Friday, 27. May 2016
04.04.2015
 
 

Gesprächsfaden mit Athen reißt ab: Parallelwährung offenbar in Vorbereitung

Markus Gärtner

Die Gespräche zwischen Griechenland und seinen Gläubigern sind nicht nur völlig festgefahren, jetzt reißt auch noch der Gesprächsfaden ab. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Fachleute aus Athen zurückgezogen. Dort will die Regierung das orthodoxe Osterfest in einer Woche ohne Gespräche feiern. Mehr noch: Der Telegraph in London hat aus Regierungskreisen der Syriza erfahren, dass eilig an einer Verstaatlichung der Banken gearbeitet und die Ausgabe einer Parallelwährung zum Euro vorbereitet wird.

 

Im Klartext: Vor einer Wiederaufnahme der unterbrochenen Verhandlungen wird dem Land das Geld ausgehen, strikte Kapitalkontrollen werden kommen. Wie schnell eine zusätzliche Währung – oder die eventuelle Rückkehr zur Drachme − kommt, ist nicht absehbar.

 

Alexis Tsipras hat für den 8. und 9. April einen Besuch in Moskau und ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin im Kalender stehen. Damit will er zusätzlichen Druck auf die Gläubiger erzeugen.

 

So wie es aussieht, kann eine Staatspleite formal jetzt nur noch durch eine einseitige Überweisung der Gläubiger nach Griechenland ohne vorherige Zustimmung zu den bislang als unzureichend bezeichneten Reformplänen abgewendet werden. Doch danach sieht es nicht aus.

 

Die von Syriza getragene Regierung ist laut dem Telegraph fest entschlossen, die öffentlichen Dienstleistungen irgendwie aufrechtzuerhalten und die Pensionen auszuzahlen. Ob das gelingt, weiß niemand, wahrscheinlich nicht einmal jemand in Athen.

 

Doch was sich abzeichnet, ist, dass kommende Woche die nächste Rate an den IWF nicht überwiesen werden kann. Am 9. April wird eine Rate von 458 Millionen Euro fällig.

 

Im Telegraph wird ein hoher Staatsbeamter ohne Namensnennung zitiert, der gesagt haben soll: »Wir sind eine Links-Regierung. Wenn wir zwischen einem Zahlungsausfall an den IWF und einem Verrat gegenüber unserem eigenen Volk wählen müssen, ist das eine klare Entscheidung.«.


Vorstellbar ist, dass der IWF nicht sofort den Ausfall der Tilgungsrate erklärt und hinter der Bühne noch einmal Gespräche aufgenommen werden. Wie die Kapitalmärkte – vor allem die Zinsen auf Anleihen – auf diese Zuspitzung reagieren werden, ist unvorhersehbar.

 

Es war jedoch absehbar, dass sich dieses Drama an einem langen Wochenende abspielt, wenn die Börsen mehrere Tage geschlossen sind.

 

Doch eine »stille Pleite«, wie man an den Finanzmärkten den unerklärten Zahlungsausfall nennt, könnte aus der Sicht der Syriza durchaus eine beabsichtigte Eskalation sein, um die Gläubiger zurück an den Verhandlungstisch und zu einem Kompromiss zu bewegen.

 

Das Bild von der Uhr, die jetzt schneller tickt, ist jetzt nicht mehr zu gebrauchen, denn die Zeiger sind bereits stehengeblieben. In dieser Situation werfen beide Seiten der anderen vor, den Ernst der Lage noch nicht ganz verstanden zu haben.

 

In Athen hält man Brüssel und Berlin vor, zu übersehen, wie wenig Spielraum Syriza nach der Wahl zu Jahresbeginn mit den Versprechen an die Wähler noch hat und welche heftigen Ausschläge an den Finanzmärkten bei einem »Grexit« zu erwarten sind.

 

In Brüssel und Berlin – wie auch bei der EZB in Frankfurt – ist man dagegen der Meinung, Syriza habe keine Ahnung, wie wenig Bereitschaft für eine Abkehr von den Bedingungen des laufenden Hilfspakets vorhanden ist.

 

Würde Griechenland tatsächlich die Rate an den IWF in der kommenden Woche versäumen, wäre dies das erste Mal überhaupt in der Geschichte des Währungsfonds. Der IWF hätte theoretisch sechs Wochen lang Zeit, bis er Griechenland formal als säumigen Schuldner bezeichnet und ein Zahlungsausfall festgestellt wird.

 

Aus den Reihen von Syriza ist laut verschiedenen Korrespondentenberichten zu vernehmen, dass Athen eher bereit ist, eine verheerende Kettenreaktion als Folge des Zahlungsausfalls zu riskieren, als Verrat an den Wählern zu begehen.

