Britische Lehrerverbände warnen nun, die Statistik aus dem Erziehungsministerium mache deutlich, dass man nicht länger die Augen verschließen könne. Wenn es kein Eingreifen der Regierung gebe, werde die Lage bald schon außer Kontrolle geraten; Lehrpläne könnten nicht mehr erfüllt werden. Der britische Bildungsstandard sinke beständig, weil immer mehr Lehrer sich mit den Schülern kaum noch unterhalten könnten. Philip Parkin, der Generalsekretär des britischen Lehrerverbandes, sagt der Zeitung Daily Mail dazu:
“Die Zahl der Kinder, die Englisch nicht als Muttersprache sprechen, ist in den letzten paar Jahren explodiert.�?
Er hob hervor, eine Konsequenz dieser Entwicklung sei es, dass die meiste Unterrichtszeit den nicht-englischsprachigen Schülern gewidmet werden müsse, weil diese Kinder eine besondere Betreuung bräuchten.
Das treibt auch die Kosten in die Höhe: Die Ausbildung von nicht-englischsprachigen Schülern kostet den britischen Staat etwa 30.000 Pfund pro Jahr. Im Vergleich dazu betragen die Kosten für einen englischsprachigen Grundschüler etwa 4.000 britische Pfund.
Die Lehrer fordern personelle Unterstützung durch zwei- oder mehrsprachige Lehrer oder Lehrassistenten. Die meisten der Schüler, die kaum die englische Sprache beherrschen, sind Kinder aus muslimischen Zuwandererfamilien.
Unterdessen berichtet in Deutschland zeitgleich der Lehrer Wolfgang Schenk über ähnliche Erfahrungen im deutschen Schulsystem. 35 Jahre lang war er Hauptschullehrer in Berlin. In dieser Zeit ist aus dem linken Idealisten ein erbitterter Kritiker der Schulpolitik geworden. In der Berliner Zeitung TAZ berichtet er nun über seine Erfahrungen.
Er sagt: "Auch die ethnische Herkunft spielt eine entscheidende Rolle. Türkischstämmige Einwanderer stellen einen großen Teil der Unterschicht. Die erste Generation der türkischen Kinder war lernwillig, sie wollte gut sein. Die Eltern kamen noch zu jedem Elternabend, auch wenn sie kaum Deutsch sprachen, ihr Kind sollte etwas werden in Deutschland. Dann machten sich an den Hauptschulen schnell die Fehler der deutschen Einwanderungspolitik bemerkbar. Nach Berlin kamen viele bildungsferne, anatolische Bauern, wenig türkischer Mittelstand. Der Staat duldet noch immer aus falsch verstandener Toleranz, dass junge türkische Frauen für arrangierte Ehen nachgeholt werden." Was das bedeute, habe man in den Schulklassen gespürt: Die Jungs spielten ihre Mackerrolle, fassten jede Kritik als Frontalangriff auf und reagieren schnell mit Gewalt. Die Mädchen seien eifrig, aber mit zwölf, dreizehn Jahren säßen sie plötzlich mit Kopftuch in der Klasse und würden vom Sport- oder Biologieunterricht abgemeldet. Ihre Eltern seien nicht daran interessiert, in der Gesellschaft anzukommen, ihre Kinder sollten es auch nicht. Gegen diese Integrationshürden sei von der Schule aus kaum anzukommen.

Auch in der Sozialpolitik gebe es schwere Verwerfungen. Es werde nicht genug zwischen denen unterschieden, die sich um Arbeit und Weiterbildung bemühten, und denen, die es sich bequem machten im sozialen Netz. Der deutsche Staat habe einen Teil der Unterschicht jahrzehntelang mit einer falschen Alimentation zu Verantwortungslosigkeit erzogen. Manche Kinder sagten dem Lehrer heute: Herr Schenk, ich soll arbeiten gehen? Ich weiß, wo ich Geld kriege – im Sozialamt, Zimmer 117.
Die Folgen all dieser politischen Fehlentwicklungen könnten Schulen und Lehrer nicht ersatzweise lösen. Die Politik habe blumig dahergeredet, wohlmeinende Bildungsbürger hätten sich schützend vor Fehlentwicklungen gestellt. Sie lebten ja so unheimlich gerne in den ach so bunten Multikultikiezen, zögen aber ganz schnell weg, wenn ihr Kind ins schulpflichtige Alter komme – nach der Devise: "Links reden, rechts handeln".
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