Saturday, 30. July 2016
17.06.2014
 
 

EU spielt ukrainisches Roulette mit russischem Erdgas

F. William Engdahl

In der Frage der Sicherung eines neuen Vertrags über die Lieferung russischen Erdgases an die Ukraine spielt die EU ein gefährliches »ukrainisches Roulette«. Und die gegenwärtige Regierung in Kiew – mit einem Schokoladenkönig-Gangstermilliardär-Präsidenten, einem Scientology-Ministerpräsidenten und virulent antisemitischen Neonazis als Verteidigungs- und Innenminister – verfolgt eindeutig eine Strategie der Destabilisierung des russischen Nachbarn.

 

Amerikanische und andere westliche Mainstreammedien sollen Instruktionen ihrer Regierungen erhalten haben, den Begriff »Neonazi« zur Beschreibung der neonazistischen Mitglieder der ukrainischen Regierung nicht zu verwenden, damit die Öffentlichkeit nicht erfährt, wie verrückt die US-Politik in der Ukraine ist. Die wirkliche Gefahr liegt jedoch darin, dass bestimmte Kriegsfalken in Washington die ukrainisch-russischen Erdgasverhandlungen als Keil verwenden, um die EU und Russland auseinander zu treiben und Russland dadurch weiter zu isolieren.

 

Die EU ihrerseits ist gespalten. Der britischen Regierung Cameron käme ein Krach in Europa, insbesondere zwischen Deutschland und Russland, zupass. Denn der würde dem britischen Einfluss auf das Weltgeschehen den nötigen Adrenalinstoß verschaffen. Andererseits ist die Wirtschaft Deutschlands und Frankreichs auf Erdgasimporte aus Russland angewiesen. Und der größte Teil dieses russischen Erdgases erreicht Europa über ein Netz von Pipelines, die über die Ukraine verlaufen.

 

Am 16. Juni um 10.00 Uhr Moskauer Zeit versäumte Kiew die von Russland gesetzte Frist für einen Kompromiss, wonach die Ukraine 1,95 Milliarden von rund 4,5 Milliarden Dollar ausstehender Schulden an den russischen Staatskonzern Gazprom, den größten Erdgas-Giganten der Welt, hätte zahlen sollen. Moskaus Angebot für die Zahlung eines Teilbetrags erfolgte als Geste guten Willens in dem Versuch, den seit Langem bestehenden Streit beizulegen, der sich andernfalls im Winter zu einer großen europäischen Energiekrise entwickeln könnte.

 

Mittlerweile ist klar, dass Kiew auf Order der Strippenzieher im US-Außenministerium wie Victoria »Fuck the EU« Nuland und anderen im Umfeld von Präsident Obama handelt, um in Moskau, aber auch in der EU, für maximale Verwirrung und Unsicherheit zu sorgen. Ziel ist es, Russland zu isolieren und zu verteufeln, nicht mehr und nicht weniger. Es ist das Vorspiel einiger sehr reicher und sehr mächtiger Leute in den USA für einen von ihnen erhofften neuen Weltkrieg. Anders lässt sich Washingtons dümmliches Verhalten in der Ukraine seit November des vergangenen Jahres nicht plausibel erklären.

 

Die Details

 

Im April erhöhte Moskau als Reaktion auf den illegalen Sturz des früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch den Erdgaspreis für Kiew auf 485 Dollar für 1000 Kubikmeter – deutlich über dem letztjährigen Durchschnittspreis von 370 Dollar für europäische Kunden. Ein Sonderpreis, der mit Janukowytsch ausgehandelt worden war, nachdem dieser zugestimmt hatte, die Ukraine in den russischen Eurasischen Gemeinsamen Markt zu bringen, wurde zurückgenommen. Zum Eurasischen Gemeinsamen Markt gehören neben Russland Kasachstan, Weißrussland und Armenien; Washington war entschlossen, ihn zu sabotieren.

 

Bei Verhandlungen forderte Kiew einen Preis von lediglich 268 Dollar pro 1000 Kubikmeter und die Aufhebung der Vereinbarung, wonach für das Erdgas bezahlt werden musste, ob es nun verbraucht wurde oder nicht.

 

In der letzten Verhandlungsrunde zwischen dem ukrainischen staatlichen Erdgaskonzern Naftogaz und der Gazprom bot Russland an, die Exportsteuern aufzuheben, sodass der Preis für die Ukraine auf 385 Dollar, den durchschnittlichen Preis, den auch andere europäische Kunden zahlen, sinken würde. Das bestätigte EU-Kommissar Günther Oettinger.

 

Am Mittag des 16. Juni kündigte die Gazprom an, die Lieferungen für den ukrainischen Markt, aber vermutlich nicht für die EU, zu kürzen. Die Uhr tickt. Die Ukraine hat zwar noch Gas auf Lager, aber nicht genug, um über den Winter zu kommen. Auch die Lagerbestände der EU reichen für einige Monate, die deutschen Lagertanks sind zu 75 Prozent gefüllt.

 

Die EU spielt bei den Verhandlungen nicht mit offenen Karten, trotz der Vermittlungsversuche Oettingers und anderer. Nachdem die EU am 21. Februar versucht hatte, in letzter Minute einen Kompromiss zu erzielen, der den heutigen Bürgerkrieg und die gefährliche Lage verhindert hätte, befahl die CIA – offenkundig in Absprache mit Victoria Nulands Spießgesellen wie der Nationalen Sicherheitsberaterin Susan Rice – den in den Rechten Sektor »eingebetteten« Scharfschützen, auf dem Maidanplatz in Kiew sowohl auf Demonstranten als auch auf Polizisten zu schießen und auf diese Weise eine Panik zu erzeugen, die dann fälschlich der Janukowytsch-Regierung zur Last gelegt wurde. Am nächsten Tag wurde die Ukraine von einer zusammengewürfelten Truppe von Psychopathen und Gangstern regiert, handverlesen von Leuten wie Nuland und John McCain, dem Vorsitzenden des National Republican Institute aus Washington, der anscheinend einfach nicht anders kann, als Kriege loszutreten, wo immer das möglich ist.

 

Damals, angesichts eines buchstäblich US-gestützten Staatsstreichs in Kiew, erhob Brüssel keine Einwände, sondern tat, als wäre alles in Ordnung, als geschehe nichts Ungewöhnliches. Brüssel und speziell Berlin standen zweifellos unter starkem Druck aus Washington und wurden erpresst. Es war dumm, einer solchen Erpressung nachzugeben, denn die Konsequenzen sind viel schlimmer, als wenn ein klarer und fester moralischer Standpunkt bezogen worden wäre. Heute, rund vier Monate später, werden die Konsequenzen der moralischen Feigheit der EU allmählich sichtbar, denn zum ersten Mal seit 1945 zeichnet sich ein neuer Weltkrieg in Europa als klare Möglichkeit ab.

 

Wäre Brüssel wirklich entschlossen, eine Lösung zu finden, bis Kiew zu einer vernünftigeren Haltung gezwungen werden könnte, hätte Brüssel anbieten können, die 1,95 Milliarden aus den 4,5 Milliarden Dollar sofort zu bezahlen und weiter zu verhandeln. Doch das ist nicht geschehen. Offenbar zieht man es vor, ukrainisches Roulette mit russischem Gas zu spielen, ein törichtes Spiel, fürwahr.

 

 

 

 


 

 

 


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