Saturday, 30. July 2016
25.09.2009
 
 

Geheime Dokumente beweisen: Großbritannien an libyschem Öl interessiert

F. William Engdahl

Vor Kurzem wurde der verurteilte libysche Lockerbie-Bomber, Abdelbaset al-Megrahi, aus einem britischen Gefängnis in Schottland entlassen. In Libyen wurde er wie ein Held empfangen. Die Freilassung hat allerdings eher mit der Öl-Diplomatie der britischen Regierung zu tun als mit Gnade oder Recht. Überall finden sich Spuren der schmierigen Hände von »Shell« und »British Petroleum«; der »Preis« sind die riesigen unerschlossenen libyschen Ölreserven.

Wie die britische Zeitung Sunday Observer berichtet, liegen der Redaktion Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass sich britische Minister und hohe Staatsbeamte mit Vertretern des britisch-niederländischen Ölriesen Shell zu Gesprächen über die Entwicklung der libyschen Öl- und Gasvorkommen, an denen Shell interessiert ist, getroffen haben. In den vergangenen vier Jahren soll es bis zu 26 solcher Treffen gegeben haben. Aus dem Bericht geht weiter hervor, dass Außenminister David Miliband und der ehemalige Vorsitzende der Labour-Partei Lord Kinnock an den Treffen mit Shell teilgenommen haben, bei denen es um die Geschäfte des Unternehmens in Libyen und Ägypten ging.

Die Veröffentlichung hat einen Proteststurm gegen die Regierung von Premierminister Gordon Brown von der Labour Party ausgelöst, auch Präsident Obama meldete sich zu Wort. Brown hat versichert, er habe mit der Veröffentlichung nichts zu tun, doch nach Aussage von Regierungskritikern zeigen die Informationen, die eine Nicht-Regierungs-Organisation erhalten hatte, dass die britische Regierung Shell nachdrücklich und schon lange in dem Bemühen unterstützt hätte, mit Libyen ins Geschäft zu kommen.

Shell gehörte zu den ersten westlichen Ölgesellschaften, die nach Libyen – einem der potenziell größten Öllieferanten der Welt – zurückgekehrt sind, nachdem die Vereinten Nationen 2004 infolge einer Einigung mit dem libyschen Staatsführer Muammar Gaddafi die Sanktionen aufgehoben hatten.

Am 25. März 2004 hat Shell eine Vereinbarung über eine »langfristige strategische Partnerschaft« zwischen der Ölgesellschaft und der staatlichen libyschen Energie-Gruppe getroffen. Das Abkommen wurde bei einem Besuch des damaligen Premierministers Tony Blair unterzeichnet.

Von Shell gab es dazu »keinen Kommentar«. Eine Regierungssprecherin dementierte, dass britische Ölinteressen bei der Freilassung des Lockerbie-Bombers eine Rolle gespielt hätten.

In dem winzigen libyschen Fischerdorf Marsa El-Brega an der Mittelmeerküste soll mithilfe von Shell eines der größten Energieterminals der Welt gebaut werden, von wo aus riesige Mengen Gas nach Großbritannien exportiert werden können; damit kann die Liefermenge von Flüssig-Erdgas (LNG) von 500.000 Tonnen jährlich auf 3,2 Millionen pro Jahr gesteigert werden. Shell hat bereits das erste von einem Dutzend geplanter Bohrlöcher angelegt.

 

Im Dezember 1988 stürzte ein amerikanisches Flugzeug über Lockerbie ab; Libyen wurde für den Anschlag verantwortlich gemacht.

 

Wenn Obama laut gegen die Freilassung des Gefangenen protestierte, dann hat das wohl mehr mit angloamerikanischer Öl-Rivalität zu tun als mit Rechtsfragen. Die Vereinbarung mit Shell hat dem Vernehmen nach die großen amerikanischen Ölkonzerne in Aufruhr versetzt, denen Kontakte mit Libyen von der Regierung untersagt sind. Besonders empört zeigt sich ExxonMobil, weil dieses Unternehmen in den 1970er-Jahren die LNG-Anlage in Marsa El-Brega betrieben hat.

Die britischen Ölinteressen haben in Libyen noch einen weiteren »Preis« errungen, nämlich die Rechte für Erkundung und Erschließung für BP. Dieser Öl-Deal wurde im Mai 2007 am Rande eines zweiten Besuchs von Blair unterzeichnet. Über 900 Millionen Dollar sollten ursprünglich in Libyen für Onshore- und Offshore-Bohrungen auf einem Gebiet, das größer ist als Kuwait, investiert werden, doch die Gesamtausgaben könnten in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 20 Milliarden Dollar steigen. Zurzeit ist es das größte Erschließungsprojekt der BP. Tony Blair unterhielt während seiner Amtszeit als Premierminister so enge Beziehungen zu dem Chef der BP, dass die Engländer das Unternehmen schon spöttisch »Blair Petroleum« nannten. Dem Vernehmen nach hat auch BP 2003 Blair dazu geraten, bei Bushs Irak-Invasion mitzumischen, um die riesigen Ölkonzessionen für BP zu sichern.

