Saturday, 25. June 2016
15.01.2015
 
 

Neue Gaskrise: Russland stoppt Lieferungen durch Ukraine

Markus Gärtner

 

UPDATE: Wir ziehen unseren Bericht mit Bedauern und einer Entschuldigung zurück

 

Wieder Energie-Alarm in Europa. Der russische Erdgas-Gigant Gazprom hat in der Nacht auf Weisung von Präsident Putin die Lieferungen durch die Ukraine gestoppt und pumpt das Gas stattdessen in die Türkei.

 

 

Liebe Leser,

wir sind, wie ZeroHedge, Bloomberg und InfoWars, am Donnerstag in dem Bericht von Markus Gärtner einer falschen Meldung zum angeblichen Stopp russischer Gaslieferungen in die Ukraine aufgesessen.

 

Der US-Finanzblog ZeroHedge hatte sehr detailliert über einen Lieferstopp berichtet. ZeroHedge und InfoWars haben sich zudem auf eine Meldung in der britischen Daily Mail gestützt. Bei Bloomberg wurde berichtet, dass Russland sein Erdgas künftig über die Türkei leiten will.

 

In der Meldung hieß es dazu: »Gazprom hat seine Lieferungen via Ukraine reduziert, nach Streitigkeiten über Preise und Schulden mit dem Nachbarland, das zwei Mal im vergangenen Jahrzehnt die Lieferungen an die EU während kaltem Wetter eingestellt hatte.«)

 

Wir haben uns am Freitag um Bestätigung von einer zusätzlichen Seite bemüht und diese nicht bekommen. Daher ziehen wir unseren Bericht mit Bedauern und einer Entschuldigung zurück.

 

 


 

 

 

Etwa 80 Prozent der Gaslieferungen, die die EU aus Russland bezieht, werden durch das Transitland Ukraine geleitet. Europas Einfuhr wird damit zumindest vorübergehend um 60 Prozent reduziert. Die Reaktion an den Finanzmärkten ist heftig. Der Gaspreis an den Futures-Märkten ist in den vergangenen Stunden um 18 Prozent in die Höhe geschossen.

 

Präsident Putin begründet den drastischen Schritt mit dem Vorwurf, die Ukraine habe einen Teil des durchlaufenden Erdgases gestohlen. Laut der Ukraine handelt es sich um einen Streit zwischen beiden Ländern über Preise und Bezahlmodalitäten.

 

Die EU bezeichnet diesen Schritt als »völlig inakzeptabel« und fordert sofortige bilaterale Gespräche, um die Versorgung in Europa zu sichern. Die EU reagierte umgehend mit einer deutlichen Stellungnahme:

 

»Ohne vorherige Warnung sowie unter klarer Verletzung der zuvor von höchsten Stellen in Russland und der Ukraine gemachten Zusicherungen, wurden Erdgaslieferungen an einige Länder der EU umfangreich gekürzt«, heißt es in einem Statement aus Brüssel.

 

Es handelt sich um sechs Staaten: Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Kroatien und die Türkei. In allen betroffenen Ländern wurde inzwischen der Stopp der Gaslieferungen aus Russland durch die Ukraine bestätigt.

 

Gazprom-Vorstandschef Alexei Miller bezog sich in einer Stellungnahme ebenfalls auf »Transitrisiken« auf dem Territorium der Ukraine, es gebe »keine andere Option«, als die Lieferungen von Erdgas über die Türkei zu leiten.

 

Russland liefert weiterhin etwa ein Drittel des europäischen Gasverbrauchs. Es ist größter Gaslieferant der EU. Deutschland bezieht fast 40 Prozent seiner Importe aus Russland.

 

Der Lieferstopp durch die Ukraine – und die Umleitung durch die Türkei – machen aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn, beklagt die EU. Doch darum geht es auch nicht. Hier geht es um Politik.

 

Seit Tagen wird darüber spekuliert, ob sich die EU insgeheim darauf geeinigt hat, die Sanktionen gegen Russland sobald wie möglich unter Bedingungen zu lockern. In Westeuropa dämmert es der politischen Kaste langsam, dass es keine gute Idee war, Russland mit Sanktionen auf die Knie zwingen zu wollen.

 

Der Schaden für den eigenen Handel – der in den vergangenen Tagen vor allem in Rom und Paris laut vernehmbar beklagt wurde, ist unerwartet groß, auch für die deutsche Wirtschaft.

 

Im Kreml sieht man das. Die Umleitung des Erdgases durch die Türkei, die Teile Europas zumindest vorübergehend in eine Lieferkrise zu stürzen droht, könnte die nötigen Gespräche über Sanktionen und die Ukraine auf höchster Ebene schneller in Gang bringen, als es anders möglich gewesen wäre.

 

Die Krise, die westliche Sanktionen und der implodierte Ölpreis in Russland ausgelöst haben, spitzte sich in den vergangenen Tagen weiter zu. Der Rubel verliert seit fünf Tagen erneut gegenüber dem Dollar an Wert und strebt alten Höchstständen zu.

