Monday, 29. August 2016
06.03.2014
 
 

Ukraine: Scharfschützen wurden von der Opposition eingesetzt

Gerhard Wisnewski

Es bleibt dabei: Der estnische Außenminister Paet berichtete der EUdSSR-Außenbeauftragten Catherine Ashton, dass die Kiewer Scharfschützen auf beide Seiten schossen – auf Demonstranten und Polizei. Ebenso äußerte er deshalb den Verdacht, die Scharfschützen könnten nicht von Janukowitsch, sondern von der Opposition beauftragt worden sein. Der kürzlich aufgetauchte Telefonmitschnitt spricht eine deutliche Sprache...

Kiew, 20. Februar 2014. Die Angst geht um auf dem Maidan. Scharfschützen feuern auf die Demonstranten. Manche schleppen sich verletzt weg, andere bleiben tot an Ort und Stelle liegen. »Lokale Medien berichten von mindestens 30 getöteten Demonstranten, ein Reuters-Fotograf zählte 21 Leichen in Zivilkleidung auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan und in dessen unmittelbarer Umgebung«, hieß es am 20. Februar 2014 in den Medien. Ja, nun – wie schon hier gesagt, braucht ein richtiges Revolutionsdrama nun mal Leichen. Ohne Leichen funktioniert die

ganze Dramaturgie nicht. Erst sie spitzen das Geschehen richtig zu und bringen die jeweilige Regierung zum Kippen. Ob nun in Nordafrika, dem Iran (»Neda«) oder in der Ukraine – immer folgen die Revolutionen demselben Drehbuch, ausgeheckt in irgendeinem perversen US-Think-Tank. Und immer ist es ja auch so, dass die betroffene Regierung Tote eigentlich überhaupt nicht brauchen kann. Wenn, dann brauchen sie der bezahlte und entfesselte Mob und seine Auftraggeber.

 

 

Bevor die Kanonen sprechen, sprechen erst mal die Telefonmitschnitte

 

Aber der Krieg wird nicht nur immer mehr zum Krieg der Straße, sondern auch immer mehr zum Krieg der Informationen. Bevor die Kanonen sprechen, sprechen erst mal die Telefonmitschnitte – und zwar für sich selbst. Gut, dass die Lauscherei nicht nur den kleinen Mann trifft, sondern auch die richtigen Großkopferten. Oder sollte ich sagen: die Großkotzigen? Egal, ob nun der türkische Ministerpräsident Erdoğan oder Obamas Europa-Beraterin Victoria Nuland – neuerdings werden Politiker immer wieder von ihren eigenen Telefonaten eingeholt.

 

Jüngstes »Opfer«: Die Außenbeauftragte der EUdSSR, Catherine Ashton, und ihr Telefongesprächspartner, der estnische Außenminister Urmas Paet.

 

 

In einem knapp zehnminütigen Gespräch berichtete Paet von seinen Erlebnissen bei einem Besuch in Kiew am 25. Februar 2014. Und er hatte wahrlich Interessantes zu erzählen. Denn siehe da: Die angeblichen Scharfschützen der Regierung schossen nicht nur auf Demonstranten, sondern auf beide Seiten – auf Protestler und Polizei. So erinnerte sich der estnische Außenminister an eine Unterhaltung mit einer Ärztin, die vor Ort Schusswaffenopfer behandelt hatte:

»Was sehr beunruhigend war, die erwähnte Olga Bogomolets sagte auch, dass alle Beweise zeigen, dass die Leute, die von Scharfschützen beider Seiten getötet wurden – unter den Polizisten und den Menschen von der Straße –, dass dieselben Scharfschützen Menschen von beiden Seiten töteten.«

 

Die von Paet befragte Ärztin Olga Bogomolets ist nicht irgendwer, sondern eine in der Ukraine bekannte Medizinerin und ein Medienstar, in etwa so wie früher in Deutschland Marianne Koch. Bogomolets ist Professorin an der Nationalen Medizinischen Bogomolets Universität, die nach ihrem Großvater benannt wurde. Bis Oktober 2005 war sie Leibärztin des damaligen Präsidenten Wiktor Juschtschenko. 2013 rief sie ihre Studenten auf, an den Maidan-Protesten teilzunehmen und stellte sich als Ärztin zur Verfügung. Auch sie selbst galt laut Medien als »Hoffnungsträgerin der Maidan-Aktivisten« und sollte in einer neuen Regierung »Vizepremierministerin für humanitäre Angelegenheiten« werden (Stuttgarter Zeitung, online, 27.2.2014).

 

Kein Interesse an Ermittlungen


»Sie zeigte mir anschließend auch einige Fotos und sagte dabei, dass sie als Ärztin beurteilen kann, dass es sich um dieselbe Handschrift handelt, dieselben Kugeln«, erzählte Paet am Telefon der EUdSSR-Funktionärin Ashton, und »es ist wirklich beunruhigend, dass nun die neue Koalition – dass sie nicht herausfinden will, was genau passiert ist. Deshalb verbreitet sich zunehmend die Einsicht, dass hinter den Scharfschützen nicht Janukowytsch stand, sondern jemand von der neuen Koalition«. Na so was: Die neue Koalition will gar nicht wissen, wer die Scharfschützen wirklich waren? Aber warum denn nicht? Gemeint sind damit die neuen Machthaber, nämlich die Parlamentariergruppe mit dem sinnigen Namen »Europäische Wahl«, getragen von 250 Abgeordneten im ukrainischen Parlament (450 Sitze). Der Koalition gehören laut der Wirtschaftsseite cash.ch »vor allem die bisherigen Oppositionsparteien Vaterland (Batkiwschtschyna) von Julija Tymoschenko, Udar (Schlag) von Vitali Klitschko und Swoboda (Freiheit) des Rechtspopulisten Oleh Tjahnybok an«.

