Friday, 22. August 2014
23.03.2012
 
 

Terroranschlag in Frankreich: Operation »unter falscher Flagge«?

Kurt Nimmo

Mohammed Merah, dem die Ermordung von sieben Menschen vor einer jüdischen Schule in Toulouse zur Last gelegt wird, entspricht perfekt dem Profil eines geheimdienstlich geführten Al-Qaida-Terroristen. Nach Angaben der BBC war er aufgrund seiner Aufenthalte in Afghanistan und in »militanten Hochburgen« in der im Nordwesten Pakistans gelegenen Bergregion Waziristan ins Visier der französischen Behörden geraten.

Nach Angaben des französischen Innenministers Claude Guéant wurde Merah bereits »seit Jahren« vom französischen Inlandsgeheimdienst DCRI beobachtet. Auch sonst ist Merah, ein französischer

Staatsbürger algerischer Herkunft, kein Unbekannter. Bereits am 19. Dezember 2007 war er in Afghanistan verhaftet und wegen mehrerer Bombenanschläge in der Provinz Kandahar zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

 

Im April 2011 räumten die USA offiziell ein, in Afghanistan geheime Militärgefängnisse unterhalten zu haben, wo Terrorverdächtige ohne Anklageerhebung festgehalten und verhört worden waren. Das berüchtigte Internierungslager auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram wird vom Gemeinsamen Kommando Spezialoperationen (Joint Special Operations Command) und dem Defense Counterintelligence and Human Intelligence Center (DCHC) des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA geleitet. Das DCHC »wird für die Entwicklung von Kapazitäten ›offensiver Gegenaufklärungsoperationen‹ … für das Verteidigungsministerium verantwortlich sein. Dies schließt Bemühungen ein, gegen die USA gerichtete Aktivitäten ausländischer Geheimdienste zu unterwandern, irrezuführen und unschädlich zu machen«, berichtete das Nachrichtenportal Secrecy News 2008, nachdem die Regierung den Aufbau des DCHC angekündigt hatte.

 

Das Pentagon und die CIA haben sich darauf spezialisiert, Terroristen als Teil so genannter verdeckter und nichtkonventioneller Kriegsdoktrinen und -operationen, deren Ursprünge bis in die Endphase des Zweiten Weltkriegs zurückreichen, aufzubauen (zu einer tiefergehenden Analyse siehe Michael McClintock: Instruments of Statecraft: U.S. Guerilla Warfare, Counterinsurgency, and Counterterrorism, 1940-1990).

 

Auch wenn dies von den etablierten Medien weitgehend ignoriert wird, steht fest, dass die CIA und pakistanische Geheimdienste aus den Überbleibseln der afghanischen Mudschaheddin (»Gotteskrieger«) die Struktur schufen, die heute allgemein als »al-Qaida« bekannt ist. Die CIA hatte die Mudschaheddin zuvor verdeckt mit drei Milliarden Dollar in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan unterstützt.

 

Letztlich war es dieser so genannte »Safari-Club«, der unter Führung der CIA und unter Beteiligung französischer, ägyptischer, saudi-arabischer, marokkanischer und (noch unter dem Schah) iranischer Geheimdienste vor und während des von der CIA gesteuerten Krieges in Afghanistan (1979 - 89) diese sorgfältig eingefädelte Bedrohung des internationalen Terrorismus hochgebracht und verstärkt hatte (siehe dazu auch Peter Dale Scott, Launching the U.S. Terror War: the CIA, 9/11, Afghanistan, and Central Asia).

 

Die Geheimdienste haben sich auf den verdeckten – und weniger verdeckten – Aufbau von Terroristen oder Terrorgruppen spezialisiert, die dann zynischerweise als Rechtfertigung für ein militärisches Eingreifen überall auf der Welt benutzt werden und als Vorwand dienen, im eigenen Land einen Überwachungs- und Polizeistaat aufzubauen und auszuweiten.

 

Beispielhaft für diese Entwicklung ist der Zwischenfall an Heiligabend 2009. Damals war angeblich ein Bombenanschlag auf ein Flugzeug gescheitert, bei dem der Verdächtige die Bombe in seiner Unterwäsche versteckt hatte. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um eine klassische »False-Flag«-Operation, das heißt, um die tatsächliche Identität und die Absichten der eigentlichen Hintermänner zu verschleiern, wird eine Operation »unter falscher Flagge«, das heißt von einer anderen Partei, durchgeführt. Dieser besagte Zwischenfall wurde dann dazu benutzt, den Einsatz von aufgrund ihrer Strahlung gefährlichen so genannten »Nacktkörper-Scannern« auf amerikanischen Flughäfen durchzusetzen.

 

Die Tatsache, dass sich Mohammed Merah bereits im Gewahrsam des Gemeinsamen Kommandos für Spezialeinsätze befand – und sein angeblicher Ausbruch aus dem Sarposa-Hochsicherheitsgefängnis in Kandahar Berichten zufolge von den Taliban organisiert wurde (die ebenfalls von der CIA und dem pakistanischen Geheimdienst ISI aufgebaut wurden) – wirft mit Sicherheit Fragen hinsichtlich der Anschläge in Frankreich auf, wo in Kürze ein neuer Staatspräsident gewählt wird.

 

Die britische Tageszeitung The Telegraph berichtete, die Anschläge des angeblich mit al-Qaida in Verbindung stehenden Merah spielten dem Wahlkampf der Kandidatin der Front National, Marine Le Pen, in die Hände, der aber allgemein keine Chance bei Präsidentschaftswahlen eingeräumt werden.

 

Aber sie haben andererseits dem derzeitigen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy den Vorwand verschafft, den Süden des Landes in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen und den Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten solange auszusetzen. Offensichtlich will Sarkozy auf diese Weise von den Terroranschlägen profitieren und sein Image als »starker Führer« in einer nationalen Krise festigen.

 

»Kurzfristig dürfte Präsident Nicolas Sarkozy [von der Situation] profitieren. Er übernahm schnell die Führung und reiste nach Toulouse an den Ort des Geschehens. Er trat dort als Präsident der Republik auf«, schrieb Gavin Hewitt für die BBC.

 

 


 

 

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