 

Doch das ist der Hebel, mit dem die Gläubiger arbeiten. Brüssel könnte es im Extremfall auf einen griechischen Zahlungsausfall ankommen lassen, um die Regierung zur Einführung von Kapitalkontrollen zu zwingen, bis sie so unbeliebt bei den Wählern wird, dass sie schließlich einknickt.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (35) zu diesem Artikel

04.04.2015 | 21:15

Rudolf-Robert Davideit

Tja Benny, das nationalsozialistischte Land ist ja wohl Israel! Noch Fragen?


04.04.2015 | 21:13

StS

Wenn die Griechen und die Russen clever sind, rollt bald der Rubel in Hellas.


04.04.2015 | 20:29

Kaiser Wilhelm

Wünsche dem Herrn Alexis Tsipras von ganzem Herzen eine unfallfreie Reise. Warum fallen mir da MH und 4U und unsere amerikanisch zionistischen Freunde ein? Komisch, komisch ---


04.04.2015 | 18:42

Helmut Pirkl

Der Wahnsinn stößt an seine Grenzen. Das Kasperletheater EU inszeniert eine neue Show, die es dem Goldesel Dhragi erlaubt Unmengen von Euro an diejenigen Staaten zu verteilen, die eh schon darin schwimmen. Gleichzeitig fordert er von Griechenland das ärmste aller armen dieser Länder Rückzahlungen von Euro, die es gar nicht selber erhalten hat. Da aber in Griechenland zum Unterschied von allen übrigen Staaten in der Eurozone Politiker an der Macht sind, die dieses irre Spiel...

Der Wahnsinn stößt an seine Grenzen. Das Kasperletheater EU inszeniert eine neue Show, die es dem Goldesel Dhragi erlaubt Unmengen von Euro an diejenigen Staaten zu verteilen, die eh schon darin schwimmen. Gleichzeitig fordert er von Griechenland das ärmste aller armen dieser Länder Rückzahlungen von Euro, die es gar nicht selber erhalten hat. Da aber in Griechenland zum Unterschied von allen übrigen Staaten in der Eurozone Politiker an der Macht sind, die dieses irre Spiel durchschauen, verwundert es nicht, wenn sie sich darüber lustig machen. Griechenland ist noch ein souveräner Staat mit eigener Nationalbank. Wer könnte diese Bank daran hindern, wenn sie im Auftrag des griechischen Parlaments und seiner Regierung Geld unter das Volk bringt. Das wird uns doch schon seit langem von der Fed vorgeführt, die genauso über die USA die Banken auf der ganzen für ihr Roulett in den großen Spielbanken der Börsen mit ihren Dollarchips einen Staat nach dem anderen in den Ruin treibt. Und wenn ein Staat dabei nicht mitspielt, oder sich gar noch widersetzt, der wird platt gemacht. Da kennen die Betreiber dieser Spielbanken keine Gnade. Bevor man dies als Unsinn abtut, sollte man sich erst einmal über die Spielregeln informieren. Dann wird man schnell feststellen, dass von vornherein feststeht, wer die Gewinner und wer die Verlierer sind. Griechenland hat nichts mehr zu verlieren. Es ist längst bankrott, wäre es ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen. Aber Griechenland ist ein Staat. Und Staaten können nicht bankrott gehen. Es sei denn man macht sie zu Kolonien. Und genau das ist beabsichtigt. Schaue man sich doch nur Libyen, den Irak etc bis hin zur Ukraine oder in diesem Falle Griechenland an, die zurzeit in Richtung Kolonialstaaten getrieben werden. Bis zur Aufgabe ihrer Souveränität, werden diese Staaten als Außenseiter von denjenigen abgestempelt, die als nächste dran sind. Unter Führung von Russland und China haben sich einige Staaten zusammengetan, um dieses System der kontrollierten Ausbeutung abzuschaffen. Das mögen die Plutokraten des Imperiums gar nicht und kämpfen verbissen sogar mit militärischen Mitteln dagegen an. Mit Hilfe von Russland, China etc. bietet sich für Griechenland eine Chance sich von der Unterdrückung durch diese Finanzmafia z befreien. Das weiß der Spieler Varoufakis ganz genau und pokert mit diesen Pfunden vor dem Forum der ganzen Welt. Für Griechenland gibt es nichts mehr zu verlieren. Seine angeblichen europäischen Partner sind Vasallen der USA und deren Plutokraten, die bedingungslos den Anordnungen ihrer Kolonialherren in Washington folgen und sich wie die Lemminge freiwillig in den in den Tod stürzen.


04.04.2015 | 17:57

Sn@tch

Na dann wird es doch höchste Zeit für den Bitcoin


04.04.2015 | 17:40

ben

@ NATIONALSOZIALIST - und was heißt "NATIONALSOZIALIST"? Lernresistent?

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