Saturday, 20. September 2014
20.07.2013
 
 

Bruch zwischen Saudis und Washington über Haltung zu Ägypten

F. William Engdahl

In der Berichterstattung über den Militärputsch vom 3. Juli in Ägypten, bei dem der bisherige Präsident Mohammed Mursi, ein Anhänger der Muslimbruderschaft, gestürzt und zahlreiche Mitglieder der Bruderschaft, die die ägyptische Politik im letzten Jahr bestimmt hatte, entlassen wurden, wird ein Aspekt nur ganz selten kommentiert, nämlich die trotzige Reaktion des saudischen Königshauses, das den Rauswurf der Bruderschaft begrüßt und die Wiedereinsetzung des Militärs unterstützt.

Dieser Schritt der Saudis ist ohne Beispiel, weil er sich offen der vom Weißen Haus erklärten Unterstützung für die Muslimbruderschaft widersetzt. Die Auswirkungen dieses Bruchs sind immens.

Wüstendämmerung?

 

Seit US-Präsident Roosevelt 1945 auf dem Rückweg von der verhängnisvollen Jalta-Konferenz bei einem Treffen mit dem saudischen König Ibn Saud den Rockefeller-Ölgesellschaften den Zugang zum Ölreichtum Saudi-Arabiens sicherte, glichen die außenpolitischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA auf saudischer Seite beinahe denen einer Satrapie. Nach dem von Kissinger inszenierten »Ölschock« von 1973, bei dem die OPEC die Preise um rund das Vierfache erhöhte, rang Washington den Saudis das Versprechen ab, sicherzustellen, dass die OPEC ihr Öl ausschließlich gegen Dollars verkaufte. Damit war die Vorherrschaft des Dollar als Weltreservewährung auch weiterhin gesichert. Im Gegenzug willigte Washington ein, Waffen zu liefern und die saudische Luftwaffe auszubilden.

 

2010, als Washington die »Demokratie«-Offensive des Arabischen Frühlings in Tunesien, Ägypten und dem gesamten islamischen Krisenbogen vorbereitete, gab die Regierung Obama das größte Waffengeschäft der US-Geschichte bekannt. Im Rahmen eines 46 Milliarden Dollar schweren Vertrages verpflichteten sich die USA, den Saudis 84 neue Kampfflugzeuge vom Typ F-15 zu liefern und 70 weitere aufzurüsten. Das Ganze war auch ein Schritt zur Isolierung des Iran.

 

Wie bereits in einem früheren Artikel berichtet, hatten die Saudis vor dem Militärputsch in Ägypten dem Verteidigungsminister und Generalstabschef der Armee, General Abdul Fattah al-Sisi, insgeheim zugesichert, nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch andere konservative Ölstaaten am Golf, wie Kuwait und die VAE, würden Ägypten finanzielle Hilfe gewähren, falls die Regierung Obama als Vergeltung für den Sturz ihres Mannes Mursi durch das ägyptische Militär die jährliche Hilfe in Höhe von einer Milliarde Euro aussetzen sollte.

 

Am 17. Juli bestätigte die neu vereidigte Übergangsregierung in Ägypten den Erhalt von sechs Milliarden Euro in Form von Zuschüssen, Krediten und Treibstoff aus Saudi-Arabien und den VAE. Saudi-Arabien hatte Hilfen über vier Milliarden Euro an Ägypten bewilligt, die VAE zwei Milliarden als dringend benötigte Unterstützung für die Wirtschaft des Landes. Wie der saudische Finanzminister Ibrahim Al-Assaf erklärte, setzten sich die Gelder aus Saudi-Arabien aus einer Zentralbankeinlage in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, weiteren 1,5 Milliarden Euro an Energieprodukten und 750 Millionen Euro Bargeld zusammen. Die VAE gewähren Ägypten ein Darlehen über 750 Millionen Euro und einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro in Form einer unverzinsten Einlage bei der ägyptischen Zentralbank.

 

Die Nachricht bedeutet einen doppelten Schlag ins Gesicht für die Regierung in Washington, die darauf bestanden hatte, dass sich die Mursi-Regierung als Vorbedingung für finanzielle Hilfe den harschen Konditionen des Internationalen Währungsfonds unterwarf.

