Friday, 30. September 2016
29.11.2011
 
 

Das Ende der Euro-Illusionen – Interview mit Prof. Dr. Wilhelm Hankel

John Lanta

Ein Interview mit Prof. Dr. Wilhelm Hankel zur europäischen Währungs- und Finanzkrise.

 

Lanta: Der Spiegel titelt mit einer kaputten Euro-Münze und fragt: »Was jetzt?« Wie schlimm ist die europäische Währungs- und Finanzkrise?

 

Hankel: Endlich verfügt die Öffentlichkeit über ein klares Bild der Situation des Euro – nämlich die Bewertung durch die Finanzmärkte, statt mehr oder minder zweckbestimmter Kommentare durch Regierung, Medien und den Spiegel. Endlich verfügen wir nämlich über ein objektives Thermometer über den Stand des Euro-Fiebers, der Staatsverschuldung und der Fehlinvestitionen der Banken sowie der damit verbundenen Kreditrisiken. Jeder kann das jetzt an den durch die einzelnen Krisenländer zu zahlenden Zinsen und Kurssicherungskosten zweifelsfrei ablesen. Denn die Märkte sind endlich aufgewacht aus der gefährlichsten aller Euro-Illusionen: dass die verschiedenen Euro-Länder gleiche Bonität und gleiche Kreditwürdigkeit besäßen. Es gehört zum Irrationalismus deutscher Politik, gerade jetzt, wo das Fieberthermometer funktioniert, es außer Kraft setzen oder gar abschaffen zu wollen. Auch afrikanische Buschmänner handeln nach dieser Logik: Wenn man das Fieberthermometer zerbricht, ist das Fieber weg und der Patient wird gesund!

 

Lanta: Wo steht es, und wie sind die Aussichten des ESFS?

 

Hankel: Der so genannte Rettungsfonds soll mit einem Eigenkapital von 28 Millionen Euro an einem Ausleihungsvolumen von 400 Milliarden Euro funktionieren. Das wäre  eine Haftungsquote von 0,007 Prozent! Die ersten Quittungen hat er ja schon bekommen: Weder werden seine Anleihen zügig gekauft, noch zu deutschen Zinssätzen. Der Fonds musste erst kürzlich das Doppelte des vergleichbaren deutschen Zinssatzes zahlen. Es ist mir schleierhaft, wie man glauben kann, dass ein Fonds, der Schrottanleihen kaufen soll, seinen AAA-Status behalten kann.

 

Lanta: Eurobonds oder EZB-Käufe von Schrott-Anleihen: Was empfehlen Sie?

 

Hankel: Weder das eine noch das andere. Sowohl das Bundesverfassungsgericht als auch die Bundesbank verbieten Eurobonds. Das Bundesverfassungsgericht, weil eine Finanzierung von Staatsdefiziten über Eurobonds zu einer unbegrenzten Übertragung von deutschen Staatseinnahmen an das Ausland führen würde – und diese Automatik hat das Gericht verboten.

Eine Finanzierung von Schrottanleihen über die EZB, das hat Bundesbankpräsident Weidmann erst kürzlich unmissverständlich klargestellt, zerstört die Währung und damit den Kredit Europas an den internationalen Finanzmärkten. Deswegen bedeutet der Kauf von Schrottanleihen durch die EZB keine Rettung des Euros, sondern ist der sicherste Weg in seinen Untergang.

 

Lanta: Wie bewerten Sie die französische und die englische Politik in dieser Lage?

 

Hankel: Die französische Politik ist von der Angst um das eigene Bankensystem geprägt, denn Frankreichs Banken sind in Griechenland am stärksten exponiert. Englands Haltung zur Eurokrise spiegelt natürlich auch die Interessen dieses Landes wider: Es hat seine eigene nationale Währung und will sie auch behalten. Deswegen tut Frau Merkel gut daran, sich mehr an der englischen Sicht als an der französischen zu orientieren, denn auch Deutschland muss zurückfinden zu seiner nationalen Währung.

 

Lanta: Was sollte die Bundesregierung Ihrer Ansicht nach tun?

 

Hankel: Viel engeren Schulterschluss mit England als mit Frankreich suchen. Eine Lösung der Eurokrise auf der Grundlage nationaler Währungen würde die verhängnisvolle Spaltung Europas in Euro- und Nicht-Euroländer beseitigen.

 

Lanta: Können wir uns das als Exportland erster Klasse leisten?

 

Hankel: Und ob! Deutschlands Wirtschaft beginnt langsam zu begreifen, dass Exportstärke und Exportleistung und eine schwache Währung nicht zusammengehen. Unser Nachbar Schweiz zeigt gerade, was er mit seiner starken Währung leisten kann: den billigen Einkauf von hoch rentablen Produktionsstandorten im Ausland.

 

Lanta: Aber es heißt doch, dass die neue alte Mark sofort unter einen riesigen Aufwertungsdruck käme...

 

Hankel: Das wäre wunderbar, dann könnten Schäuble oder seine Nachfolger Deutschlands Billionen-Euro-Staatschulden billig tilgen.

 

Lanta: Am kommenden Freitag, den 2. Dezember 2011, findet im Berliner Hotel Adlon eine Tagung mit hochrangigen Finanzexperten wie Ihnen und weiteren Professoren wie Markus Kerber, Eberhard Hamer vom Mittelstandsinstitut Niedersachsen und Thorsten Polleit von der Barclays Bank Deutschland statt. Wozu dient diese?

 

Hankel: Einer besseren Information als beim Spiegel! Diese Tagung soll einer breiteren Öffentlichkeit verständlich machen, worum es in Wahrheit geht. Unsere Bürger müssen auf gesicherter Grundlage entscheiden können, wie sie sich und ihre Vermögen vor den Folgen des Euro-Wahns schützen können. Ihnen wird doch in Sachen Euro permanent blauer Dunst vorgemacht! Alle Redner sagen erstmals genau, was geschehen muss, um dauerhaft aus der Krise herauszukommen – und begründen mit diesem Tag eine engere Zusammenarbeit. Das soll diese Bundesregierung unter Druck setzen.

 

Lanta: Wer kann zu dieser Veranstaltung kommen?

 

Hankel: Jeder ist willkommen. Es geht jeden von Ihnen an, es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder.

 

 


 

 

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