Wednesday, 29. June 2016
01.11.2014
 
 

Mit der Einigung im russisch-ukrainischen Gasstreit wird Zeit bis zum Frühjahr erkauft

F. William Engdahl

Bevor man zur Feier der Einigung im Erdgas-Streit zwischen Kiew und der Moskauer Gazprom die Sektkorken knallen lässt, sollte man die Dinge erst einmal nüchtern betrachten. Am Chaos in der Ukraine ändert sich nichts. Und die neokonservativen Falken in Washington werden sich wieder für eine erneute militärische Offensive einsetzen, sobald im Frühjahr der harte ukrainische Winter zu Ende geht. Bezeichnenderweise gilt die erzielte Einigung bis zum nächsten März.

 

Sollte irgendjemand Zweifel gehegt haben: Das Fiasko um den Gasstreit zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom wirft ein Licht auf das völlige Chaos in der EU-Energiepolitik. Die Regierung Merkel und die EU als Ganze halten die Lüge vom Global Warming aufrecht, während die gesamte übrige Welt allmählich begreift, dass wir uns, wenn überhaupt, in einer zyklischen Phase globaler Abkühlung befinden.

Angesichts drastisch in die Höhe schießender Verbraucherpreise merken Deutschland und die EU, dass sie sich mit der Entscheidung für »grüne Energie« aus alternativen Quellen wie Sonne und Wind selbst ins Knie geschossen haben.

 

Zusätzlich bringen die kurzsichtigen EU-Sanktionen gegen Russland den verlässlichsten Energiepartner der EU an den Rand des Abbruchs der Beziehungen – Washington sei Dank.

 

Jetzt herrscht in der EU Alarmstimmung über die Sicherheit der Energieversorgung. Gezwungenermaßen kommt man zu der Einsicht, dass es keine andere Alternative gibt, als sich mit Moskau über die Gaslieferungen der Gazprom an die Ukraine zu einigen, wenn das übrige Gas, das über russische Pipelines durch die Ukraine fließt, die Kunden in Deutschland und anderen EU-Ländern erreichen soll.

 

Ein Blick auf die Details der Einigung, angeblich ein letzter »Triumpf« für den scheidenden EU-Energiekommissar Öttinger, zeigt allerdings alles andere als einen Triumpf. Sie ist allenfalls ein kleiner Notverband. Die EU musste zusichern, de facto als Garant dafür einzutreten, dass das bankrotte Regime in Kiew die ausstehenden Rechnungen begleicht; laut der erzielten Einigung sind das bis zum 3. Dezember rund drei Milliarden Dollar.

 

Gazprom wird die Gaslieferungen an Kiew wieder aufnehmen, die im Sommer wegen Nichtzahlung eingestellt wurden. Kiew muss für zukünftige Lieferungen in Vorkasse treten, um weiteren Diebstahl wie nach dem Februarputsch in der Ukraine zu verhindern.

 

Die entscheidende Frage für die EU lautet momentan: Wird sie die Selbstsabotage aufgeben und sich voll für die geplante South-Stream-Gaspipeline der Gazprom in die EU einsetzen, durch welche die Abhängigkeit von der Ukraine erheblich reduziert wird?

 

Derzeit bringt es für die EU keinerlei Nutzen – sie erleidet vielmehr drastische Verluste bei Exportaufträgen nach Russland –, wenn sie sich an die von Washington diktierten Sanktionen gegen russische Energieprojekte und wichtige russische Banken hält.

 

Nach Einschätzung mancher Beobachter in Washington steht Europa heute an der Schwelle nicht nur eines neuen Kalten Krieges, sondern des Dritten Weltkriegs. Wenn es Brüssel ernst meint, sollte der winzige Schritt einer diplomatischen Lösung der Beziehungen zwischen der Gazprom und der Ukraine getan werden, um sich damit von der katastrophalen Vasallen-Rolle gegenüber Washington zu distanzieren und die langjährigen friedlichen Beziehungen zu Moskau und dessen eurasischer Wirtschaftsgemeinschaft wiederaufzunehmen.

 

Wird diese Chance in der Atempause der nächsten fünf Monate nicht genutzt, können wir sicher sein, dass Victoria »Fuck the EU« Nuland und ihre neokonservativen Freunde in CIA und State Department alles Erdenkliche unternehmen werden, um spätestens im März 2015 über die Ostukraine den Krieg mit Russland erneut in Gang zu setzen.

Leser-Kommentare (12) zu diesem Artikel

03.11.2014 | 21:13

Alternative

Die Lästerei über die Energiewende geht mir langsam auf den Keks. Wessen Interessen vertreten diese Leute eigentlich? Die Ölmultis? Die Araber? Putin? Was soll das? Alternative - besser gesagt regenerative Energien sind - ganz unabhängig von Klimawandel ja oder nein - die Herausforderung für zivilisierte Gesellschaften. Es kann doch niemand wirklich wollen, dass ständig Naturstoffe wie Öl, Gas, Kohle, Holz VERBRAUCHT werden! Denn egal was man von Peak-Geschwätz hält - es ist...

