Donnerstag, 8. Dezember 2016
07.05.2014
 
 

Ukraine: Heckenschützen des Prawyj Sektor insgeheim von Polen ausgebildet

F. William Engdahl

Nach Berichten gut informierter Quellen aus Polen hat die polnische Regierung bereits vor Beginn der Demonstrationen auf dem Maidan-Platz in Kiew insgeheim eine große Gruppe von Mitgliedern des Prawyj Sektor [Rechter Sektor] in Heckenschützentechnik und Guerillataktik ausgebildet. Die wurden dann im Februar dieses Jahres angewendet, um die demokratisch gewählte Regierung von Wiktor Janukowytsch zu stürzen. Wenn diese Berichte zutreffen, würde es die Vermutung nahelegen, dass Washington über seinen engen Verbündeten Polen und dessen proamerikanischen Außenminister Radek Sikorski bewusst die Entwicklung geplant hat, die dann zu einem Putsch wurde, der die Welt an den Rand eines neuen Weltkriegs geführt hat.

Wie zuverlässige Quellen in Polen berichten, lud Polens Außenminister Radosław Sikorski im September 2013 86 Mitglieder des ukrainischen Rechten Sektors (Prawyj Sektor) ein, angeblich im Rahmen eines universitären Austauschprogramms. Allerdings waren die Gäste keine Studenten, viele von ihnen waren bereits über 40.

 

Es war Teil einer geheimen NATO-Trainingsoperation, die im NATO-Mitgliedsland Polen an der Grenze zur Ukraine durchgeführt wurde. Entgegen dem offiziellen Programm reiste die Gruppe nicht zur Technischen Universität in Warschau, sondern wurde in ein besonderes Polizei-Ausbildungszentrum in Legionowo, eine Stunde von Warschau entfernt, geschickt.

 

Dort erhielt sie ein vierwöchiges Intensivtraining in Massenmanagement, Personenerkennung, Kampftaktiken, Kommandofähigkeiten, Verhalten in Krisensituationen, Schutz vor von der Polizei eingesetztem Gas, Barrikadenbau und besonders Schießen, einschließlich der Handhabung von Scharfschützengewehren.

 

Das Training fand volle zwei Monate vor Beginn der Massenproteste gegen die Regierung Janukowytsch statt, die sich in letzter Minute geweigert hatte, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, und stattdessen auf engere Wirtschaftsbeziehungen mit der russischen eurasischen Union setzte. Die Vorwürfe, die erstmals von dem französischen Strategie-Kommentator Thierry Meyssan veröffentlicht wurden, sind inzwischen durch ein Dokument der Dienststelle des polnischen Generalstaatsanwalts de facto bestätigt worden.

 

Dass das Training stattfand, wird auch durch veröffentlichte polnische Pressefotos von ukrainischen Anhängern des Prawyj Sektor in Nazi-Uniform und ihren polnischen Ausbildern in Zivil bestätigt. Der Prayj Sektor präsentiert stolz verschiedene Nazi- oder naziähnliche Symbole, um sich das Bild von »Schlechtheit« zu geben. Fast einen Monat nach dem Beginn der Demonstrationen gegen die Regierung am 21. November erklärte sich das polnische Parlament (Sejm) Anfang Dezember 2013 »vollkommen solidarisch mit ukrainischen Bürgern, die der Welt entschlossen ihren Wunsch nach voller EU-Mitgliedschaft ihres Landes demonstrieren«.

 

Sikorskis Verrat

 

Laut diesen Berichten war die Schlüsselfigur, die das Training der ukrainischen Neonazis organisierte – die im November zur offiziellen »Sicherheitstruppe« für die gewalttätigen Demonstranten auf dem Maidan-Platz wurden –, Polens Außenminister und früherer Verteidigungsminister Radek Sikorski. Sikorski wird als Nachfolger der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton gehandelt, deren Amtszeit in diesem Jahr endet.

 

Derselbe Sikorski spielte am 20. und 21. Februar den besorgten Friedensvermittler, als er gemeinsam mit den Außenministern Deutschlands und Frankreichs, Steinmeier und Fabius, in letzter Minute einen Kompromiss zu erreichen versuchte, der zunächst auch tatsächlich die eskalierende Gewalt zu beenden schien. Die einzige Partei, die zu dieser diplomatischen Runde NICHT eingeladen wurde, war Washington. Nicht einmal zwölf Stunden später – inmitten von Schüssen von Polizei und Demonstranten, die später auf das Gebäude eines von Paramilitärs des Rechten Sektors kontrollierten Gebäudes zurückverfolgt wurden – floh Janukowytsch und die erreichte diplomatische Vereinbarung wurde in der allgemeinen Panik hinfällig.

