Tuesday, 27. September 2016
02.08.2010
 
 

Der EU-Banken-Stresstest – ein großer Schwindel

F. William Engdahl

Vor wenigen Tagen hat der Europäische Ausschuss der Bankenaufseher der EU (Committee of European Banking Supervisors, CEBS) die Ergebnisse seines »Stresstests« der europäischen Banken veröffentlicht. Erstaunlicherweise ist das Bankensystem laut diesem Testergebnis weitaus gesünder als von den Märkten befürchtet. Sofort nach Bekanntwerden des Ergebnisses stiegen die Kurse an den Anleihemärkten und der Aktien führender europäischer Banken – von der Deutschen Bank über UBS und Société Générale bis hin zu Barclays. Aber wird bei dem Test wirklich das Risiko einer Wiederholung der Gefahr eines völligen Zusammenbruchs wie im Jahr 2007 gemessen? Kurze Antwort: Nein. Er ist nur Augenwischerei, um die Investoren bei Laune zu halten und die wirklichen Gefahren zu verbergen, mit denen sich niemand in Europa auseinandersetzen will. Doch wir können ganz sicher sein: sie werden uns noch zu schaffen machen.

Wundersamerweise ergaben die CEBS-Tests – nur zwei Jahre nach Beginn des schlimmsten Finanzkrachs aller Zeiten –, dass nur sieben Banken in der EU zusätzliches Kapital in Höhe von insgesamt von 3,5 Milliarden Dollar aufbringen müssen. Das sind gerade einmal zehn Prozent des niedrigsten Wertes, den professionelle Bankanalysten geschätzt hatten; man darf vermuten, dass der gemessene »Stress« für die Banken gar nicht allzu stressig war.

Laut CEBS sind nur die (bereits verstaatlichte) deutsche Hypo Real Estate Holding AG, die griechische Landwirtschaftsbank ATE und fünf spanische Sparkassen wegen unzureichender Reserven durchgefallen. Mit den Tests sollte die Widerstandsfähigkeit der Banken im Falle einer erneuten Rezession oder einer Staatsschuldenkrise wie Anfang des Jahres in Griechenland untersucht werden.

Die Idee des Stresstests kommt aus der Flugzeugindustrie. Dabei werden neu entwickelte Flugzeugtypen größtem Stress ausgesetzt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welches Zusammentreffen extremer Ereignisse zum Bruch der Tragflächen oder zu Problemen bei anderen Flugzeugteilen führen würden. Entsprechend der Ergebnisse der extremen Stresstests bauen die Flugzeugbauer dann widerstandsfähigere Teile ein. Beim EU-Banken-Stresstest sind jedoch keinesfalls die Faktoren gemessen worden, die zum Ausbruch des weltweiten Finanzcrashs geführt haben, bei dem viele Milliarden Euro ausgelöscht wurden.


EU: Uneingeschränkte Herrschaft des Geldes

Wie ich in meinem Buch Der Untergang des Dollar-Imperiums ausführlich beschreibe, war die so genannte Subprime-Immobilienkrise, die in der deutschen IKB-Bank ihr erstes Opfer gefunden hatte, nur deshalb möglich geworden, weil die jahrzehntelange Praxis strenger staatlicher Kontrollen über Banken und Finanzrisiken ersatzlos aufgehoben worden war.

Da Washington seit 1999 Druck auf die EU ausgeübt hatte, Finanzderivate und Offshore-Hedgefonds keiner Aufsicht zu unterstellen, konnte der Verkauf von »Giftmüll« der Wall Street in Form von forderungsbesicherten Wertpapieren wie den berüchtigten hypothekenbesicherten Wertpapieren ungehindert ausgeweitet werden.

Die Wertpapiere wurden von betrügerischen Firmen wie AIG versichert, korrupte amerikanische Rating-Agenturen bewerteten sie ebenso betrügerisch mit dem Siegel »AAA«. Es war von Beginn an bewusster Betrug, von dem mittlerweile die größten Banken und Finanzinstitute in der EU infiziert sind. Dieses Monstrum anzugreifen fehlt den Finanzregulierern in der EU der Mumm. Stattdessen haben sie völlig bedeutungslose Stress-Szenarien entwickelt, bei denen hypothetische Verluste der Banken im Fall einer milden Rezession oder Staatsschuldenkrise getestet werden, alles weit weniger schwerwiegende Ereignisse als die, welche 2007 zum Finanzcrash geführt haben.

Mangelnde Verantwortlichkeit und Korruption, die seit 2007 in den USA und der EU im Umgang mit der Finanzkrise offen zutage treten, bestätigen unser seit Langem vorgebrachtes Argument: die wichtigsten staatlichen und finanziellen Institutionen, die unser tägliches Leben bestimmen, werden zunehmend autoritär, es ist wie ein Rückfall in die dunkle Zeit der 1930er Jahre und der letzten großen Krise des internationalen Finanzsystems. Die Gouverneure der Federal Reserve weigern sich beharrlich, dem US-Kongress Einsicht in die Details der Bailouts für die großen Wall-Street-Banken seit 2007 zu gestatten oder eine unabhängige öffentliche Bilanzprüfung zuzulassen. Was öffentliche Verantwortung angeht, so sind die Europäische Zentralbank und die Regierungen der EU-Staaten kaum besser. Dies hat der Stresstest erneut unter Beweis gestellt.

Der Stresstest der CEBS war nur eine neuerliche Vertuschungsoperation der korrupten Finanzinstitute

Zusammengenommen hatten die Banken in der EU beispiellose Verluste in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Euro zu verzeichnen. Noch einmal so viel wird bewusst verschwiegen. Von »gesund« kann bei dieser Realität keine Rede sein. In Frankreich und Großbritannien beispielsweise hat der Staat Privatbanken übernommen, nachdem diese jahrzehntelang Missmanagement betrieben hatten und in erheblichem Maße in die Subprime-Krise der Wall Street und der Londoner City verwickelt waren. Das Einzige, was von den einst so mächtigen Zentren des privaten Bankwesens in diesen Ländern übrig geblieben ist, ist ein hochverschuldeter korporativistischer Staat.

Das Bemerkenswerte am jüngsten Stresstest der EU ist jedoch, dass es so gut wie keine Daten über Banken in der EU gibt, die einer unabhängigen öffentlichen Überprüfung unterzogen werden könnten, und keine Transparenz – und zwar ganz bewusst. Die Stresstests sind ein willkommenes Mittel, wodurch sich die politische Führung der EU der Verantwortung entziehen kann, die bankrotten Finanzstrukturen grundlegend zu reformieren, die es den internationalen Megabanken ermöglichen, ganze Länder wie Griechenland, Spanien, ja selbst Deutschland und Frankreich zu ruinieren, da ihre Spekulationsgeschäfte die Steuerzahler hunderte Milliarden für völlig überflüssige Bailouts kosten. Jetzt ist klar, dass es keine strafrechtliche Verfolgung von Bankern in der EU geben wird, schon gar nicht für die Unantastbaren – etwa die Deutsche Bank oder die Société Générale –, die den EU-Mitgliedsstaaten durch Missmanagement bei Privat- und Landesbanken Verluste in Milliardenhöhe zugefügt haben.

Mit diesen angeblichen Stresstests kann die politische Führung – die kein Interesse an wirksamen Methoden zur Aufsicht über die außer Kontrolle geratenen Banken hat – die wirklichen Kosten der Bankenkrise schnell unter den Teppich kehren.

 

 


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