Samstag, 24. Juni 2017
23.05.2016
 
 

Jamala gewinnt European Song Contest mit Hymne auf SS-Nazi-Krimtataren

F. William Engdahl

Mir geht es hier nicht um die Erörterung der musikalischen Verdienste der Person, die eigentlich den Eurovision Song Contest (ESC) 2016 hätte gewinnen sollen. Es ist offensichtlich, dass der Ukrainerin Jamala, die selbst tatarischer Herkunft ist, der Sieg in diesem manipulierten Wettbewerb zugeschoben wurde, um ein politisches Zeichen zu setzen. Wie sie später offen einräumte, ging es ihr darum, »Parallelen« zwischen dem Vorgehen Stalins gegen die Krimtataren während des Zweiten Weltkriegs sowie den Ereignissen auf der Krim 2014 und der Rolle Moskaus aufzuzeigen.

 

Der Song Jamalas hat ganz offensichtlich politischen Charakter, und das wäre nach den Regeln des ESC, die politische Erklärungen verbieten, eigentlich schon Anlass genug, ihr den Titel ungeachtet ihres tatsächlichen oder vermeintlichen Gesangstalents abzuerkennen. Viele Kommentatoren und Zuschauer kritisieren, dass das Musikfestival unverhohlen zur politischen Propaganda missbraucht wurde.

Zudem fehlen in der westlichen Medienberichterstattung interessanterweise jegliche Hinweise darauf, um wen es sich bei den Krimtataren des Jahres 1944 eigentlich handelte, deren Verfolgung Jamala so beklagt. Die Antwort dürfte viele überraschen.

 

In ihrem Lied 1944 beklagt Jamala das Leiden der Krimtataren, die zu Zehntausenden von Stalin nach Zentralasien deportiert wurden. Es hinterlässt beim Zuschauer und Zuhörer das Bild barbarischer Grausamkeiten, die der sowjetische Diktator an den unschuldigen Krimtataren verübte. Aber dies entspricht nicht ganz den historischen Tatsachen, denn bei den Krimtataren handelte es sich keineswegs nur um unschuldige Zivilisten. Zehntausende von ihnen hatten sich auf Befehl Hitlers zu SS-Brigaden zusammengeschlossen.

 

Es geht hier nicht darum, das brutale Vorgehen Stalins gegen die Tataren 1944 kleinzureden. Nach dem Tode Stalins 1953 räumte selbst die sowjetische Führung die Grausamkeiten ein. Demgegenüber blenden die Medien heute ebenso wie der Song der 32-jährigen Krimtatarin Jamala die historischen Realitäten der Lage 1944 aus.

 

Die Besetzung der Krim durch die Nazis


Nach Beginn der sogenannten »Operation Barbarossa«, dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941, wurde die Krim 1942 von der Wehrmacht besetzt. Erst im Mai 1944 gelang der Roten Armee die Rückeroberung. Die Krim-Bevölkerung bestand damals aus Tataren und Russen.

 

Nach Archivrecherchen der russischen Zeitung Pravda Report wurde die Deportation von zehntausenden Krimtataren 1944 durch Stalin angeordnet, weil die Wehrmacht und die Besatzungsstreitkräfte der Nazis tausende Krimtararen in Kampfeinheiten zusammengefasst hatten, die die Befreiung der Krim durch die Rote Armee durch bewaffneten Widerstand verhindern sollten. In dem Artikel heißt es:

»Im April und Mai 1944 waren die Verbände der Krimtataren an Kämpfen gegen die Rote Armee auf der Krim beteiligt. Die Einheiten, die im Juni 1944 von der Krim evakuiert wurden, gliederte man zunächst in das 3. Tatarische Gebirgsjäger-Bataillon der SS ein. Einen Monat später wurde die 2500 Mann umfassende Einheit in die 1. Tatarische Gebirgsjäger-Brigade der SS unter dem Kommando von SS-Standartenführer Willy Fortenbacher umbenannt. Am 31. Dezember 1944 wurde diese Einheit aufgelöst und in dem Osttürkischen Waffenverband der SS eingegliedert und bildete dort mit dem I. und II. Bataillon und hundert Pferden die Waffengruppe Krim

In seinen Aussagen vor dem Nürnberger Tribunal bekräftigte der deutsche Feldmarschall Erich von Manstein die Nützlichkeit der als grausam berüchtigten Tataren-Bataillone für die Nazis:

»Der Großteil der krimtatarischen Bevölkerung war uns freundlich gesonnen. Wir konnten sogar bewaffnete Selbstverteidigungseinheiten unter den Tataren aufstellen, deren Aufgabe es war, ihre Dörfer und Ortschaften gegen Partisanen zu schützen, die sich in den umliegenden Bergen aufhielten. Die starke [prosowjetische, W.E.] Partisanenbewegung war auf der Krim seit Beginn der Besetzung aktiv und bereitete uns große Schwierigkeiten. Diese Bewegung trat deshalb in Erscheinung, weil sich unter der Bevölkerung der Krim viele Russen befanden …

Die Tataren standen sofort auf unserer Seite. Im Dezember 1941 unterstützten muslimische Tataren-Komitees die deutsche Besatzungsverwaltung, die auf der Krim eingerichtet worden war. Das Zentrale muslimische Komitee der Krim nahm seine Arbeit in Simferopol auf. Ihre Organisation und ihre Aktivitäten unterstanden der direkten Aufsicht durch die SS.«

 

Die radikalen muslimischen Terroristen der SS

 

In meinem Buch Amerikas heiliger Krieg beschreibe ich die weitgehend unbekannte, aber äußerst wichtige Hintergrundgeschichte der Beziehungen des Dritten Reichs zu bestimmten muslimischen Gruppen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der führende Vertreter der Muslimbruderschaft, der damalige Großmufti von Jerusalem Amin al-Husseini, in Berlin von Hitler und Himmler willkommen geheißen. Während des Kriegs organisierte er dort antijüdische Propaganda und stellte in den östlichen Regionen der Sowjetunion, in Ägypten, Palästina und anderswo nazifreundliche Brigaden fanatischer Muslime auf, die für das Dritte Reich kämpfen sollten.

 

In Berlin spielte der Großmufti eine weitgehend unbekannte, aber extrem grausame Rolle bei der Auslöschung von Millionen Juden durch die Nazis. Er wurde ein enger Freund Heinrich Himmlers, »Reichsführer« des gefürchteten Nazi-Todeskults namens »Schutzstaffel« (SS). Himmler trägt wahrscheinlich auch die größte individuelle Verantwortung für die Durchführung des Holocausts.

 

In seiner Aussage bei den Nürnberger Prozessen erklärte Dieter Wisliceny – ein enger Mitarbeiter Adolf Eichmanns –, bevor er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Februar 1948 zum Tode durch den Strang verurteilt wurde:

»Der Mufti war einer der Initiatoren der systematischen Ausrottung des europäischen Judentums und ein Kollaborateur und Berater von Eichmann und Himmler bei der Ausführung dieses Plans ... Er war einer von Eichmanns besten Freunden und hatte ihn regelmäßig angestiftet, die Ausrottungsmaßnahmen zu beschleunigen.«

Der Großmufti wurde von Himmler aufgefordert, muslimische SS-Brigaden, wie etwa die Kampfverbände der Krimtataren, aufzustellen. Dies gelang ihm in Bosnien und in vielen von den Nazis besetzten Gebieten Osteuropas, einschließlich der Krim. Wie ich in meinem Buch ausführlich darlege, kann man die Ursprünge der fanatischen al-Qaida, des IS und anderer heutiger radikaler muslimischer Terrorgruppen unmittelbar auf die muslimischen SS-Netzwerke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückverfolgen. Dies gilt auch für den Terror der Krimtataren, der Türken und der Bosnier.

 

Im Krieg gibt es keine Gewinner. Aber im Interesse der historischen Wahrheit wären der schwedische Außenminister und andere westliche Persönlichkeiten, die Jamala und ihren Song 1944 so über den grünen Klee loben, gut beraten, das geschichtliche Bild zu vervollständigen. Aber dann wäre der beabsichtigte politische Effekt der Propagandaabteilung der NATO, den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Russland selbst immer stärker zu dämonisieren, wohl kaum zu erreichen.

 

Aber wäre das so schrecklich gewesen? Putin soll dafür »bestraft« werden, dass sie 2014 einer Eingliederung der Krim in Russland zustimmten, nachdem eine überwältigende Mehrheit der Krimbevölkerung von 93 Prozent sich für den Anschluss an Russland ausgesprochen hatte.

 

Die »Hedda Hopper« von heute, die Kriegstreiberin Victoria Nuland im amerikanischen Außenministerium oder der amerikanische Verteidigungsminister Ash Carter oder der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der USA »Fighting Joe« Dunford und der amerikanische Militärisch-industrielle Komplex wären allerdings sehr traurig, wenn es so käme.

 

 

 

 

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