Friday, 30. September 2016
13.05.2015
 
 

Plan B – Das letzte Pokern vor dem »Grexit«

Markus Gärtner

Bis vor zwei Tagen hat die EU beteuert, dass sie keinen »Plan B« für eine griechische Staatspleite und einen »Grexit« hat. Niemand hat das geglaubt. Jetzt stellt sich heraus, dass es diesen Notfallplan gibt. Doch er ist ein schier unmögliches Unterfangen. Und er könnte so enden, wie es  Finanzminister Schäuble Ende April beschrieben hat: Mit Panik.

 

Noch am Montag hatte der erste Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, beteuert: »Wenn Sie an einem Plan B arbeiten, haben Sie Plan A aufgegeben, was wir jetzt brauchen, ist Fortschritt.«

Doch Fortschritt ist nicht in Sicht. Die Finanzminister der Euro-Zone waren bei ihrem Treffen am Montag unzufrieden mit den Reformplänen, die Griechenlands Regierung präsentiert hat. Das Ultimatum bis Ende April ist ohnehin abgelaufen.

 

Also wird der Plan B nicht nur vorbereitet, er wird jetzt auch nicht mehr bestritten. Am Dienstag gab Filippo Taddei, ein Wirtschaftsberater von Italiens Premier Matteo Renzi, zu: »Es gibt immer einen Plan B.«


Am Abend berichtete Bloomberg unter Berufung auf zwei an der Vorbereitung beteiligte Insider: »Die Regierungen der Euro-Zone erwägen ein Hilfspaket für Griechenland, um die Wirtschaft abzufedern, falls das Land sich aus dem Währungsblock verabschiedet.«


Details konnte die Nachrichtenagentur nicht nennen. Bekannt ist nur: Es gehe darum, die wirtschaftlichen und politischen Schockwellen, die einem Grexit folgen würden, zu begrenzen oder einzudämmen.

 

Doch diese Eindämmung hätte nur Aussicht auf Erfolg, wenn es gelänge, die griechischen Banken zu stützen und sie mit frischem Kapital zu versorgen.

 

Ohne diesen Schritt würde die Europäische Zentralbank ihre Notkredite einstellen. Die Banken wären insolvent. Die Wirtschaft Griechenlands würde trotz des bereits erfolgten Absturzes in eine weitere verheerende Abwärtsspirale gezwungen.

 

Doch woher soll das Geld kommen? Athen hat nicht genügend in den Kassen, um die Banken zu stützen. Von außen käme auch nicht genügend Liquidität für eine so massive Rettungsaktion.

 

Die Europäische Zentralbank hat am Dienstag zwar ihr Notkredit-Programm um 1,1 Milliarden auf jetzt 80 Milliarden Euro erweitert. Doch das tat sie nur, weil die Euro-Finanzminister der Regierung in Athen den Willen bescheinigten, sich um die geforderten Reformen zu bemühen.

 

Doch dieser Widerspruch lässt sich nicht mehr lange ignorieren: Für die Auszahlung der restlichen Mittel aus dem laufenden Hilfsprogramm reichen die versprochenen Reformen in Griechenland nicht aus, für die Notkredite der EZB soll der ungenügende Reformeifer aber gut genug sein?

 

Daher müssen sich die Kunden der Banken auf ein Drama gefasst machen. Es wird einen enormen Schnitt bei den Einlagen und Sparbüchern geben. Dieser »Bail-In« ist auf Zypern bereits durchexerziert worden. Und er wird auch in Griechenland kommen.

 

Doch der Preis ist extrem hoch: Eine herbe Rasur für diejenigen, die Griechenlands Banken Geld anvertraut haben, würde Konsum und Investitionen ausbremsen. Weil die Regierung bei einer Staatspleite außerdem Beamtengehälter und Pensionen kürzen müsste – und die Steuereinnahmen kollabieren würden –, käme es zu einer scharfen Rezession, bevor eine Erholung eintreten kann.

 

Was die EU mit einem Plan B gegen einen derartigen ökonomischen Blutsturz tun könnte, ist nicht einmal eine Frage der Fantasie. Es wäre einfach nicht genügend Geld da, um das Drama zu verhindern.

 

Allein im April wurden aus griechischen Banken netto sieben Milliarden Euro abgezogen. Im Vormonat waren die Einlagen der Banken schon auf den niedrigsten Stand seit Januar 2005 gefallen.

 

Läuft also doch alles am Ende auf ein neues Hilfspaket hinaus? Darauf kann nur setzen, wer die Nachrichten über einen Plan B für einen Trick der Gläubiger hält, um Athen doch noch zu den geforderten Reformen zu zwingen. – Doch danach sieht es beim besten Willen nicht aus.

 

 

 


 

 

 

 

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Leser-Kommentare (15) zu diesem Artikel

22.05.2015 | 06:31

rotepmal

@E.Müller: Und niemand der direkt davon betroffen ist, findet "Trost" in Ihren Worten. Auch hat niemand der betroffen ist nicht gewusst was er tut. Trotzdem wird niemand hinterher von irgendetwas gewusst haben - wieimmer!


18.05.2015 | 17:57

E.Müller

Eine komplizierte Materie. Niemand will den Grexit freiwillig. Niemand will freiwillig ein neues Hilfspaket. Niemand wollte den Euro wirklich . Und niemand weiß wirklich wie man aus der verfahrenen Situation der Globalisierung wieder herauskommt. Deshalb sollte sich auch Niemand mehr darüber aufregen. Niemand !


