Subprime-Blase. Diese könne jederzeit platzen.

 

Das durch den Film The Forecaster in diesem Frühjahr auch in Deutschland bekannt gewordene amerikanische Finanz-Genie Martin Armstrong erwartet den großen Crash am 1. Oktober 2015. Armstrong beruft sich dabei auf eine »Weltformel«, die er in mühsamer Kleinarbeit aus der Analyse des Niedergangs des Römischen Reiches abgeleitet hat. Wichtigster Indikator war dabei die allmähliche Verringerung des Edelmetallgehalts der Münzen. Die Idee einer Weltformel wird vielen als abwegig erscheinen.

 

Tatsächlich gibt es aber eine solche Formel bereits seit dem 18. Jahrhundert. Sie wurde im Jahre 1748 vom britischen Geistlichen Thomas Bayes veröffentlicht. Diese Formel wird heute in etlichen Naturwissenschaften von der Evolutionsbiologie und der Geologie über die Quantenphysik und die Astronomie bis zur Neuropsychologie mit großem Erfolg angewandt. Auch in der Finanzwissenschaft könnte sie vielleicht hilfreich sein.

 

Die Bayes-Formel besagt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses A unter der Voraussetzung, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses B bekannt ist, dem Produkt aus der Wahrscheinlichkeit von B bei bekanntem A und der A priori Wahrscheinlichkeit von A dividiert durch die A priori Wahrscheinlichkeit von B entspricht. Alles klar?

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (29) zu diesem Artikel

21.09.2015 | 16:19

Edgar Gärtner

Kleine Ergänzung: Die Zahl von 800 Billionen Dollar bezieht sich nicht nur auf die CDS, sondern auf die Gesamtheit spekulativer Derivate. Ihnen gegenüber steht das reale Weltsozialprodukt von etwa 60 Billionen US-Dollar.


23.06.2015 | 17:02

Edgar Gärtner

@Udo: Natürlich weiß ich, dass Armstrong auf Betreiben von GS etwa 12 Jahre hinter Gittern saß. Ich hätte das vielleicht erwähnen sollen. Aber die Geschichte stand in Form eines Interviews ziemlich ausführlich in der WELT. Dort nannte Armstrong auch das Datum 1. Oktober. Es kann aber sein, dass das nicht ganz korrekt übersetzt wurde. Ich persönlich bin skeptisch gegenüber solchen schein-präzisen Angaben. Es halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Schuldenblase noch einige...

@Udo: Natürlich weiß ich, dass Armstrong auf Betreiben von GS etwa 12 Jahre hinter Gittern saß. Ich hätte das vielleicht erwähnen sollen. Aber die Geschichte stand in Form eines Interviews ziemlich ausführlich in der WELT. Dort nannte Armstrong auch das Datum 1. Oktober. Es kann aber sein, dass das nicht ganz korrekt übersetzt wurde. Ich persönlich bin skeptisch gegenüber solchen schein-präzisen Angaben. Es halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Schuldenblase noch einige Jahre weiter wächst, durch Umschuldungen verlagert wird o.ä. Aber das wäre auch keine gute Nachricht. Denn zahlen muss am Ende ohnehin der "kleine Mann."


23.06.2015 | 14:16

Udo

Martin Armstrong hat nie behauptet, dass am 1.Oktober ein Crash statt findet. Es handelt sich bei diesem Datum um einen Trendumkehrpunkt in seinem ECM. Wenn Sie den Film The Forecaster gesehen hätten Herr Gärtner, dann wüssten Sie daß Goldman Sachs dafür gesorgt hat, dass Martin Armstrong 11Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hat und auch nur weil GS auf seine einen Quell Code scharf war. Seinen Quell Code hat er nicht verraten , dafür aber ein Schuldgeständnis unterschrieben...

Martin Armstrong hat nie behauptet, dass am 1.Oktober ein Crash statt findet. Es handelt sich bei diesem Datum um einen Trendumkehrpunkt in seinem ECM. Wenn Sie den Film The Forecaster gesehen hätten Herr Gärtner, dann wüssten Sie daß Goldman Sachs dafür gesorgt hat, dass Martin Armstrong 11Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hat und auch nur weil GS auf seine einen Quell Code scharf war. Seinen Quell Code hat er nicht verraten , dafür aber ein Schuldgeständnis unterschrieben sonst würde er heute noch sitzen. Den Film anschauen bildet Herr Gärtner!