Aber nicht nur die USA wollen den Zugang nach Libyen, sondern auch China, Russland und andere Länder, deren staatliche Ölgesellschaften auf der Suche nach neuen Quellen sind. Dass die Nordsee-Reserven langsam zur Neige gehen, war Berichten zufolge ein wichtiger Beweggrund für die Freilassung des Gefangenen durch die Regierung. Marsa El-Brega würde nämlich Brennstoff für britische Kraftwerke liefern und damit verhindern, dass Großbritannien von Gaslieferungen aus Ländern wie Russland abhängig wird.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

20 Jahre nach Lockerbie – CIA-Aktion als Terror getarnt

Andreas von Rétyi

Am 21. Dezember 1988 explodiert »PanAm«-Flug 103 über der schottischen Ortschaft Lockerbie. Angeblich ein Terroranschlag. Die Welt ist entsetzt: Eine als Kofferradio getarnte Bombe zerfetzt den Jumbo-Jet und reißt insgesamt 270 Menschen in den Tod. An Bord aber befand sich eine Gruppe von CIA-Operateuren, die hochbrisantes Material über die  mehr …

Vom Lockerbie-Betrug zum 11. September

Viktor Farkas

Dass »offizielle Lesarten« zu Attentaten (sowie die daraus resultierenden Folgemaßnahmen) eisern aufrecht erhalten werden, auch wenn sie mehr als wackelig sind, beweisen nicht erst die seit dem 11. September 2001 jährlichen, ausschließlich der offiziellen Version huldigenden Ge- und Bedenkdokumentationen.  mehr …

Neu entdeckte Öl- und Gasvorkommen machen Südamerika zum Faktor in der Geopolitik

F. William Engdahl

In einem Bericht des Handelsmagazins der internationalen Ölindustrie »Oil and Gas Journal« wird bestätigt, dass in Argentinien ein großes neues Erdgasfeld identifiziert worden ist. Somit zählt jetzt auch Argentinien zu den Ländern, in denen in den vergangenen Monaten große neue Öl- und Gasvorkommen entdeckt wurden. Denn bereits vor mehr als einem  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Expertenkommission gibt zu: »Stress-Test« für die Banken ist völlig wertlos

F. William Engdahl

In der Öffentlichkeit wird immer wieder behauptet, die seit Anfang Mai zu verzeichnende scheinbare Erholung an der US-Börse, eine sogenannte »suckers‘ rally«, sei vornehmlich auf den von der Obama-Regierung angeordneten »Stress-Test für die Banken« zurückzuführen. Dabei waren 19 der größten US-Banken einer Überprüfung unterzogen worden, angeblich  mehr …

20 Jahre nach Lockerbie – CIA-Aktion als Terror getarnt

Andreas von Rétyi

Am 21. Dezember 1988 explodiert »PanAm«-Flug 103 über der schottischen Ortschaft Lockerbie. Angeblich ein Terroranschlag. Die Welt ist entsetzt: Eine als Kofferradio getarnte Bombe zerfetzt den Jumbo-Jet und reißt insgesamt 270 Menschen in den Tod. An Bord aber befand sich eine Gruppe von CIA-Operateuren, die hochbrisantes Material über die  mehr …

Vom Lockerbie-Betrug zum 11. September

Viktor Farkas

Dass »offizielle Lesarten« zu Attentaten (sowie die daraus resultierenden Folgemaßnahmen) eisern aufrecht erhalten werden, auch wenn sie mehr als wackelig sind, beweisen nicht erst die seit dem 11. September 2001 jährlichen, ausschließlich der offiziellen Version huldigenden Ge- und Bedenkdokumentationen.  mehr …

Sarkozy nutzt die Schweinegrippe-Hysterie, um in Frankreich Bürgerrechte außer Kraft zu setzen

F. William Engdahl

Unter dem Vorwand einer Gesundheitsgefährdung durch den Ausbruch einer sogenannten »Schweinegrippe« will die französische Regierung unter Präsident Sarkozy Maßnahmen erlassen, mit denen Bürgerrechte, die seit der Französischen Revolution gelten, praktisch außer Kraft gesetzt werden. Die Maßnahmen sind ein weiteres Anzeichen dafür, dass man auf  mehr …

Neu entdeckte Öl- und Gasvorkommen machen Südamerika zum Faktor in der Geopolitik

F. William Engdahl

In einem Bericht des Handelsmagazins der internationalen Ölindustrie »Oil and Gas Journal« wird bestätigt, dass in Argentinien ein großes neues Erdgasfeld identifiziert worden ist. Somit zählt jetzt auch Argentinien zu den Ländern, in denen in den vergangenen Monaten große neue Öl- und Gasvorkommen entdeckt wurden. Denn bereits vor mehr als einem  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.