Saturday, 1. October 2016
04.05.2015
 
 

»Peak Oil«? – Weltklasse-Ölfeld vor den Toren Londons entdeckt

F. William Engdahl

Ein bankrottes England hat »Gold« entdeckt. Es könnte das wirtschaftliche Schicksal des Vereinigten Königreichs wenden, sofern die Regierung klug handelt – was allerdings dieser Tage alles andere als gewiss ist. Es ist kein gelbes, sondern schwarzes Gold – nämlich Erdöl.

 

Eine britische Ölgesellschaft hat die Entdeckung eines großen Ölfelds bestätigt, dessen Reserven Großbritannien auf eine Stufe mit Kuwait bringen könnten, und das genau zu dem Zeitpunkt, wo die Förderung in der Nordsee aus verschiedenen Gründen deutlich schrumpft. Das riesige neu entdeckte Ölfeld bedeutet zudem einen weiteren schweren Schlag für den von amerikanischen und britischen Ölgesellschaften verbreiteten Schwindel vom so genannten »Peak Oil«.

 

Etwa 2003 kam das Szenario auf – verbreitet anfänglich auf ausgewählten alternativen Websites und über Matt Simmons, einen texanischen Öl-Banker und Kumpel von Dick Cheney – wonach die Ölreserven der Welt den absoluten »Gipfelpunkt« erreicht hätten oder dieser sehr nahe sei, Saudi-Arabien neben anderen auf katastrophale Förderungseinbußen zusteuere und es düster für die zukünftige Energieversorgung der Welt aussehe. Manche sprachen schon vom »Ende des Erdölzeitalters«.

 

Dieser »Peak-Oil«-Schwindel, eine Neuauflage der politisch motivierten Theorien des texanischen Ölgeologen King Hubbert aus den 1950er Jahren, wurde schon bald unter anderem von der deutschen Bundesregierung, der Internationalen Energieagentur und von populären Mainstream-Medien aufgegriffen, er diente als Erklärung, warum Ölgesellschaften die Preise auf 100 Dollar und mehr für das Barrel anheben müssten, um uns mit Öl zu versorgen, das immer mehr aus teuren alternativen oder unkonventionellen und energie-ineffizienten Quellen stammte, beispielsweise aus Teersand am kanadischen Athabasca-Fluss oder aus Schiefergestein in North Dakota, Texas, Kalifornien und anderen Regionen.

 

Wird der Flughafen Gatwick bald verlegt?

 

Das neu entdeckte Ölfeld in England liegt im Weald-Becken in der Nähe des Flughafens Gatwick vor den Toren Londons. Schon seit drei Jahren war bekannt, dass dort Erdöl lagerte.

 

Vor einem Jahr erklärte dann der staatliche British Geological Survey, die Aussicht sei gering, mehr als »einige Millionen Barrel« zu fördern, kaum genug, um in Buckingham Palace oder Westminster die Sektkorken knallen zu lassen.

 

Auch die staatliche amerikanische Studie behauptete, das Öl müsse per Fracking gefördert werden, jener Methode, bei der Millionen Liter toxisches Wasser unter hohem Druck in das Gestein gepumpt werden, um das Öl zu gewinnen.

 

Das Verfahren kann bekanntermaßen Erdbeben auslösen und zur Verseuchung des Grundwassers führen, was für den dicht besiedelten Großraum London nicht wünschenswert wäre.

 

Diese pessimistischen Berichte der britischen Regierung, die nicht auf Probebohrungen, sondern auf Schätzungen beruhten, sind jetzt durch die Ergebnisse von tatsächlichen Bohrungen durch die private britische Ölgesellschaft UK Oil and Gas Investments (UKOG) widerlegt worden.

 

Nach einer Probebohrung bis 1000 Meter Tiefe in Wytch Farm im Weald-Becken gab UKOG bekannt, das Becken sei »eine potenzielle Weltklasse-Lagerstätte«.