Die Lästerei über die Energiewende geht mir langsam auf den Keks. Wessen Interessen vertreten diese Leute eigentlich? Die Ölmultis? Die Araber? Putin? Was soll das? Alternative - besser gesagt regenerative Energien sind - ganz unabhängig von Klimawandel ja oder nein - die Herausforderung für zivilisierte Gesellschaften. Es kann doch niemand wirklich wollen, dass ständig Naturstoffe wie Öl, Gas, Kohle, Holz VERBRAUCHT werden! Denn egal was man von Peak-Geschwätz hält - es ist eine Tatsache, dass die Vorkommen endlich sind. Hans-Werner Sinn hat vorgerechnet, dass der Holzwuchs in Deutschland in keiner Weise auch nur annähernd ausreicht, um unseren Wärmebedarf zu decken - er ging sogar davon aus, dass 100% Deutschlands mit Wald bedeckt würde. Und so einen Quatsch, wie Holzschnitzel aus Weissrussland quer durch Europa zu fahren und dann noch von umweltfreundlicher Heizing zu schwätzen? Sonne, Wind, Erdwärme - das muss reichen. Dass dazu geeignete Speichertechniken erforderlich sind ist auch klar. Die fossilen Energien sollten ausschliesslich für die chemische Industrie und für Fälle eingesetzt werden, in denen regenerative Energien einfach nicht genügend Energiedichte besitzen (Fliegen).


02.11.2014 | 17:17

nimzoswitch

die russen können sehr gut schach spielen - die eu eliten haben die katze aus dem sack gelassen und sich damit restlos als gelenkte Marionetten kompromitiert - kann man diesen leuten noch vertrauen ? Nein !die folgen werden wir in der eu spüren - wenn der Ölpreis fällt und Russland den rubel abwertet , verteuern sich die eu Importe nochmals , der euro wird ebenfalls abwerten müssen oder seine exporte werden unbezahlbar - das gibt druck auf den konjunkturkessel.in der eu im...

die russen können sehr gut schach spielen - die eu eliten haben die katze aus dem sack gelassen und sich
damit restlos als gelenkte Marionetten kompromitiert - kann man diesen leuten noch vertrauen ? Nein !
die folgen werden wir in der eu spüren -
wenn der Ölpreis fällt und Russland den rubel abwertet , verteuern sich die eu Importe nochmals , der euro wird
ebenfalls abwerten müssen oder seine exporte werden unbezahlbar - das gibt druck auf den konjunkturkessel.in der eu
im Gegenzug werden russische unternehmen vom wettbewerbsdruck entlastet und können sich auch andere
Handelspartner suchen
zug um zug


02.11.2014 | 01:42

Trittbrettfahrer

@Willi Obama aber auch !!! @Kamich netter Gedanke aber Wirtschaft sieht nur Vorherrschaft im großen Sandkastenbuddel. Daher woooohl nicht. Wissenschaftlich arbeiten alle zusammen. Das sollte auch das Ziel sein und so bleiben !!! Denke ich? Kleingeistiger Klamauk durch Wirtschaftswachstum und Bestimmerrollen? Längs überholt !!! Ups der Beitrag sollte hier nicht rein.Sorry Ist von "2015"aus der Kramkiste von Opa.


02.11.2014 | 00:22

Kamich

Ich bin mir da noch nicht so sicher, ob Russland und die USA nicht im Sinne einer Weltregierung doch zusammenarbeiten, und die meisten Länder durch Stellvertreter-Kriege im Angst- und Chaos-Zustand halten. Die Angst benebelt den Verstand und der Truppenaufmarsch hier und dort, in Begleitung von Medienkrieg könnte auch Ablenkung sein. Immerhin hat es Russland geschafft, dass seine ukrainischen Aussenstände beglichen werden und in der Krise mit der EU ist es ja selbstverständlich,...

Ich bin mir da noch nicht so sicher, ob Russland und die USA nicht im Sinne einer Weltregierung doch zusammenarbeiten, und die meisten Länder durch Stellvertreter-Kriege im Angst- und Chaos-Zustand halten. Die Angst benebelt den Verstand und der Truppenaufmarsch hier und dort, in Begleitung von Medienkrieg könnte auch Ablenkung sein. Immerhin hat es Russland geschafft, dass seine ukrainischen Aussenstände beglichen werden und in der Krise mit der EU ist es ja selbstverständlich, dass Alle mit Wohlstandeinbussen zu rechnen haben. Ich habe nach wie vor grosse Zweifel, dass mit den BRICS wirklich eine ernstzunehmende Konkurrenz für das Imperium erwächst - wir werden ja sehn. Auffallend ist, wie selbstverständlich Deutschland und die EU einfach mal so fremde Kosten übernehmen, aber das ist man ja inzwischen auch an anderer Stelle gewohnt - als spielen Haushalt und Verschuldung gar keine Rolle mehr. Es sieht aus wie ein Zustand der Hypnose in der EU. Bei so viel Idealismus kann ich annehmen, dass nächstes Jahr die Eurokraten milliardenschwere Verträge mit den USA und Katar machen über die Lieferung von Flüssiggas ... , die höheren Kosten spielen ja gar keine Rolle, wenn es um die Bestrafung von Putin geht. Ich erwarte Alles, nur nichts Sinnvolles !


01.11.2014 | 17:11

Habnix

"Angesichts drastisch in die Höhe schießender Verbraucherpreise merken Deutschland und die EU, dass sie sich mit der Entscheidung für »grüne Energie« aus alternativen Quellen wie Sonne und Wind selbst ins Knie geschossen haben." Hier verwechselt man Ursasche mit Wirkung, möchte man beinah sagen. An der Strombörse fallen die Preise, doch merkwürdiger weise ist unsere Regierung am Energiepreis Prozentual beteiligt.


01.11.2014 | 14:19

Alex

@Thomas K. Sehr gut! Unsere Politiker sind Angeschtelte von USA Psychoelite die die Welt ins Wahnsinn treiben! Will nicht ins Details eingehen..... Die Grundlage ist: Als schlechter geht´s die Welt, und so besser geht´s die USA! Und es ist egal ob es EU oder sonst was ist!!! Das schlimmste ist das unsere Politiker machen mit und zwar völlig bewusst! !!!! BRAVO Putin! !!! Ist der einziger Mann auf die politische Bühne! BRAVO! !!!!

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