Monday, 29. August 2016
04.12.2014
 
 

Putin, der Pipeline-Stopp und die Dummheit der EU

F. William Engdahl

South Stream, das geplante, 45 Milliarden Dollar teure Projekt, russisches Erdgas über eine Unterwasser-Pipeline durch das Schwarze Meer an Bulgarien und weiter an andere Länder auf dem Balkan und in Südeuropa zu liefern, ist begraben. Russlands Präsident Putin verkündete das Todesurteil am 1. Dezember während eines Türkei-Besuchs, bei dem er mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu Gesprächen zusammentraf. Für die EU hat diese Entscheidung erhebliche geopolitische und wirtschaftliche Folgen.

 

Putin erklärte: »Wenn Europa es nicht realisieren will, dann wird es eben nicht realisiert. Wir werden unsere Energieressourcen in andere Regionen der Welt umleiten. Es ist uns nicht gelungen, von Bulgarien die nötige Erlaubnis zu erhalten, also können wir das Projekt nicht weiterführen. Wir können keine hohen Investitionen vornehmen, nur um an der bulgarischen Grenze gestoppt zu werden. … Natürlich ist es die Entscheidung unserer Freunde in Europa

 

Der russische Präsident verschwendete keine Minute, um zu zeigen, wie er die Neuausrichtung plant. Der wahre Verlierer ist nicht Russland, sondern die EU, die es wieder einmal geschafft hat, sich selbst ins Knie zu schießen, indem sie sich dem Druck von Victoria Nulands State Department und der Obama-Regierung aus Washington beugt.

 

Mit der South-Stream-Pipeline wäre die Lieferung von Erdgas an ost- und südeuropäische Länder, neben anderen Bulgarien, Ungarn, Österreich, Italien, Kroatien und auch Serbien, gesichert gewesen. Die derzeitigen Transit-Pipelines über die Ukraine wären umgangen worden. In ähnlicher Lage hatten sich Russland und Deutschland 2009 auf den Bau der North-Stream-Pipeline geeinigt, mit der ebenfalls die Ukraine umgangen wurde.

 

Indem die EU jetzt das Mitgliedsland Bulgarien mit dem Druckmittel eines Banken-Bailouts vom vergangenen Juni zwingt, South Stream zu stoppen, macht sie sich abhängig von Gaslieferungen über die Ukraine – ein Land, das durch mangelndes politisches Rückgrat der EU zu einem gescheiterten Staat wurde, der von einer Clique aus durch Brüssel und Washington unterstützten Gangstern und Oligarchen regiert wird.

 

Die EU-Politik könnte man als »Dummheit« bezeichnen, wäre da nicht die Erpressung aus Washington, die Blockadepolitik gegen South Stream umzusetzen – genauso wie die wirtschaftlich verheerenden Sanktionen der EU gegen Russland erst auf extremen Druck Washingtons auf Berlin und Paris verhängt wurden.

 

Die Türkei wird näher an Eurasien herangeführt

 

Russland und die Türkei haben gerade eine Vereinbarung zum Ausbau der bestehenden russischen Blue-Stream-Gaspipeline unterzeichnet; ab sofort sollen der Türkei zusätzlich zu den derzeit 13,7 Milliarden Kubikmetern (bcm) weitere drei Milliarden Kubikmeter Gas geliefert werden, insgesamt also fast 17 Milliarden Kubikmeter.

 

Außerdem kündete Putin eine faszinierende neue Option an, nämlich den Bau eines Erdgas-Verteilerzentrums an der türkisch-griechischen Grenze, über das Europa als Kompensation für den Ausfall der South Stream mit Erdgas beliefert werden soll. Gegenüber der Presse sagte er: »Wir sind bereit, nicht nur die Blue Stream auszubauen, sondern ein neues Pipeline-System zu errichten, um den wachsenden Bedarf der türkischen Wirtschaft zu decken; wir halten es für gerechtfertigt, auf türkischem Gebiet nahe der Grenze zu Griechenland ein zusätzliches Erdgas-Verteilerzentrum für Kunden in Südeuropa einzurichten.«

 

Zur gleichen Zeit gab Gazprom-Chef Alexei Miller die Unterzeichnung einer Absichtserklärung für den Bau einer neuen Pipeline unter dem Schwarzen Meer in Richtung Türkei bekannt. Über sie sollen 63 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die Türkei strömen, ungefähr so viel wie über die jetzt gestoppte South Stream.