 

UKOG erklärte in dem offiziellen Antrag, im Süden von England könnten bis zu 100 Milliarden Barrel lagern, nachdem Ende 2014 in Horse Hill in der Nähe des Flughafens Gatwick in West Sussex gebohrt worden war. Das Unternehmen schätzt, dass in dem Becken 158 Millionen Barrel Öl pro Quadratmeile lagern könnten.

 

UKOG-Chef Stephen Sanderson erklärte in der BBC: »Durch die tiefste Bohrung im Becken seit 30 Jahren, in Verbindung mit der Möglichkeit zur Nutzung von Konzepten, Techniken und Technologien, die in den 1980er Jahren nicht zur Verfügung standen, erhielten wir aktuelle Daten und Auswertungen, die unsere Einsicht über die potenziellen Ölvorkommen in der Region vollkommen verändern.«

 

Und weiter: »Gestützt auf unsere dortigen Funde gehen wir von 50 bis 100 Milliarden Barrel Öl im Boden aus. Wir glauben, dass wir fünf bis 15 Prozent des dort lagernden Erdöls fördern können, was bedeuten kann, dass wir um 2030 zehn bis 30 Prozent des britischen Ölbedarfs aus der Region Weald decken können.«

 

Um diese Zahlen in die richtige Perspektive zu rücken: In der Nordsee vor der Küste Schottlands wurden große Ölvorkommen entdeckt, die Förderung begann 1973 von teuren Offshore-Ölplattformen aus. In den vergangenen 40 Jahren hat England 42 Milliarden Barrel Erdöl gefördert.

 

Das reichte aus, um die wirtschaftliche Lage in weiten Teilen Großbritanniens zu verändern. 2014 berichtete die Organisation Erdöl exportierender Länder, die Nordseeöl-Industrie stecke in der Krise. Die durchschnittliche Förderung in der Nordsee erreichte 2014 den niedrigsten Stand seit 1977.

 

 

 

Im Weald-Becken in der Nähe des Flughafens Gatwick könnten 100 Milliarden Barrel Erdöl lagern

 

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Leser-Kommentare (17) zu diesem Artikel

05.05.2015 | 00:04

Grantler

Der Erdkern besteht nach neusten Erkenntnissen höchstwahrscheinlich aus einer Eisen-Kohlenstoff-Verbindung (Quelle: Spektrum der Wissenschaft Ausgabe 05/2015).Das verleiht der Hypothese, dass Kohlenwasserstoffe (nicht nur auf der Erde, ein Beispiel sind die Methanseen auf Titan) zum größten Teil anorganischen Ursprungs sind neues Gewicht.Woher nun die Unmengen von Wasserstoff im Erdinneren stammen, die zur Bildung von Kohlenwasserstoffen erforderlich sind, das ist ein Thema für...

Der Erdkern besteht nach neusten Erkenntnissen höchstwahrscheinlich aus einer Eisen-Kohlenstoff-Verbindung (Quelle: Spektrum der Wissenschaft Ausgabe 05/2015).
Das verleiht der Hypothese, dass Kohlenwasserstoffe (nicht nur auf der Erde, ein Beispiel sind die Methanseen auf Titan) zum größten Teil anorganischen Ursprungs sind neues Gewicht.
Woher nun die Unmengen von Wasserstoff im Erdinneren stammen, die zur Bildung von Kohlenwasserstoffen erforderlich sind, das ist ein Thema für sich. Das Wissen hierüber sprengt alles was wir über die Erde aber auch das Universum zu wissen glauben, oder was uns als gesicherte Erkenntnis darüber vorgegaukelt wird.
Ein kleiner Tipp: Einfach mal die Kontinente der Erde zusammensetzen und schauen was dabei herauskommt!


04.05.2015 | 22:11

Livia

Das einzige Problem beim Öl ist, daß die US-amerikanische Oberschicht die Kontrolle darüber nicht aufgeben möchte! Hans-Joachim und Unwichtig haben recht. Wahrscheinlich könnte fast jede mittelgroße Nation Selbstversorger sein, das paßt unseren "Freunden" aber genausowenig wie der nordafrikanische Golddenar und nordafrikanische Zentralbanken ohne IWF und FED-Bankiers! Amerikanische Prospektoren gelten als die großen Spezialisten - und erklären dann Vorkommen für...

