Thursday, 28. July 2016
09.12.2015
 
 

Blaupause für die Enteignung von Steuerzahlern: Ramschbanken in Griechenland

Janne Jörg Kipp

Griechische Bankaktien sind kürzlich für lächerliche Beträge aufgekauft worden. Ein Musterbeispiel dafür, wie die Politik Volksvermögen für »Rettungen« verschleudert und jetzt noch einmal verramscht. So funktioniert die Enteignung perfekt.

 

Wer kürzlich griechische Banken kaufen wollte, musste dafür lediglich wenige Cent aufwenden. Das »Risikokapital« für die nahezu wertlosen Institute beläuft sich nach Schätzungen der Ratingagentur S&P 500 wohl auf ungefähr 14 Milliarden Euro. Die National Bank of Greece kostet dabei derzeit etwa zwei Cent.

Die Piräus Bank können Sie theoretisch für 0,3 Cent pro Aktie erwerben. Gut 4 Cent werden für die »Alpha Bank« fällig. Die Aktienkurse werden Sie vermutlich nicht interessieren. Viel interessanter ist das, was der griechische Staat 2013 für dieselben Banken zahlte:

 

Die National Bank of Greece kostete 4,29 Euro, die Piräus Bank 1,70 Euro, die Alpha Bank 44 Cent. Der Steuerzahler also finanzierte horrende Preise zur Rettung von Banken, die Privaten heute fast verschenkt werden. Der griechische Staat verschenkt Volksvermögen. Und das war absehbar.

 

Rückblende: 2013 waren die griechischen Banken bereits konkursreif. Die Bankkunden, darunter natürlich auch ausländische Groß-Investoren, wollten ihr Geld aber noch retten, das auf den Konten schlummerte. Die Zeit sollte ihnen offenbar noch gegönnt werden, denn wider jede ökonomische Vernunft sprang der Staat ein, natürlich unterstützt durch die EU.

 

Die Banken waren schon damals nichts mehr wert, aber der Staat öffnete seine und letztlich unser aller Schatulle. Der Bankenrettungsfonds HFSF rettete die vier größten griechischen Institute, die selbst aufgrund des Schuldenschnitts des griechischen Staates in Bedrängnis gekommen waren.

 

Der faktisch staatliche Fonds saß nun auf Banken, die weiterhin nicht gesund waren. Die Europäische Union versprach für die sogenannte Bankenrekapitalisierung noch einmal 25 Milliarden Euro. Das Geld sollte allerdings nur unter der Voraussetzung fließen, dass die schon aufgetretenen neuen Bilanzlücken durch »privates Risikokapital« geschlossen würden. Bis Ende dieses Jahres.

 

Genau das ist nunmehr gelungen. Die privaten Investoren wie Brookfield Capital Partners, Capital Group, Fairfax, Highfields Capital Management, Pimco, WLR Recovery Fund oder Wellington durften sich die Kaufpreise für die neuen Aktien quasi selbst aussuchen – und haben das wie oben beschrieben weidlich ausgenutzt.

 

Irgendjemand aber verliert bei dem Geschäft Geld – und das sind der Bankenrettungsfonds sowie die griechischen und europäischen Steuerzahler. Allein die Anteile des Fonds sinken um deutlich mehr als 60 Prozent. Nur der Fonds selbst beschert den Steuerzahlern einen Verlust von 20 Milliarden Euro.

 

Insgesamt soll die Bankenrettungsaktion sogar 40 Milliarden Euro gekostet haben. Dafür zeichneten die Regierung, zusätzlich aber der IWF, die europäische Zentralbank, die EU-Kommission und der Europäische Stabilisierungsmechanismus (ESM) verantwortlich. Geld, das wir alle aufwenden.

 

Damit hat der »Bankraub« aber noch nicht die letzte Stufe erreicht. Schon jetzt ist mehr oder weniger klar, dass die nächsten Kapitallücken 2016 unabwendbar sind. Dafür hat die jetzige Privatisierung die rechtliche Voraussetzung für eine weitere Enteignung geschaffen.

 

Die Europäische Union hat eine ab 2016 gültige Regel erlassen, wonach die Sparer der Banken selbst bei weiterem Kapitalbedarf enteignet werden müssen. In drei Wochen ist es so weit: Wer über mehr als 100 000 Euro verfügt, muss bei weiteren Schieflagen mit der zypriotischen Lösung rechnen. Das Geld wird (teils) zur Bankenrettung herangezogen. Erst wenn dies nicht mehr reicht, wird wiederum der Staat belastet.

 

Das heißt, die Enteignung läuft klassisch. Erst springt der Staat ein – oder ein Staatenverbund. Dann dürfen sich Private die besten Stücke günstigst einverleiben. Und der restliche Schaden gehört wieder den Steuerzahlern.

