Donnerstag, 8. Dezember 2016
14.03.2016
 
 

Sachsen-Anhalt: Der historische Sieg der AfD entlarvt die politischen Gegner als Realitätsverweigerer

Heinz-Wilhelm Bertram

In Sachsen-Anhalt erzielte die AfD mit 24,2 Prozent ein historisches Rekordergebnis. Sie feiert dies teils frenetisch, teils gelassen. Die geschockten Politiker der etablierten Parteien und ihre medialen Steigbügelhalter entlarven sich indessen als realitätsferne »narzisstische Normopathen«.

 

Die Sprecherin vom Rundfunksender MDR Info wusste es bereits Sekunden nach 18 Uhr: »Die erste Prognose dürfte einschlagen wie eine Bombe: Die AfD kommt auf 23 Prozent.« Ihr sogleich zugeschalteter Kollege von der SPD-Wahlparty, Marcel Roth, schilderte den Schock, unter dem die großen Verlierer dieser denkwürdigen Landtagswahl allesamt standen: »Manche der Wahlkämpfer haben Tränen in den Augen.« Über das eigene Ergebnis, vor allem aber über das der AfD.

 

Dann wird der Jubel von der AfD-Wahlparty aus einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Magdeburg eingespielt. Er gleicht einem Torschrei in einem ausverkauften Bundesligastadion für den Sieg in letzter Minute.

 

Und das, obwohl viele Mitglieder noch in den Wahllokalen sind. »AfD, AfD!« donnert es im Stakkato über den Äther. Und: »Merkel muss weg, Merkel muss weg!« Kaum einer, der nicht ein Sektglas in der Hand hält. »Wir sind jetzt Volkspartei, das ist das vorherrschende Gefühl«, berichtet Andreas Franz im MDR-Fernsehen. MDR-Moderatorin Wiebke Binder: »Die etablierten Parteien sind in Sachsen-Anhalt abgestraft worden.« Und die Hörfunksprecherin im Funkhaus fasste das alles so zusammen: »Die AfD jubelt, die übrigen Parteien sind erschüttert.«

 

»Wir haben ganz viele Nichtwähler mobilisiert«

 

Kopfschütteln, Schnappatmung, Ringen nach Fassung. Bei 18 Prozent hatten die kühnsten Voraussagen für die AfD zuletzt gelegen. Am Ende waren es unglaubliche 24,2 Prozent. Errungen aus dem Stand. Der stellvertretende SPD-Chef Rüdiger Erben, dessen Partei bei auflösungsähnlichen 10,6 Prozent landete, wollte das alles noch nicht begreifen: »Wie konnte das passieren? Das ist ein gewaltiger Rechtsrutsch in unserem Land. Ein katastrophales Ergebnis.« Ähnlich der CDU-Vorsitzende Thomas Webel: »Ich mache mir Sorgen, dass die AfD in Sachsen-Anhalt derart stark ist.«

 

Für AfD-Chef André Poggenburg kam das Resultat nicht einmal überraschend. Er hatte die »20 plus« schon seit Längerem auf der Rechnung. Dies hätten ihm unzählige Gespräche mit Bürgern signalisiert. Dennoch konnte er seine Genugtuung nicht verbergen: »Die AfD hat ein Ergebnis erzielt, mit dem wir Rekorde gebrochen und Geschichte geschrieben haben.« 24,2 Prozent habe noch nie eine Partei aus dem Stand geschafft. »Wir freuen uns sehr, dass die Wähler ihren Protest von der Straße in die Wahllokale getragen haben. Wir haben etwas ganz Wichtiges erreicht: Wir haben ganz viele Nichtwähler dazu bewegt, endlich an der Wahl teilzunehmen. Das ist wahrhaftige Demokratie. Eine Sache, die die etablierten Parteien nicht geschafft haben.«

 

Tatsächlich waren unter den 300 000 AfD-Wählern in Sachsen-Anhalt 104 000 Nichtwähler, was beinahe 40 Prozent entspricht! 38 000 hatten von der CDU, 29 000 von der Linken und 21 000 von der SPD den Weg zur AfD gefunden. 52 000 kamen von den »Sonstigen«. Jede dritte Stimme gewann die AfD aus dem linken Lager – so ein braunes Monster, wie von ihren Gegnern immer beschimpft, kann die AfD also gar nicht sein.

 

»Die wichtigen Dinge werden schon lange nicht mehr angesprochen«

 

Es fiel auf, dass Spitzenkandidat Poggenburg auch bei Durchgabe ständig kletternder Zwischenstände um keinen Deut lauter wurde und stets die Contenance wahrte. »Unser Ziel war es, als starke Opposition in den Landtag einzuziehen. Daran wird sich nichts ändern. Die wirklich wichtigen Dinge in diesem Land werden schon lange nicht mehr angesprochen, nicht nur bei uns, sondern in ganz Deutschland nicht. Es gibt zurzeit gar keine wirklichen Oppositionsparteien mehr. Das wollen wir mit echter Oppositionsarbeit ändern.«

 

Niemand müsste sich, wie von den anderen Parteien immer wieder populistisch verbreitet, Sorgen über die AfD machen. Bis auf die etablierten Parteien und die Politiker, die ihre Posten verlieren, brauche niemand Angst vor der AfD zu haben. Er betonte, konstruktive parlamentarische Arbeit leisten zu wollen: »Wir sprechen mit jedem und wir unterstützen künftig jeden Antrag jeder Partei, wenn wir der Meinung sind, dass das unserem Land gut tut.«

 

Wie aber reagierten die anderen Parteien auf den Erfolg der sachsen-anhaltinischen AfD, von der allgemeinen Schockstarre abgesehen?