Das einzige Problem beim Öl ist, daß die US-amerikanische Oberschicht die Kontrolle darüber nicht aufgeben möchte! Hans-Joachim und Unwichtig haben recht. Wahrscheinlich könnte fast jede mittelgroße Nation Selbstversorger sein, das paßt unseren "Freunden" aber genausowenig wie der nordafrikanische Golddenar und nordafrikanische Zentralbanken ohne IWF und FED-Bankiers! Amerikanische Prospektoren gelten als die großen Spezialisten - und erklären dann Vorkommen für unrentabel oder technisch nicht förderbar wenn sie wissen, daß sie diese Quellen nicht so einfach in die Finger bekommen (können) und ihnen so Konkurrenz entsteht. Dabei bohren Amis öfters daneben als Russen, weil letztere die anorganische Entstehung akzeptieren und wissen, wo es geologisch mehr Sinn macht. Aber Rockefellers private Interessen stehen mal obenauf - eil er den Laden, der sich in den USA Demokratisches System nennt, zu einem großen Teil bezahlt. Beim Klientelwesen im alten Rom war es eben noch offensichtlicht, wer welche Leute ernährte um deren Stimmen zu bekommen - heute ist es das Gleiche, nur besser getarnt!


04.05.2015 | 20:33

ben

Alleine die 130 Militärbasen der USA verbrauchen so viel Öl am Tag wie Schweden. Und viele Ölbohrlöcher versiegen. Zum Beispiel die in Syrien. Über die tatsächlichen Reserven ist allertrengstes Stillschweigen verhängt. Und die Prospektoren wissen sicher mehr als wir. Die USA lauern auch nicht umsonst vor Russland und haben einen Ausnahmezustand verhängt. Die wollen ans Öl, weil ohne Öl sind die kastriert. Es werden auch immer weniger Vorkommen entdeckt. Von - soweit ich weiß - 64...

Alleine die 130 Militärbasen der USA verbrauchen so viel Öl am Tag wie Schweden. Und viele Ölbohrlöcher versiegen. Zum Beispiel die in Syrien. Über die tatsächlichen Reserven ist allertrengstes Stillschweigen verhängt. Und die Prospektoren wissen sicher mehr als wir. Die USA lauern auch nicht umsonst vor Russland und haben einen Ausnahmezustand verhängt. Die wollen ans Öl, weil ohne Öl sind die kastriert. Es werden auch immer weniger Vorkommen entdeckt. Von - soweit ich weiß - 64 Probebohrungen ist nur noch eine erfolgreich. Die Wertegemeinschaft müßte in den nächsten 20 Jahren 4 mal Saudi Arabien finden, um auf demselben Stand zu bleiben! - Der Klimandel ist im vollen Gange. Um das zu erkennen, braucht man sich bloß alte Luis Trenker Filme anzuschauen. Die magnetischen Pole verschieben sich aussergewöhnlich. Das zeigen die Messungen. Und die Pole schmelzen ab. - Peak Oil ist da. Das ist für mich keine Frage. Und sollten die Briten tatsächlich Öl entdeckt haben, dann wird British Petroleum schon bohren.


04.05.2015 | 16:55

Paß ma uff sagt:

Da wird man wohl alsbald südlich von Berlin auch ein Feld "finden" und siehste: Kann die neue Fluchhafen-Ruine auch endlich "verlegt" werden .....


04.05.2015 | 16:25

Bodo Matern

Das Peak-Märchen kommt von den gleichen Leuten, die uns schon das Märchen mit dem CO2 verehrt haben, um ihre verteuerbaren Energien an den Idioten zu bringen.

Demokratie ist die Herrschaft des Geldes.


04.05.2015 | 14:03

Unwichtig

Erdöl wird kontinuierlich in der erdkrüste gebildet durch chemische Vorgänge. Immer und überal.

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