Friday, 27. May 2016
09.10.2014
 
 

Französischer Geheimdienst-Überläufer bei IS

Edgar Gärtner

Die französischen Inlands- und Auslandsgeheimdienste (DGSI und DGSE) müssen (wie andere Geheimdienste auch) mit Übersetzern islamischen Glaubens zusammenarbeiten. Dabei ist jetzt wohl der GAU passiert. Und die Medien schweigen dazu.

 

Bewerber für Stellen in diesen Organisationen werden selbstverständlich streng gesiebt. Da aber die Grenzen zwischen dem (vorgeblich) gemäßigten und dem radikalen Islam, entgegen einer im Westen verbreiteten Illusion, fließend sind, ist es durchaus möglich, dass sich nach den Eingangstests für ungefährlich gehaltene Muslime radikalisieren, wenn sie erst einmal bei einem Geheimdienst fest angestellt sind.

Genau das soll mit einem hohen französischen Offizier passiert sein, der nach Aussage des auf den Nahen Osten spezialisierten amerikanischen Journalisten Mitchell Prothero jetzt in den Reihen der Al-Nusra-Front beziehungsweise der geheimnisumwitterten Gruppe Khorasan kämpft. Das meldet der in der Schweiz erscheinende konservativ-christliche Informationsdienst DREUZ.info.

 

Nach Aussage Protheros galten die ersten acht Angriffe der Amerikaner diesem, dem Journalisten namentlich bekannten französischen Ex-Offzier. Dieser sei aber bislang nicht getroffen worden. Eliminiert worden sei dagegen ein anderer von den Amerikanern gesuchter Chef-Terrorist namens Muhsin al Fahdi. Beim weiterhin aktiven französischen Überläufer soll es sich um einen hochgradigen Sprengstoff-Experten handeln. Seinen Namen preiszugeben, hat Protheros Arbeitgeber McClatchy verboten.

 

Vier nichtfranzösische Geheimdienste sollen die Existenz dieses höchst gefährlichen Überläufers gegenüber Dreuz zugegeben, aber ebenfalls um Diskretion gebeten haben, um die Sicherheit seiner Familie nicht aufs Spiel zu setzen. Von Dreuz kontaktierte Geheimdienst-Leute sollen aber zugegeben haben, dass diese Geschichte für sie ein Alptraum ist. Denn die französischen Geheimdienste genossen bislang bei ihren ausländischen Kollegen einen erstklassigen Ruf.

 

Syrische Rebellen sollen dagegen verwundert gewesen sein, dass sie von den Amerikanern nicht vor den gezielten Angriffen informiert wurden. Sie seien auch darüber enttäuscht gewesen, dass die Amerikaner keine Einrichtungen des Assad-Regimes bombardiert haben.

 

Ein französischer Geheimdienst-Experte äußerte aber auch den Verdacht, die Amerikaner könnten die Geschichte vielleicht erfunden haben, um die Franzosen zu einem stärkeren Engagement in Syrien zu bewegen.

 

Demgegenüber bekräftigte Mitchell Protheros:

»I confirm a French military or intelligence agent in the past joined al Qaida and was operating in Syria where the US tried to kill him. I have no indication French intelligence has been compromised though. It sounds like one person went and joined the jihadis« (Ich bestätige, dass ein französischer Militär- oder Geheimdienst-Agent zu al Qaida übergelaufen ist und in Syrien aktiv war, wo die Vereinigten Staaten versucht haben, ihn zu töten. Ich habe keine Anhaltspunkte dafür, dass die französischen Geheimdienste unterwandert sind. Es scheint eher, dass eine Person desertiert und zum Dschihad übergelaufen ist.)

 

Es ist erstaunlich, dass deutsche Medien bislang dazu schweigen.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (2) zu diesem Artikel

09.10.2014 | 09:48

Ulrich

Jede hier genannte, sowie vielleicht noch andere Varianten sind hier denkbar. Wie der Name schon sagt, solche Leute dienen im Geheimen. Die ganze Geschichte wird dann einem "christlich-konservativen Informationsdienst" erzählt, mit der "Bitte", den Namen nicht zu nennen, um die Familie des mutmaßlichen Überläufers zu schützen. Das ganze klingt in meinen Ohren einfach nur wie eine Ankündigung an die europäische Bevölkerung, sich auf gut vorbereitete...

Jede hier genannte, sowie vielleicht noch andere Varianten sind hier denkbar. Wie der Name schon sagt, solche Leute dienen im Geheimen. Die ganze Geschichte wird dann einem "christlich-konservativen Informationsdienst" erzählt, mit der "Bitte", den Namen nicht zu nennen, um die Familie des mutmaßlichen Überläufers zu schützen. Das ganze klingt in meinen Ohren einfach nur wie eine Ankündigung an die europäische Bevölkerung, sich auf gut vorbereitete Bombenanschläge vorzubereiten, sprich: Angst zu empfinden. Wem nutzt das? Will man jetzt deswegen die Gesetzeslage zur "Inneren Sicherheit" weiterhin verschärfen? Oder die ausufernde Überwachung durch die Geheimdienste rechtfertigen? Oder etwa nur die Verstrickung sämtlicher westlicher Geheimdienste in die aktuellen geostrategischen "Großtaten" verschleiern? In wessen Auftrag und Unterstützung handeln denn diese Terroristen von Anfang an? Mir fällt dabei nur ein Stichwort ein: Gladio!


09.10.2014 | 09:10

Elisa

Der Franzose wird sicher nicht der einzige Überläufer sein. Wer im Nahen Osten mit wem oder gegen wen in den Krieg zieht oder diesen weiterführt, das ist ja von hier aus gar nicht auszumachen. Die Allianzen ändern ständig. Und die westlichen Regierungen sollen doch nicht so tun, als wüssten sie genau, wo Feind und wo Freund ist in diesen Gebieten. Dort wird abgeschlachtet, was zum schlachten ist, Hauptsache die Menschenmengen reduzieren sich und die Ölquellen sind im eigenen...

Der Franzose wird sicher nicht der einzige Überläufer sein. Wer im Nahen Osten mit wem oder gegen wen in den Krieg zieht oder diesen weiterführt, das ist ja von hier aus gar nicht auszumachen. Die Allianzen ändern ständig. Und die westlichen Regierungen sollen doch nicht so tun, als wüssten sie genau, wo Feind und wo Freund ist in diesen Gebieten.
Dort wird abgeschlachtet, was zum schlachten ist, Hauptsache die Menschenmengen reduzieren sich und die Ölquellen sind im eigenen Machtbereich zugänglich oder gelangen in eigenen Besitz. Töten, Infrastruktur zerstören und Flucht führen zur Entvölkerung. Nachher verwandeln sich die verbrecherischen westlichen Akteure zu Menschenfreunde und helfen, die Infrastruktur aufzubauen und sich alles gänzlich unter den Nagel zu reissen, verteilen grosszügig Nobelpreise und feiern die historischen Friedenstage. In Wirklichkeit gehören diese mitsamt ihren Vorgängern in ein Kriegsverbrechertribunal. Weder haben sie je die humanitären Grundrechte geschweige denn das Völkerrecht respektiert. Was für ein falscher Zirkus!

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