14.05.2015 | 21:43

Thomas F.Wagner

Als Grieche hätte ich genug von der Behandlung durch Brüssel. Griechenland sollte für eine ausreichende Abfindung für den Austritt kämpfen . Ursache für das Griechenlandproblem ist die Fehlkonstruktion des Euro . Zwar würden durch die Abschaffung des Euro erhebliche Probleme auftreten aber einige schwerwiegende Probleme wären damit auch weg. Jedes Land müßte sich auf seine eigenen Fähigkeiten und Stärken besinnen. Die EU könnte die Spaltung in Euro - und Nichteuroländer...

Als Grieche hätte ich genug von der Behandlung durch Brüssel. Griechenland sollte für eine ausreichende Abfindung für den Austritt kämpfen . Ursache für das Griechenlandproblem ist die Fehlkonstruktion des Euro . Zwar würden durch die Abschaffung des Euro erhebliche Probleme auftreten aber einige schwerwiegende Probleme wären damit auch weg. Jedes Land müßte sich auf seine eigenen Fähigkeiten und Stärken besinnen. Die EU könnte die Spaltung in Euro - und Nichteuroländer überwinden. Die EU wäre wieder der Zusammenschluß freier souveräner Völker. Ein Gedanke , der durchaus sympathisch wäre ,,, packen wir es an. Mal ehrlich: die Völker Europas wollten den Euro zu keinem Zeitpunkt wirklich . Nun haben wir den Salat ... Hättet ihr mal besser vorher gefragt...


14.05.2015 | 14:52

Joe

Die meisten deutschen begreifen es immer noch nicht. Sozialismuss funzt nicht, had nie funktioniert and wird in den nachsten 6000 Jahren nicht funbktionieren. Die Sozen hatten gar das grosse Land der UDSSR mit all den Reichtumern in nur 35 Jahren Mangelmanagement satt in den Boden gerammt. Es ist halt was fuer die Grundschulklassen und Kindergarten oder fur jene die einfach nicht in der Lage sind zu denken. Ein schones Marchen, wie schoen es wahre wenn.Aber die deutschen...

Die meisten deutschen begreifen es immer noch nicht. Sozialismuss funzt nicht, had nie funktioniert and wird in den nachsten 6000 Jahren nicht funbktionieren. Die Sozen hatten gar das grosse Land der UDSSR mit all den Reichtumern in nur 35 Jahren Mangelmanagement satt in den Boden gerammt. Es ist halt was fuer die Grundschulklassen und Kindergarten oder fur jene die einfach nicht in der Lage sind zu denken. Ein schones Marchen, wie schoen es wahre wenn.
Aber die deutschen begreifen noch viel mehr nicht. 2 mal haben die deutschen Sozialisten versucht Europa mit Krieg zu erobern und zu beherrschen. 2 Mal ist es ihnen beinahe gelungen. Aber eben nur beinahe. Diesesmal wollten die Sozialisten sich Europa kaufen. Es hat ja auch beinahe geklappt, aber eben nur mal wieder beinahe und wenn den Deutschen keiner mehr Kredit gibt um der nachbarn Schulden zu zahlen gehts wieder schief.
Nur wenn man Europa kaufen konnte, hatten das die Amis gleich nach dem WW II schon getan, da war es am billigsten.
Und noch was begreifen die deutschen nicht. Wenn der kauf Europas platzt ist Deutschland das einzige Land das ueber 10 000 jahre bei den nachbarn schulden hat. Die anderen EU Lander machen einfach nur einen neuanfang und zeigen wieder mal mit dem Finger auf Deutschland. ja, ja so ist das eben mit den Grossenwahnplanen deutscher Komunisten. Wer hat den fuer die Italiener, Griechgen und andere Bankrotteure schulden gemacht? Ebend die Deutschen weil sie nicht wollten das die anderen dann eben wieder die EUnion verlassen.
Platzt die Sozialistische EU, dann war Versail wie eine kleine Kontouberziehung gegenuber was dann mit Deutschland passiert.
Na ja ich sagte schon, konnte man sich Europa kaufen hatten das die Amis schon gleich nach dem WW II gemacht, da war es noch am billigsten.


14.05.2015 | 13:30

willy_winzig

Wenn Griechenland Pleite geht, werden die deutschen Lebensversicherung in große Schwierigkeiten kommen. Und der Deutsche Finanzminister wird sehr viel Geld aufwenden müssen um diese zu retten. Aber Griechenland wird das Geld schon bekommen Und ein weiteres Hilfspaket dazu. Dafür werden schon die USA aus Geostrategischer Sicht sorgen. Frau Merkel und Herr Schäuble werden das dann brav ab nicken.


13.05.2015 | 23:54

anberg

servus nun. Bist ein Komiker. Wer finanziert die Sozialleistungen und die Infrastruktur. Straßenreparaturen, Schulen, usw. Die Waffenhändler müssen anders geknackt werden. Dazu bedarf es einer nicht korrupten Staatsverwaltung - und einer tauglichen. Sogenannte Alles-rundherum-Verweigerer sind oft Sozialhilfeempfänger oder andere die keine Steuer zahlen. Vielleicht sollten wir diese Ausgaben zuerst streichen.

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