Wenn wir betrachten, wohin sich Erdoğan bewegt, und weniger darauf hören, was er sagt, so erweist er sich vor allem als pragmatischer politischer Überlebenskünstler. Interne Konflikte, hauptsächlich mit der Bewegung des CIA-nahen Fethullah Gülen, wie ich in meinem Buch Amerikas Heiliger Krieg beschreibe, haben die Distanz zwischen Erdoğan und Washington trotz der NATO-Mitgliedschaft der Türkei erhöht.

 

Bisher verließ sich der Washingtoner Neokonservative Richard L. Morningstar, zurzeit Botschafter in Aserbaidschan, auf eine gehorsame Türkei als Alternative zum Transport von Erdöl aus Aserbaidschan unabhängig von Russland.

 

Wenn Erdoğan das russische Angebot zur Bildung einer Energie-Allianz akzeptiert, wäre dies für die Türkei eine deutliche politische Richtungsänderung von immenser geopolitischer Bedeutung. Darüber ist sich Erdoğan im Klaren, auch wenn er nur verschwommene Vorstellungen über eine Strategie für die Türkei hegt. Ein russisch-türkisches Verteilerzentrum an der Grenze zu Griechenland würde eine klare Änderung von Erdoğans Strategie signalisieren.

 

Ein wichtiger Hinweis darauf fand sich in der Erklärung, dass für die neuen Erdgaslieferungen Russlands an die Türkei in der Landeswährung, nicht in US-Dollar bezahlt wird. Die Türkei ist schon jetzt nach Deutschland der zweitgrößte Abnehmer von russischem Erdgas. Darüber hinaus hat Erdoğan die Aufnahme in die von Russland und China geführte Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit beantragt.

 

 

 

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Leser-Kommentare (25) zu diesem Artikel

11.03.2015 | 08:50

Alex

Sehr gut! !!!!!!


08.12.2014 | 17:11

Denkt mal nach

Ein Märchen !vor langer Zeit gab es einen nicht zu alten Mann,der sagte: Das deutsche volk hat es nicht verdient weiter zu existieren. Es scheint so, das dieser nicht allzu alte Mann recht behalten soll! Übrigens sind es nicht die Amerikaner welche auf der Welt den unfrieden schüren. Es sind diesjenigen welche in Amerika wohnen und dessen ersten Bürger dieses Volkes wir am 24.12. jährlch seinen Geburtstag "feiern". Allerdings und dies seit Jahren ohne mich und so wird...

Ein Märchen !
vor langer Zeit gab es einen nicht zu alten Mann,der sagte: Das deutsche volk hat es nicht verdient weiter zu existieren. Es scheint so, das dieser nicht allzu alte Mann recht behalten soll! Übrigens sind es nicht die Amerikaner welche auf der Welt den unfrieden schüren. Es sind diesjenigen welche in Amerika wohnen und dessen ersten Bürger dieses Volkes wir am 24.12. jährlch seinen Geburtstag "feiern". Allerdings und dies seit Jahren ohne mich und so wird es bleiben. Denkt mal nach Deutsche Michels!


05.12.2014 | 12:35

Juliane Florin

Der EU die Werte ab zu drehen ist schon immer das Streben des großen Bruders gewesen. Dagegen kommen wir alle leider nicht an. Das die hier von uns zu entrichtenden GEZ Gebühren zum wieder Aufbau der Ukraine verwendet werden, können wir auch nicht ändern. Hauptsache ist die Deutschen werden ihren Rechten als Mensch enthoben, bezahlen kräftig, lassen sich verseuchen mit was auch immer und sind die Marionetten der USA. Rußland macht das was es machen muss um weiter existieren zu...

Der EU die Werte ab zu drehen ist schon immer das Streben des großen Bruders gewesen. Dagegen kommen wir alle leider nicht an. Das die hier von uns zu entrichtenden GEZ Gebühren zum wieder Aufbau der Ukraine verwendet werden, können wir auch nicht ändern. Hauptsache ist die Deutschen werden ihren Rechten als Mensch enthoben, bezahlen kräftig, lassen sich verseuchen mit was auch immer und sind die Marionetten der USA. Rußland macht das was es machen muss um weiter existieren zu können. Die Kriegsmaschinerie wird wie schon in der Vergangenheit ob offiziell oder im Untergrund von den Staaten dirigiert und jeder Regierende legt noch eins oben auf. Jedoch sollte man sich nicht in den Russen irren die haben wenigstens noch ein Nationalbewusstsein was uns in unserer Einfältigkeit schon lange fehlt. Das deutsche Volk hat das Recht auf Einheit und stärke verwirkt darum auch nach 25 Jahren angeblicher Einheit immer noch viel Zwiespalt zwischen OST und WEST. Die wahren Kriegsverbrecher dürfen ungehindert weiter machen. Ich kann nur hoffen das die Deutschen bald aufwachen. Juliane Florin


