Wednesday, 29. June 2016
24.03.2016
 
 

Dschihadisten-Zentrale: Warum Europas Terror immer aus Brüssel kommt

Markus Mähler

Was ist die EU-Hauptstadt Brüssel? Ein Versailles im Herzen eines gescheiterten Staates. Belgien spiegelt wie eine Miniatur Europas Krankheit wider: Der reiche Norden spaltet sich vom alimentierten Süden ab. Das post-nationale Chaos funktioniert nur noch mit maximaler Ignoranz: lieber nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Der Terror hat sich in der Schwachstelle Europas eingerichtet und betreibt von Brüssel aus das Drehkreuz seiner Anschläge.

 

Paris oder Brüssel – gibt es in Europa jetzt zwei Dschihadisten-Hauptstädte? Nein, dahinter steckt ein Netzwerk des IS, das sich ungestört im grenzenlosen Europa entfaltet. Wird die eine Metropole durch einen Anschlag erschüttert, zieht sich das Terrorkommando in die Anonymität der anderen Hauptstadt zurück.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls sagte am Mittwochmorgen dem Radiosender Europe 1, dass hinter den Anschlägen vom 13. November (Paris) und vom 22. März (Brüssel) das gleiche Terrornetzwerk steckt. Als Schaltzentrale entpuppt sich aber immer mehr Brüssel – und nicht, wie bisher angenommen, die Pariser Banlieues.

 

Die Spur aller Anschläge führt nach Brüssel

 

Die mehrfach vorbestraften Selbstmordattentäter von Brüssel, Khalid und Ibrahim el Bakraoui, wuchsen hier auf. Der Paris-Attentäter Salah Abdeslam wurde nach einem Schusswechsel in der vergangenen Woche in Brüssel verhaftet. Die Polizei fand Fingerabdrücke von Abdelhamid Abaaoud, dem Drahtzieher der Pariser Anschläge, in einem belgischen Terroristenversteck.

 

Genau wie die Abdrücke von Bilal Hafdi. Der Terrorbomber sprengte sich vor dem Stade de France in die Luft. Najid Laachraoui stellte die Sprenggürtel her – für die Anschläge in Paris und in Brüssel. Der »Sprengmeister« des IS reiste am 9. September 2015 über die ungarische Grenze in die EU ein. Unter falschem Namen und mit den Flüchtlingsmassen.

 

Die IS-Terroristen haben Brüssel zu ihrer Basis ausgebaut. Weil der EU-Moloch mitten im gescheiterten Staat Belgien vor allem eines bietet: ungestörte Anonymität. Die Dschihadisten-Zentrale heißt Molenbeek. Eine Parallelgesellschaft mit 100 000 Menschen mitten in Brüssel. 80 Prozent Muslime, eine No-Go-Area für die Polizei und Brutstätte für das Who is Who im internationalen Terrorismus.

 

Die Hauptstadt des Terrors

 

2001: Abdessatar Dahmane kommt aus dem Islamisten-Zentrum in Molenbeek und sprengte sich in Afghanistan in die Luft. Seine Frau Malika el-Aroud rekrutierte Dschihadisten. Nizar Trabelsi wurde nach den New Yorker Anschlägen vom 11. September in Brüssel festgenommen.

 

2004: Hassan el-Haski lebte vor den Madrider Anschlägen illegal in Brüssel.

 

2014: Mehdi Nemouche, ein französischer Staatsbürger, bereitete in Brüssel-Molenbeek den Amoklauf im Jüdischen Museum der Stadt vor.

 

2015: Amedy Coulibaly kaufte in Molenbeek die Waffen, mit denen die Terroristen das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo stürmten. Auch Ayoub el-Khazzani lebte in Molenbeek, bevor er mit einer AK-47 in einem französischen Zug Amok lief. Abdelhamid Abaaoud und die Abdeslam-Brüder wuchsen in Molenbeek auf. Das Trio gilt als Drahtzieher der Paris-Anschläge vom November.

 

Das belgische Netzwerk baute sich bereits in den 1980er-Jahren auf

 

2016: Khalid und Ibrahim el Bakraoui sind die Drahtzieher der Anschläge vom Flughafen Zaventem und in der Brüsseler Metro. Belgien, kein anderes Land produziert, gemessen an seiner Einwohnerzahl, mehr Terroristen und IS-Mörder. Doch das belgische Terrornetzwerk bildete sich schon in den 1980er- und 1990er- Jahren. Als die USA in Afghanistan die Mudschahedin förderten und in den Irak einmarschierten. Rik Coolsaet, Terrorismus-Experte der Universität Gent, sagt: »Frankreich und Belgien haben eine lange, gemeinsame Geschichte im Reich des Terrorismus.«

 

Terrornetzwerke operieren immer von gescheiterten Staaten aus – und das ist die verstörende Erkenntnis: Belgien, im Herzen von Europa und Sitz der Europäischen Union, ist ein Failed State. Der Erfolg des IS-Terrors auf unserem Kontinent lässt sich nicht im Mikrokosmos von Brüssel-Molenbeek erklären. Erst die Rahmenbedingungen haben es zum Drehkreuz des Terrors gemacht. Das selbst dann noch ungestört blieb, als in Madrid, London und Paris die Bomben flogen und alle Spuren nach Brüssel führten.