 

Es gab verschiedene Ausprägungen von Frustration.

 

Unfähig, die wirkliche Wirklichkeit zu erblicken


Katrin Budde, Spitzenkandidatin der vor einem Scherbenhaufen kauernden SPD, spielte beleidigte Leberwurst: »Die AfD hat auf dem Rücken der Flüchtlinge Wahlkampf gemacht. Das würden wir nie tun.« Nein, selbstverständlich nicht. Viel lieber macht die Lehrerpartei SPD auf dem Rücken der kleinen Leute Wahlkampf und Politik, die dem großen Bevölkerungsaustausch zuzustimmen und ihn auch noch zu finanzieren haben.

 

Dem sächsischen Grünen-Politiker Jürgen Kasek fiel in seiner Ohnmacht nichts anderes ein, als die AfD mit üblichem Nazi-Vokabular zu bekübeln: Sie sei eine Partei, die »Hass und Hetze bietet«. Die Grünen bieten da, wie wir wissen, natürlich viel mehr: Dildos und Peitschen für kleine Schulkinder, Professorenstellen für Gender-Zombies, Zwangsbeglückung mit Verhaltensbefehlen für das Volk.

 

Der Spitzenkandidat für die Linke, Wulf Gallert, weinte sich regelrecht aus in seinem Weltschmerz: »Für die AfD sind die Flüchtlinge schuld.« Kein Wort von eklatantem Verfassungsbruch, kein Wort dazu, dass solch ein Wahlergebnis dabei herauskommt, wenn man dem Hausvolk ein fremdes vor die Nase setzt – und das Hausvolk das alles auch noch zu bezahlen hat. Absichtsvoll weggelassenes Differenzieren und Analysieren war schon immer eine herausragende Spezialität der Linken.

 

Das alles entlarvt eine Realitätsverweigerung der sogenannten Funktionselite, die neben dem historischen Wahlergebnis noch ein weiteres historisches Ergebnis generierte, nämlich das der kollektiven Unfähigkeit, die wirkliche Wirklichkeit von der unwirklichen – der selbstgebastelten, selbst erdachten – zu unterscheiden. Dies wird geradezu greifbar deutlich, schaut man sich erst einmal die Bewertungen von »Politologen« und »Publizisten« an.

 

Ein Beerdigungsanzug, passend zur Beisetzung des Verstandes


Ein solcher »Publizist« räkelte sich am Abend furchtbar selbstverliebt in der Phönix-Runde. Er hieß Sergej Lochthofen. Das einzige, was bei diesem begnadeten Hoheitsneurotiker stimmte, war sein tiefschwarzer Beerdigungsanzug mit Krawatte in Trauerstreifen.

 

Sonst stimmte gar nichts. Denn der Mann – geboren in der Sowjetunion, Volontariat beim SED-Organ Das Volk (Erfurt), Studium der Journalistik am SED-Abrichtungsplatz namens Leipziger Karl-Marx-Universität – trug hörbar seinen Restverstand zu Grabe: Die AfD sei »Schlusslicht in Deutschland und wird es auch nach dieser Wahl bleiben«.

 

Die Wähler glaubten »im Ernst«, die zukünftigen 24 AfD-Landtagsabgeordneten würden irgendetwas verändern können. Dass die AfD im Schulterschluss mit PEGIDA die Debatte der großen Invasion der Gesellschaft überhaupt erst aufgezwungen hat, dass sie in Sachsen-Anhalt mit Nachdruck und Erfolg Abschiebeverfahren in Gang gesetzt hat, ist dem neunmalklugen Schwafler verborgen geblieben. Vermutlich hat er da gerade Schönheitsschlaf gehalten.

 

Es sprach auch ein gewisser Herr Professor Wolfgang Renzsch, den man im MDR-Fernsehen als »Politikwissenschaftler« von der Uni Magdeburg vorstellte. Der Mann brachte allen Ernstes über die Lippen, AfD-Leute würden »als faul beschrieben« (er vermied es zu sagen, sie »sind faul«) und er sei sicher, sie würden im Landtag mangels Arbeitsauffassung und -fähigkeit krachend scheitern.

 

Die Politiker leiden unter »normopathischer Störung«


Als einer dieser kürzlich beschriebenen politisierenden Romanciers mit Dichterehrgeiz, von denen es heute nur so wimmelt, erwies sich der »Politologe« Everhard Holtmann (Halle/Saale), der in den AfD-Politikern »Problembewunderer« entdeckt haben will. Ob sie nun mehr die »Flüchtlinge« oder die Flüchtlingskriminellen bewundern, ließ der Herr Holtmann offen.

 

Solche grotesken Bestandsaufnahmen veranschaulichen nur, dass sich die politische Klasse und ihre medialen Steigbügelhalter unendlich weit von der Masse produktiv arbeitender und sich mühselig nährender Menschen entfernt haben.

 

Der Psychologe Hans-Joachim Maaz beschrieb die Unfähigkeit der Funktionseliten, gesellschaftliche Phänomene einschätzen und einordnen zu können, kürzlich im Cicero so: »Das Falsche, der Irrtum, wird nicht mehr erkannt, weil die Mehrheit einer Meinung ist und danach handelt.«

 

Maaz nennt diese Falscheinschätzer »Normopathen« bzw. einer »narzisstischen Normopathie« anhängend. Nach Meinung der »Normopathen« würden ihre Kritiker einem falschen Bewusstsein oder einer verkommenen Moral aufsitzen. Diese normopathische Störung führe zu einer Blockade in die Einsicht und Umsetzung fälliger Veränderungen.

 

Man blockiert gerne! Auf Kosten derer, die als »faul« beschrieben werden, lässt es sich schließlich bestens leben.




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