 

Der Prawyj Sektor und seine Unterstützer hatten einen gewalttätigen Putsch vollbracht. Die Tatsachen dieser folgenschweren Entwicklung wurden von den Mainstreammedien der NATO-Länder systematisch blockiert.

 

Angesichts der alarmierenden polnischen Enthüllungen über Sikorskis Rolle bei dem frühen Training der Neonazis des Prawyj Sektor drängt sich der Verdacht auf, dass seine Rolle bei den Friedensgesprächen im Februar alles andere als die eines ehrlichen Maklers war. Vielmehr wollten er und seine Unterstützer in Washington es offenbar so aussehen lassen, als täten Sikorski und die polnische Regierung alles in ihrer Macht Stehende, um eine gewalttätige Eskalation in der Ukraine zu verhindern. Jetzt, Anfang Mai, werden Kämpfer des Rechten Sektors mit Regierungshubschraubern in die Ostukraine gebracht, wo sie Berichten zufolge für die Tötung Dutzender von Zivilisten verantwortlich sind.

 

Sikorskis verräterische Rolle in der Ukraine-Krise wurde am 16. April bestätigt, als der polnische Außenminister offen den Einsatz militärischer Gewalt durch das ukrainische Militär unterstützte, an dem auch Kontingente von Prawyj-Sektor-Kommandos beteiligt waren. Am 26. April gab ein Mitglied des Prawyj Sektor in Kiew zu: »Das unmittelbare Ziel ist es, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu stoppen. Wir versammeln Leute, die in die Ostukraine gehen, um die Provokateure zu neutralisieren.« Damit wird ein echter politischer Molotowcocktail geschaffen, von dem sich die NATO erhofft, dass Putin den Fehler macht, aktiv einzugreifen. Das hat er bisher sorgfältig vermieden, da es der NATO den Vorwand liefern würde, eine allgemeine Alarmbereitschaft zu verkünden, bevor ein Krieg erklärt wird.

 

Sikorski ist für die Washingtoner Kriegsfalken und Neokonservativen kein Unbekannter. Von 2002 bis 2005 war er »Resident Fellow« des American Enterprise Institute in Washington, einer führenden neokonservativen Denkfabrik, der unter anderem der Irakkrieg-Architekt Dick Cheney und Richard Perle angehören. Sikorski war auch Direktor der New Atlantic Initiative, einer weiteren Nichtregierungsorganisation (NGO) aus Washington, die nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts gegründet wurde und eine Schlüsselrolle als Lobbyist spielte, um die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas in die EU und die NATO zu bringen. Sikorskis Ehefrau, die Washington-Post-Kolumnistin Anne Appelbaum, war ebenfalls Mitglied des rechtsgerichteten neokonservativen American Enterprise Institute; heute schreibt sie wütende Artikel in der Washington Post, in denen sie Putin und Russland wegen der Annexion der Krim verurteilt.

 

Außerdem spielte Sikorski eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme Polens in die NATO und der Unterstützung für den US-Raketenabwehrschirm in Polen.

 

In der Regierungszeit Julija Tymoschenkos von 2007 bis 2010 war der heutige, nach dem Putsch ernannte Übergangspräsident der Ukraine, Olexandr Turtschynow, der das militärische Vorgehen gegen prorussische Demonstranten in der Ostukraine anordnete, Geheimdienstchef und stellvertretender Ministerpräsident. Damals stand er in Verbindung mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und dem damaligen Verteidigungsminister Radosław Sikorski.

 

Kurz: Polen, das im 18. Jahrhundert einen großen Teil der westlichen Ukraine als Teil des polnisch-litauischen Großstaats unterwarf, spielt eindeutig eine Schlüsselrolle bei der Schaffung des derzeitigen explosiven Konflikts zwischen Russland und der NATO, und zwar im Auftrag der Neokonservativen der Obama-Regierung in US-Außenministerium und Pentagon. Obama agiert wie in Trance, überwältigt vom Tempo der Ereignisse, deren Kontrolle ihm längst entglitten ist. Das ist – vorsichtig gesagt – gefährlich.

 

 

 

 


 

 

 

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