 

Warum der IS-Terror ausgerechnet in Belgien eine Heimat fand

 

Belgien wurde als Kopfgeburt auf dem Reißbrett geplant. Es gab und gibt keine Öffentlichkeit. Die Landesteile schotten sich voneinander ab. Eine gemeinsame Identität fehlt genauso wie die Mehrheitsgesellschaft. Flamen, Wallonen, Deutsche, Muslime oder Brüsseler Eurokraten. Alle sind zusammengewürfelt, jeder besteht auf seinen Institutionen, Medien, Parteien oder Universitäten.

 

Sie sind deshalb notorisch unterfinanziert und streiten um Kompetenzen. Ein Austausch untereinander findet kaum statt. Kurzum: In Belgien herrscht ein Klima der Ignoranz und die einzelnen Zivilgesellschaften driften auseinander.

 

Vom EU-Musterland zum post-nationalistischen Albtraum

 

Das macht das Land zum post-nationalistischen Albtraum. Europas Miniatur dafür, wie eine aufgezwungene politische Union in der Realität scheitert. Die Mehrheit der wohlhabenden Flamen im Norden sieht sich gegen ihren Willen als Nettozahler und will sich vom alimentierten, wallonischen Süden abspalten. Die belgischen Institutionen sind inzwischen so handlungsunfähig, dass es 2010 und 2011 für 589 Tage nicht einmal mehr eine Regierung gab.

 

Dieser künstlichen Union fehlt auch die Kraft, gemeinsam gegen den Terror vorzugehen. Unter den elf Millionen Belgiern leben offiziell fast eine halbe Million Muslime. Niemand weiß, wie viele Illegale dazu kommen. Sie sind arm und nicht integriert. Wie auch in einem Land ohne Identität? Inmitten massenhafter Arbeitslosigkeit rekrutiert der Islamische Staat Söldner, die kampferfahren wieder nach Belgien zurückkehren. Es gibt aber noch drei weitere Gründe, die Brüssel zur perfekten Schaltzentrale für IS-Terroristen machen.

 

Erstens: Die Waffengesetze waren bis 2006 sehr liberal, es gibt eine starke Rüstungsindustrie. Der belgische Schwarzmarkt gilt als Eldorado für Käufer. Laut belgischen Behörden zirkulieren zwei Millionen Schusswaffen im Land und Justizministerin Annemie Turtelboom sagte 2011: »Es ist überhaupt nicht schwer, hier eine Handgranate oder schwere Waffen und Munition zu bekommen. Das sind Dinge, die normalerweise nur unter Kriegsumständen zu erhalten sind.«

 

Zweitens: Belgien liegt zentral und ist ein visafreier Reisetraum für Terroristen. Die Benelux-Staaten sind der Vorläufer des Schengenraums. Die Infrastruktur ist mit Flughäfen und Autobahnen überversorgt. Grenzkontrollen wurden hier bereits 1944 abgeschafft. Wer unerkannt nach Europa will – auch mit Waffen und Sprengstoffen – reist am besten über Belgien ein. Die flämischen, wallonischen und EU-Sicherheitsbehörden sind mehr Problem als Lösung. Sie sind kleinteilig organisiert und unterfinanziert. Es gibt unterschiedliche Vorstellungen von Standards. Sie sehen sich als Konkurrenten und haben deshalb auch kein Vertrauen ineinander. Informationen werden den anderen Behörden vorenthalten.

 

Drittens: Die EU bestückt das Raumschiff Brüssel mit unzähligen Institutionen. Ein Apparat mit 44 000 Beamten und 11 000 Vertragsbediensteten. Dazu kommen Politiker, Lobbyisten und Journalisten. Ein babylonisches Wirrwarr, ein großes Kommen und Gehen. Die Dschihadisten können hier ungestört in Molenbeek untertauchen; und haben ihr Feindbild direkt vor Augen. Das politische Zentrum der EU. Es ist ausgerechnet der Schwachpunkt Europas. In Belgien, einem Land ohne starke Institutionen, ohne funktionierenden Staat und ohne ein Nationalgefühl, das einen könnte.

 

 

 

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