Die Vatikan-Verschwörung: Der Glaube und das liebe Geld
Michael Brückner
Im Kirchenstaat überschlagen sich die Ereignisse: Es gibt Gerüchte über ein Mordkomplott gegen den deutschen Papst, geheime Unterlagen gelangen an die Öffentlichkeit und der Vatikan wird der Geldwäsche verdächtigt. Ist das reiner Zufall? Oder gibt es eine Verschwörung?

Auf dem Weg zur Arbeit machte ein Büroangestellter im Juni 1982 eine schreckliche Entdeckung: Unter der Londoner Blackfriars Bridge hing ein kleiner, elegant gekleideter Mann an einem langen, orangen Nylonseil. Nur die Spitzen seiner rahmengenähten Schuhe berührten noch die Wasseroberfläche der Themse. Was auf den ersten Blick wie ein Suizid aussah, entwickelte sich
zu einem der bizarrsten Kriminalfälle Großbritanniens und Italiens. Der Tote war Roberto Calvi, Chef des Mailänder Kreditinstituts Banco Ambrosiano, das damals mehrheitlich der Vatikanbank Istituto per le Opere di Religione (IOR) gehörte. Deshalb stand mit Paul Casimir Marcinkus auch ein Vertreter des Kirchenstaates an der Spitze der Mailänder Bank.
Wenige Tage vor seinem Tod hatte Calvi panikartig Italien verlassen: In einer halsbrecherischen Fahrt mit dem Motorboot setzte er sich zunächst nach Jugoslawien ab, von dort aus flüchtete er über Österreich nach London. Es gab gute Gründe für die überhastete Abreise. Roberto Calvi, den sie in Rom aufgrund seiner Nähe zum Vatikan als »Bankier Gottes« bezeichneten, war in Italien wegen Geldwäsche, Unterschlagung sowie politischer und finanzieller Verbrechen angeklagt. Außerdem wurden ihm engste Beziehungen zur Mafia vorgeworfen. Die Banco Ambrosiano brach wenige Jahre nach dem Skandal zusammen. Der Vatikan musste nach eigenen Angaben drei Milliarden Dollar abschreiben. Doch der Tod Calvis wurde nie aufgeklärt. Für die Londoner Polizei war es »Selbstmord«. Soweit die Vorgeschichte. Inzwischen gibt es Neuigkeiten. Der Vatikan steuert seine Finanzaktivitäten jetzt über Deutschland.
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