05.12.2014 | 06:58

Vorschlag an Frau Merkel

Hier ist ein Vorschlag an Frau Merkel für die diesjährige Neujahrsansprache, die ihre Sympathiewerte bei den Kritikern enorm steigern könnte. Versuchen Sie es doch mal mit folgendem Text: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ich habe in den letzten Jahren versucht, die wirtschaftliche Stärke Deutschlands durch intensivierte Kontakte zu Russland und China zu steigern und zu sichern. Das kam in Washington leider gar nicht gut an, und mir wurde nahe gelegt, mich nicht zu sehr...

Hier ist ein Vorschlag an Frau Merkel für die diesjährige Neujahrsansprache, die ihre Sympathiewerte bei den Kritikern enorm steigern könnte. Versuchen Sie es doch mal mit folgendem Text: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ich habe in den letzten Jahren versucht, die wirtschaftliche Stärke Deutschlands durch intensivierte Kontakte zu Russland und China zu steigern und zu sichern. Das kam in Washington leider gar nicht gut an, und mir wurde nahe gelegt, mich nicht zu sehr gen Osten zu orientieren. Die USA wollen kein wiedererstarktes Russland und fürchten sich enorm vor den Chinesen. Leider sind mir die Hände gebunden, was Weisungen aus Washington anbetrifft. Deutschland ist kein souveränes Land, sondern immernoch Besatzungsgebiet der Alliierten. Und ich habe keine Lust, mich mit Washington anzulegen, denn dann bin ich bald weg vom Fenster. Dennoch glaube ich an eine wirtschaftliche Zukunft im Osten und werde mit Moskau und Peking nicht ganz brechen. Die wissen ja, dass ich nicht anders kann, als ich jetzt handeln muss. So bitte ich Sie, meine politische Strategie noch etwas zu erdulden. Bis letztlich andere Zeiten anbrechen. Vielen Dank und ein schönes 2015."


05.12.2014 | 06:44

No. Harms

Sind Sie wahnsinnig? Sie sind Handwerksmeister und wollen einen Nagel in die Wand schlagen? Das dritte EuGH-Urteil zu Artikel 247 Absatz 4 Satz 3 2. Halbsatz EU-Wandbohr-Richtlinie steht doch noch aus, auch wenn das abschließende StäV-Protokoll die bisherigen Verhandlungen unterstützt. Außerdem riskieren Sie Entzug der Zulassung und sogar Haft, wenn Sie das Binnen-I in Ihrer Rechnung nicht anwenden.


05.12.2014 | 01:54

abraham silberschmied

Ich glaube der US-Propaganda ist leicht entgegenzutreten: Deutschland besteht aus Nazis, Juden und Judenkotaus. Trifft sich ein Nazi im Magen eins Juden. Wundert sich über den Antifaschisten, der sich ebenso im Magen des Juden tummel. Fragt der Antifa: woher kommst Du? Nazi: Mich hat der US-Jude gefressen. Und du? Antifa: Kam vom anderen Eingang herein. Quintessenz: Der Juden-Kotau Antifa und der Nazi haben eines gemeinsam: Als Nicht-Juden im Magen des Juden haben Sie Ihre...

Ich glaube der US-Propaganda ist leicht entgegenzutreten: Deutschland besteht aus Nazis, Juden und Judenkotaus. Trifft sich ein Nazi im Magen eins Juden. Wundert sich über den Antifaschisten, der sich ebenso im Magen des Juden tummel. Fragt der Antifa: woher kommst Du? Nazi: Mich hat der US-Jude gefressen. Und du? Antifa: Kam vom anderen Eingang herein. Quintessenz: Der Juden-Kotau Antifa und der Nazi haben eines gemeinsam: Als Nicht-Juden im Magen des Juden haben Sie Ihre eigene Entscheidungsfreiheit verloren. "Proletarier" vereingt Euch.

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