23.06.2015 | 10:45

Stadt Paderborn

Wenn es tatsächlich Leute gibt, die den Ausführungen von "Amt-Gemeinde Neuhaus" glauben und deren Rechtmäßigkeit vertrauen, dann ist es kein Wunder, wenn die PISA-Studien in diesem Land eher den Eindruck einer drittklassigen Sonderschule hinterlassen. Man kann nur jedem empfehlen, sich direkt an die für Neuhaus i.W. zuständige Stadtverwaltung zu wenden und telefonisch weitere Auskünfte erfragen... Viel Glück! Wer sich die Telefonkosten sparen will, der kann vorab dies...

Wenn es tatsächlich Leute gibt, die den Ausführungen von "Amt-Gemeinde Neuhaus" glauben und deren Rechtmäßigkeit vertrauen, dann ist es kein Wunder, wenn die PISA-Studien in diesem Land eher den Eindruck einer drittklassigen Sonderschule hinterlassen. Man kann nur jedem empfehlen, sich direkt an die für Neuhaus i.W. zuständige Stadtverwaltung zu wenden und telefonisch weitere Auskünfte erfragen... Viel Glück! Wer sich die Telefonkosten sparen will, der kann vorab dies lesen: http://www.iknews.de/2013/08/02/neuhauss-unter-selbstverwaltung-die-verwirrten-gehen-nicht-alle/


23.06.2015 | 09:56

jeanette

ja, alles klar. um das universum zu verstehen muss man seine mathematik verstehen. es arbeitet ausschliesslich mit zyklen. wir hatten den zyklus der dunklen zeit, ca. 25.000 tausend jahre und seit 21.12.2012 brach der neue zyklus an. die maya wussten das. die zeit der dominanz ueber einen petrodollar und fiat money u.a. geht zuende. reine universums mathematik. draghi und seine kumpanen wissen das, aber sie versuchen noch so viel wie es geht mit in den abgrund zu reissen. das...

ja, alles klar. um das universum zu verstehen muss man seine mathematik verstehen. es arbeitet ausschliesslich mit zyklen. wir hatten den zyklus der dunklen zeit, ca. 25.000 tausend jahre und seit 21.12.2012 brach der neue zyklus an. die maya wussten das. die zeit der dominanz ueber einen petrodollar und fiat money u.a. geht zuende. reine universums mathematik. draghi und seine kumpanen wissen das, aber sie versuchen noch so viel wie es geht mit in den abgrund zu reissen. das sieht man seinem teuflischen grinsen schon an. aber auch er hat noch nicht gemerkt, dass er benutzt wird. das erwachen fuer die helfers helfer wird grausam sein.


23.06.2015 | 09:28

jeanette

"Kreditausfallversicherugen" ist Lehmann Brothers nicht genau damit 2008 als erste gecrashed, weil sie versichert haben, was sie nicht bedienen konnten? auch die finanzgeschichte wiederholt sich solange das spiel laeuft. die karten werden immer wieder verteilt, wie am pokertisch in las vegas und..... die bank gewinnt immer. also der kleinanleger, der mit den grossen mitspielen will, weil auch ihn die gier erfasst hat wird immer wieder verlieren. er merkt nicht, dass es...

"Kreditausfallversicherugen" ist Lehmann Brothers nicht genau damit 2008 als erste gecrashed, weil sie versichert haben, was sie nicht bedienen konnten? auch die finanzgeschichte wiederholt sich solange das spiel laeuft. die karten werden immer wieder verteilt, wie am pokertisch in las vegas und..... die bank gewinnt immer. also der kleinanleger, der mit den grossen mitspielen will, weil auch ihn die gier erfasst hat wird immer wieder verlieren. er merkt nicht, dass es nicht sein spiel ist und genau deshalb wurde es erfunden!!! er verliert doppelt, sein erspartes und darf ueber steuern noch mal ran! die grossen zahlen keine steuern !

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