 

Kugeln statt Fäuste?

 

Sieh an – schon wieder unser Vitali alias »Dr. Eisenfaust«! Fliegen bei dem nicht nur die Fäuste, sondern etwa auch Kugeln? Oder was meinte er in einer seiner E-Mails an den litauischen Präsidentenberater Laurynas Jonavicius: »Ich denke, wir haben den Weg für eine radikale Eskalation der Situation geebnet«? Wie wollte man den Weg »für eine radikale Eskalation« denn ebnen, und warum hatte man daran überhaupt ein Interesse? Wäre »eine radikale Eskalation« nicht gefährlich für die Menschen?

 

In derselben E-Mail stellte Klitschko auch die kryptische Frage: »Ist es nicht an der Zeit, mit entschiedeneren Maßnahmen fortzufahren?« Was ist mit »entschiedeneren Maßnahmen« gemeint, und warum kann Klitschko hier nicht konkreter werden? Am 20. Februar 2014 gibt es zahlreiche Tote in Kiew, und Klitschko äußert sich in den Medien, die Situation sei »außer Kontrolle«. War das etwa die direkte Folge der von ihm angemahnten »entschiedeneren Maßnahmen«?

 

Mit Scharfschützen an die Macht

 

Ob nun Schüsse oder nicht – fest scheint demnach zu stehen, dass sich Klitschko für eine gefährliche Eskalation der Lage stark machte. Eine Anfrage bei Klitschko hinsichtlich der Echtheit dieser Mails blieb bis jetzt unbeantwortet. Nützlich waren die Scharfschützen für die erwähnten politischen Kräfte in jedem Fall. Denn sie haben die neue Koalition schließlich erst an die Macht gebracht. Letztlich kann eine Regierung nur durch Leichen schnell gestürzt werden. Erst Tote wiegeln die Massen richtig auf und drängen die Herrschenden endgültig in die Defensive. Noch »besser« ist es, auf beide Seiten zu schießen, um damit Öl ins Feuer zu gießen.

 

Da jeder den anderen für verantwortlich hält, führt das zur totalen Eskalation. Wie Paet in dem Telefonat mit Ashton weiter ausführte, ist das Vertrauen der Bevölkerung in das neue Kabinett übrigens gleich null. Des weiteren gebe es Probleme mit der Gewährleistung der Sicherheit, mit der territorialen Integrität und um die Halbinsel Krim.

 

Willkommen in der neuen Demokratie

 

Nachts würden Parlamentsabgeordnete von »ungebetenen Gästen« bedroht, und Journalisten hätten mitbekommen, wie Bewaffnete einen Abgeordneten direkt vor dem Parlamentsgebäude geschlagen hätten. Willkommen in der neuen Demokratie. Nun ja – was soll sein –, wahrscheinlich ist das Telefonat einfach eine Propaganda-Fälschung der bösen Russen. Wohl kaum, denn der estnische Außenminister hat die Echtheit inzwischen bestätigt: »Estlands Außenminister Urmas Paet hat sich verärgert gezeigt über die Veröffentlichung seines Telefongesprächs mit EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton über die Lage in der Ukraine, teilte das estnische Außenamt am Mittwoch in Tallinn mit«, hieß es am gestrigen 5. März 2014 bei RIA NOVOSTI. »Paet habe die Echtheit der Aufzeichnung bestätigt und erklärt, dass das abgehörte Gespräch am Mittwoch ›nicht zufällig‹ im Internet veröffentlicht worden sei. Es handle sich um ein Telefonat vom 26. Februar, das nach Paets Kiew-Besuch stattgefunden habe.«

 

Jetzt ist nur die Frage: Wie schafft man es, ein Telefonat zu dementieren, das man selbst bestätigt hat und das jeder im Internet nachhören kann? Für unsere Europapolitiker kein Problem. Denn in Doppeldenk und Neusprech sind sie schließlich bestens geschult. »Wir weisen die Behauptung zurück, dass Paet dabei eine Beurteilung über die Verwicklung der Opposition in die Gewalt abgegeben hat«, heißt es in derselben Erklärung des estnischen Außenministeriums. Wie bitte? Also nochmal zurück zu Paets Äußerung in dem Telefonat. Wörtlich sagte er:

»It is really disturbing that now the new coalition – that they don't want to investigate what exactly happened. So that there is stronger and stronger understanding that behind snipers it was not Janukowytsch but it was somebody from the new coalition.«

»Es ist wirklich beunruhigend, dass nun die neue Koalition – dass sie nicht herausfinden will, was genau passiert ist. Deshalb verbreitet sich zunehmend die Einsicht, dass hinter den Scharfschützen nicht Janukowytsch stand, sondern jemand von der neuen Koalition.« Nun ja – eine Spitzfindigkeit.

 

Dazu kann man feststellen: Erstens hat sich Paet unbestreitbar selbst beunruhigt über die Ermittlungsfaulheit der neuen Koalition gezeigt (»Es ist wirklich beunruhigend...«). Zweitens hat er im nächsten Satz über ein Phänomen berichtet, nämlich die sich verbreitende Einsicht, »dass hinter den Scharfschützen nicht Janukowytsch stand«. Da er beides in einem Zusammenhang erwähnt, kann man durchaus davon ausgehen, dass ihm diese Einsicht plausibel erscheint. Mit anderen Worten ist sein angebliches Dementi gar keines: Das Telefonat ist und bleibt echt, und seine nachträgliche »Klarstellung« ist nur der verzweifelte Versuch, vor seinen EUdSSR-Komplizen das Gesicht zu wahren.



 

 


 

 

 

 

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