 

Hunderte, wenn nicht Tausende von Firmen in Russland suchen fieberhaft nach Liquidität und müssen sich teure Devisen für den Schuldendienst und die Finanzierung von Handel beschaffen.

 

In Russland beginnt auch ein neuer Trend, der weitreichende Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Die Öl-exportierenden Länder beginnen, mit Russland an der Spitze, ihre Petro-Dollars aus dem Weltmarkt abzuziehen.

 

Jahrelang wurden die Dollar-Einkünfte aus dem Export von Rohöl von Ländern wie Saudi Arabien, Nigeria, Angola und Russland zu einem guten Teil am Weltmarkt angelegt und halfen, die Anleihe- und Immobilienpreise in die Höhe zu treiben.

 

Jetzt werden diese Überschüsse verstärkt in den Exportländern selbst angelegt. Nachdem die Ölproduzenten 2012 und 2013 jeweils 248 Milliarden beziehungsweise 60 Milliarden Dollar im Rest der Welt anlegten, drehte sich der Kapitalstrom 2014 um und endete mit einem Import von 7,6 Milliarden Dollar.

 

Im laufenden Jahr könnten wir zum ersten Mal seit 18 Jahren einen größeren Netto-Kapitalimport der Schwellenländer sehen, was eine riesige Schubumkehr gegenüber den vergangenen Jahren bedeuten würde.

 

Russland zapft laut Bloomberg sogar seinen 88 Milliarden Dollar umfassenden Reserve-Fonds an, um einen größeren Teil seiner Devisenvorräte in Rubel umzuwandeln und den eigenen Banken und Firmen für Investitionen und Kredite zur Verfügung zu stellen. Das hat der russische Finanzminister Anton Siluanow gestern bestätigt.

 

Damit wird sich die Bewegung aus dem Petro-Dollar heraus eventuell in diesem Jahr enorm beschleunigen, mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Anleihemärkte und für Kapitalimporteure wie die USA, die mit den Ersparnissen aus dem Rest der Welt ihr Wachstum finanzieren.

 

 

 

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Leser-Kommentare (54) zu diesem Artikel

19.01.2015 | 20:28

ron doll

vertrauen war auf einmal weg- jetzt wieder da- danke fuer die ehrlichkeit. zwar sollen wir ja von den politikern heutzutage total verwirrt werden,damit die nwo durchgesetzt werden kann- aber einen strohhalm braucht man ja doch,um klarer zu denken. also,danke kopp verlag zur stellungnahme


19.01.2015 | 07:11

Klaus Peter Wilke

Nachdem ich den Link zu Ihrem Report an Paul Craig Roberts weitergeleitet hatte, schrieb er mir Folgendes als Antwort: "The report was correct on the rerouting of gas via Turkey. It was mistaken about there already being a cutoff. The cutoff is a potential for the future if the EU does not build a pipeline to connect with the terminal in Turkey. I realized almost immediately that the report was mistaken as there was no sign of financial and political repercussions and...

Nachdem ich den Link zu Ihrem Report an Paul Craig Roberts weitergeleitet hatte, schrieb er mir Folgendes als Antwort: "The report was correct on the rerouting of gas via Turkey. It was mistaken about there already being a cutoff. The cutoff is a potential for the future if the EU does not build a pipeline to connect with the terminal in Turkey. I realized almost immediately that the report was mistaken as there was no sign of financial and political repercussions and corrected the report."


18.01.2015 | 14:48

Felix B.

@ Redaktion Vielen Dank für ihre Ehrlichkeit. Fehler macht jeder. Leider! Diese Erklärung bestätigt mir aber nur, dass ich den richtigen vertraue.


18.01.2015 | 12:22

jeanette

...tja, das haben die deutschen waehler nun von ihren kreuzchen an der falschen, wenn ueberhaupt, stelle. die "einheizpartei" deutschland hat wieder 98%. dafuer ne kalte wohnung oder ein grosses loch im portmonai. man troestet sich mit billigem benzin, was nur beweist wie man uns immer in die taschen greift. davon werden die 2% der reichsten oelmagnaten auch nicht aermer und putin und die bric staaten drehen ihr eigenes ding. geschieht jedem recht, der unrecht tut.


18.01.2015 | 08:59

Georg Mantler

Dvvoid hätte schon am 15.01 die Möglichkeit gehabt die blinden Leser aufzuklären da er/sie ja alles so gewissenhaft hinterfragt.Herr/Frau B.S. hat es getan! Dvvoid war jedoch zu blind um es zu erkennen.


17.01.2015 | 23:12

dvvoid

Das ist zweifelsfrei ein interessanter Fall. Der Verlag hat treue, aber offenbar auch blinde Leser. Oder warum hat das keiner gemerkt? Mir läuft es kalt den Rücken runter, wie sehr sich das deutsche Volk (immer noch) blind auf Nachrichten verlässt, anstatt die Plasibelität zu prüfen und Rückfragen zu stellen - was m.E. hier sehr angebracht gewesen wäre. Danke an den Verlag und die Kritik geht an die Leser.

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