Wednesday, 23. May 2012
05.02.2011
 

Heute breitet sich die Revolution in arabischen Staaten aus – morgen dann auch in Europa

Gerald Celente

Als die tunesische Regierung gestürzt wurde, beeilten sich die Massenmedien und ihre Experten, die von den Ereignissen aus heiterem Himmel überrascht wurden, das Offensichtliche zu behaupten: die Bürger anderer arabischer Nationen würden dadurch ermutigt, sich gegen ihre autokratischen und korrupten Regierungen zu wehren. Derzeit eskaliert in Ägypten ein Aufstand, und auch in Algerien, Jordanien, Marokko und im Jemen zeigen sich Anfänge revolutionärer Veränderungen. Die reichen und schärfer kontrollierten Monarchien des Nahen und Mittleren Ostens werden gegenüber den Forderungen ihrer Bürger nach Abschaffung der monarchischen Herrschaften nicht immun bleiben.

Aber wie ich schon im Trends Journal prognostiziert habe, sind nicht nur der Nahe und Mittlere Osten als Schauplatz gewaltsamer Aufstände vorgesehen. Die Entwicklungen in der arabischen Welt werden auf zahlreiche europäische Staaten übergreifen. Auch wenn der »Ruf zu den Waffen« in verschiedenen Sprachen erklingen wird, die tieferliegenden Gründe werden die gleichen sein.

Noch bevor die Ereignisse in Tunesien in die Schlagzeilen gerieten, veröffentlichten wir einen Trend Alert mit der Überschrift: »Ihre Köpfe sollen rollen!«, in dem wir »einen langen Krieg zwischen der Bevölkerung und den herrschenden Klassen« vorhersagten. Dort hieß es: »Jeder, der die Intensität des brodelnden Zorns der Menschen bezweifelt, ist entweder von gestern oder weigert sich, die Realität zur Kenntnis zu nehmen.«

Dabei war es nicht einmal die Wut der arabischen Welt, die uns zu dieser Vorhersage veranlasste – es waren die Proteste der Studenten und Arbeiter, die sich auf den Straßen Europas zeigte. Die Einführung drakonischer Sparmaßnahmen – höhere Steuern, Verlust von Vergünstigungen, Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst – hatten den Zorn junger und älterer Menschen gegen ein manipuliertes System entfacht, das die Privilegierten begünstigt und die unteren Schichten benachteiligt.

Obwohl Millionen Menschen in den Straßen Athens, Brüssels, Dublins, Lissabons und Madrids marschierten, zeigten sich die Regierungen nach Ende der Proteste wenig beeindruckt, und von Sturz war überhaupt keine Rede. Anders als bei den autokratischen arabischen Regimen, bei denen sich die harte Hand der Unterdrückung nur gewaltsam abschütteln lässt, entschärfen im »demokratischen« Westen die Illusion der Vertretung des Volkes und beschwichtigende Regierungsversprechen die Gewalt.

Sowohl Presse als auch Politiker gingen davon aus, die Proteste würden einfach abflauen, die Menschen würden sich in ihr Schicksal ergeben und schließlich, ob sie es wollen oder nicht, die Konsequenzen auf sich nehmen. Die Proteste hatten nicht den erhofften Erfolg. Unter- und Mittelschicht leiden weiterhin unter der wirtschaftlichen Last der Sparpolitik und der Arbeitslosigkeit. Als wir im Winter im Trends Journal 2011 schrieben: »Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor die Ereignisse für die Bevölkerung das Fass zum Überlaufen bringen und sich als Folge unkontrollierbare Aufstände, (unblutige und/oder militärische) Aktionen, Krawalle und Revolten sich über die gesamte finanziell angeschlagene Welt auszubreiten beginnen.«

Trend-Vorhersage: Die nicht beabsichtigten Folgen der Regimewechsel in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten sowie die Aufstände, die wir für Europa vorhergesagt haben, werden so dramatisch wie ihre gewollten Konsequenzen ausfallen: Es wird zum Sturz von Regierungen kommen. Die Forderungen von Präsidenten, Ministerpräsidenten, Kabinettsmitgliedern und außenpolitischen Experten nach einem »geordneten Machtübergang« sind als diplomatische Doppelzüngigkeit und leeres Gerede zu verstehen. So etwas wie eine saubere und einfache Revolution gibt es nicht.

Wie wir im Falle Ägyptens erleben werden, wird man Militärputsche als Regimewechsel ausgegeben. Die Öffentlichkeit wird schon darauf konditioniert, das ägyptische Militär als »geliebten Befreier« zu betrachten. Aber tatsächlich bilden es nur eine andere Fraktion der autokratischen Regierung, die genauso wenig mit demokratischen Idealen zu tun hat wie der Diktator, den es ersetzt … und der selbst den Rängen des Militärs entstammt.Die führenden Politiker und die Medien der Welt erkennen die Unruhen in Ägypten nicht als das, was sie sind: das Vorspiel zu einer ganzen Reihe von Bürgerkriegen, die in regionale Krieg münden werden, woraus sich dann der erste »Weltkrieg« des 21. Jahrhunderts entwickeln könnte.

 

Gerald Celente ist Leiter des 1980 gegründeten Trend Researche Institute und Herausgeber des vierteljährlichen Informationsdienstes The Trends Journal.

 

 


 

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