 

Die große Enteignung in Griechenland läuft bereits. Es dürfte sich um eine Blaupause handeln.

 

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Heimliche Käufe von Staatspapieren: Nationale Notenbanken im EU-Zinskrieg

Markus Gärtner

Ein Berliner Finanzwissenschaftler deckt mit seiner Doktorarbeit auf, was Tausende von Wirtschaftsjournalisten in ganz Europa komplett verschlafen haben. Während alle auf die Europäische Zentralbank starrten und deren Kauf-Orgie für marode Staatsanleihen beschrieben, erwarben nationale Notenbanken – vor allem in Frankreich und Italien – im Rahmen  mehr …

Aus für die Austerität: Merkels Spar-Mantra geht in Europa die Luft aus

Markus Gärtner

Angela Merkel wird in der Flüchtlingskrise in Europa zunehmend isoliert. In ihrer Partei rumort es zunehmend. Und jetzt droht auch ihr wirtschaftspolitisches Credo, mit dem seit fünf Jahren die Griechen zu eisernem Sparen verdonnert werden, gegen die Wand zu fahren. Die Austeritätspolitik, die über Sparhaushalte die Konjunktur in den europäischen  mehr …

Notenbanken: Die Welt tanzt auf einem Minenfeld

Thomas Trepnau

Während der kurzen Amtszeit von Premierminister Shinzo Abe, rutscht Japan bereits zum zweiten Mal in die Rezession. Im 3. Quartal 2015 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Dies ist die fünfte Rezession seit 2009. Im Quartal bis Juni hatte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ebenfalls einen Rückgang der  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Deutsche Panzer gegen Putin: Interaktive TV-Sendung facht die Kriegslust an

Markus Mähler

Am Montagabend freute sich die Bundesregierung über Millionen Versuchskaninchen: Die Zuschauer spielten auf Pro Sieben »Du bist Kanzler«. Das Mitmach-Experiment, war auch ein geheimer Meinungscheck: Wie bereit sind die jungen Deutschen für den NATO-Krieg gegen Russland? Hinter den Machern der Sendung steht der Bertelsmann-Konzern, ein massiver  mehr …

Heimliche Käufe von Staatspapieren: Nationale Notenbanken im EU-Zinskrieg

Markus Gärtner

Ein Berliner Finanzwissenschaftler deckt mit seiner Doktorarbeit auf, was Tausende von Wirtschaftsjournalisten in ganz Europa komplett verschlafen haben. Während alle auf die Europäische Zentralbank starrten und deren Kauf-Orgie für marode Staatsanleihen beschrieben, erwarben nationale Notenbanken – vor allem in Frankreich und Italien – im Rahmen  mehr …

Meinungsfreiheit? Wenn der Zensor pinkeln geht …

Udo Ulfkotte

In Deutschland herrscht offiziell Meinungsfreiheit. Was passiert, wenn ein mit Zwangsgebühren finanzierter öffentlich-rechtlicher Sender sich nicht an die staatliche gewünschte Meinung hält, das erlebt gerade der SWR.  mehr …

Explosiver russischer Lagebericht: Putin schließt gegen den IS Atomwaffen nicht aus

Tyler Durden

In einer deutlichen Warnung an die französischen und amerikanischen Kriegsschiffe, die nach und nach in den kommenden Wochen in den Gewässern vor der syrischen Küste eintreffen werden, hat Russland erstmalig Ziele des Islamischen Staates (IS) in Syrien mit Marschflugkörpern vom Typ Kalibr 3M-54 angegriffen. Wie der russische Verteidigungsminister  mehr …

Werbung

3-Heilung®

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Magnesiumöl – die effektivste Form, Ihrem Körper Magnesium zuzuführen

Den machtvollsten Heiler unter den Mineralstoffen optimal nutzen.

Magnesium gilt zu Recht als einer der wichtigsten Stoffe in unserem Körper. Das Mineral ist an verschiedenen essentiellen Vorgängen in unserem Organismus beteiligt. Stimmt unser Magnesiumspiegel, sind wir in aller Regel gesund, vital und voller Energie. Ist der Spiegel jedoch zu niedrig, öffnet dies Beschwerden und Krankheiten Tür und Tor.

mehr ...

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Insiderwissen: Gold

»Gold und Silber haben ihre beste Zeit noch vor sich!«

Jenseits der Tagesnachrichten erfahren Sie in diesem Buch von Bruno Bandulet, Peter Boehringer, Marc Faber, Thorsten Schulte und Dimitri Speck Unbekanntes, wenig Bekanntes und Hintergründe aus der Welt von Gold, Geld und Zentralbanken. Profitieren Sie von der Erfahrung und dem Insiderwissen der Autoren, die teilweise seit drei Jahrzehnten auf den Edelmetall- und Devisenmärkten zu Hause sind.

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.