 

Dramatische Reaktion aus Katar

 

Auffällig ist, dass einer der Ölstaaten am Golf bei dieser Hilfe nicht mitmachte, nämlich Katar, dessen Emir Hamad bin Khalifa al-Thani seit der Revolution vor zweieinhalb Jahren mehr als sechs Milliarden Euro nach Ägypten und vielleicht weitere sieben Milliarden Euro zur Unterstützung von Islamisten in Libyen, Syrien und Gaza geschickt hatte, der palästinensischen Enklave, die von der Hamas, einem Ableger der Muslimbruderschaft, regiert wird. Katar ist Sitz der US Central Command’s Forward Headquarters und des Combined Air Operations Centre. Und das Wichtigste: Bis zum Militärputsch gegen die Herrschaft der Muslimbrüder in Ägypten am 3. Juli war Katar Wohnort führender Mitglieder der Muslimbruderschaft und einer ihrer besten finanziellen Unterstützer in Syrien, Ägypten, Libyen und der gesamten islamischen Welt.

 

Schon wenige Minuten nach dem von den Saudis und den VAE unterstützen Putsch in Ägypten waren dem Emir von Katar die Konsequenzen bewusst – er dankte zugunsten seines Sohnes Tamin ab. Hamad bin Jassem al-Thani, der die den Muslimbrüdern freundlich gesonnene Außenpolitik Katars maßgeblich bestimmt hatte, wurde abgesetzt und durch den bisherigen stellvertretenden Außenminister, einen Militär, ersetzt. Die neue Führung Katars verwendet jetzt bei der Diskussion über ihre Außenpolitik Ausdrücke wie »Neubewertung«, »Neujustierung« und »Korrekturen«. Kurz: Man riskiert keine völlige Isolierung innerhalb der von den Saudis dominierten Golfstaaten.

 

Die Entscheidung der Saudis, kühne Schritte gegen die ihrer Ansicht nach verhängnisvolle Islamisten-Strategie der USA der Unterstützung von Revolutionen der Muslimbruderschaft in der islamischen Welt zu unternehmen, durchkreuzt die wahnsinnige US-Strategie, die Bruderschaft als politische Kraft einzusetzen, um die islamische Welt besser unter Kontrolle zu halten und sie zur Destabilisierung Chinas, Russlands und der islamischen Gebiete Zentralasiens einsetzen zu können.

 

In der saudischen Königsfamilie wuchs die Furcht, die Muslimbruderschaft könne sich eines Tages auch gegen ihre Herrschaft erheben. Sie hat George W. Bush und Washington nie vergeben, dass sie die weltliche Herrschaft der Baath-Partei und Saddam Husseins im Irak gestürzt und damit eine schiitische Mehrheit an die Macht gebracht haben; das Gleiche gilt für die Entscheidung der USA, Mubarak, den engen Verbündeten der Saudis in Ägypten, zu stürzen. Am 3. Juli revoltierte Saudi-Arabien, Amerikas bis dato gehorsamer »Vasallenstaat« im Nahen Osten, als er den Militärputsch in Ägypten unterstützte.

 

Außer den lauthals vorgebrachten Protesten gegen den Putsch der ägyptischen Generäle gegen ihre verbündeten Muslimbrüder hat Washington bisher wenig ausrichten können – ein klares Zeichen für die schwindende Macht der USA in der Welt. Das Pentagon hat zwei Kampflandungsschiffe mit 2600 Marineinfanteristen an die Küste des Roten Meers in Ägypten geschickt. Die riesige USS Kearsarge mit 1800 und die USS San Antonio mit 800 Marineinfanteristen an Bord »wurden ins Rote Meer verlegt und sollen vor Ägypten bleiben, weil wir nicht wissen, was passieren wird«, erklärte General James Amos, der Kommandeur des Marine Corps.

 

Washington befindet sich plötzlich außenpolitisch in Auflösung, während die neue Interimsregierung in Ägypten vereidigt wird. Mehr dazu in Kürze….

 

 

 


 

 

 

 

 

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