
In den Medien wird Mario Monti als integrer »Anti-Berlusconi« verehrt, als bescheidener Universitätsprofessor, der im Winter nur mit einem einfachen Lodenmantel gekleidet sei und dessen Frau sich in der Mailänder Gesellschaft sozial engagiere. Ein Mann mit Prinzipien, der in seiner Zeit als EU-Wettbewerbskommissar Weltkonzernen wie General Electric, Microsoft, VW und den deutschen Landesbanken furchtlos die strenge Denkerstirn bot und von Brüssel aus Rekordstrafen
verhängte. »Super-Mario« nannten ihn damals die Brüsseler Korrespondenten, und der Italiener erweckte nie den Anschein, als ob ihm dieser Kosename der besonderen Art peinlich wäre.
Beobachter, die sich eine etwas kritischere Betrachtungsweise der Brüsseler Führungselite bewahrt hatten, kamen schon zwischen 1994 und 2004, als Monti das Amt des EU-Kommissars bekleidete, zu einer differenzierteren Einschätzung. Sie bezeichneten Mario Monti als selbstherrlichen Technokraten, der in die Rolle des vermeintlichen Biedermanns geschlüpft sei. Er umgab sich mit einem Team von ebenso karrierefixierten wie arroganten Männern und Frauen, die es am Ende so bunt trieben, dass ihnen der Europäische Gerichtshof gleich dreimal auf die Finger klopfen musste. Die Luxemburger Richter kippten mehrere Fusionsverbote. In der Urteilsbegründung wurde der Monti-Behörde schlichtweg Schlamperei vorgeworfen. Die wirtschaftliche Analyse der angeblichen Wettbewerbshüter beruhe auf »unzureichenden Beweisen und Begründungsfehlern«, hieß es da. Deutliche Worte für den EuGH.
Auch in Berlin war man von »Super-Mario« alles andere als begeistert. Der damalige parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller warf im Februar 2002 dem Wettbewerbskommissar im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Ruhrgas durch den Energiekonzern E.ON explizit vor, mit zweierlei Maß zu messen. In der Tat zeigte sich Monti meist großzügig, wenn es um Übernahmen französischer Unternehmen (zum Beispiel durch den staatlichen Stromkonzern EDF) ging, und betont penibel, wenn Fusionen in Deutschland auf der Agenda standen.
Dass Silvio Berlusconi im Jahr 2004 »Super-Mario« durch den Christdemokraten Rocco Buttiglione ersetzte, hat der einstige Wettbewerbskommissar dem nunmehr Ex-Regierungschef nie verziehen. Obwohl Monti sehr weich fiel. Er stellte sein Brüsseler Insider-Wissen als Mitglied des »Board of International Advisors« der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs zur Verfügung (wie von
den KOPP-Nachrichten bereits gemeldet). Offenkundig weiß man dort italienische Ökonomen sehr zu schätzen, immerhin arbeitete der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, knapp vier Jahre als Vizepräsident von Goldman Sachs in London. Sowohl Monti als auch Draghi gehören – kaum überraschend – zur Bilderberg-Connection.
Ist es wirklich purer Zufall, dass der ansonsten so machtverliebte Silvio Berlusconi ausgerechnet wenige Tage nach der Übernahme der EZB-Präsidentschaft durch Mario Draghi zum Rücktritt gedrängt wurde? Was die politische Opposition, die streikwütigen italienischen Gewerkschaften und die mehrheitlich linksgestrickten Staatsanwälte in vielen Jahren nicht vermochten, schafften die Märkte in wenigen Tagen – Berlusconi wurde mit Hohn und Spott aus dem Amt gejagt, weil die Zinsen für italienische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau geklettert waren (KOPP-Online berichtete). Mit einer solchen Zinslast kann kein angeschlagener Staat dauerhaft bestehen. Noch in den letzten Wochen der Berlusconi-Ära kaufte die EZB im großen Umfang Italo-Bonds, um die Pleite des Staates abzuwenden. Nun aber wollte Mario Draghi seinen Ex-Goldman-Sachs-Kollegen und Bilderberg-Mitstreiter Mario Monti an der Spitze der italienischen Regierung sehen.
Zwei Böcke als Gärtner? Immerhin hat Goldman Sachs seinerzeit schon Griechenland »beraten«, wie man formvollendet die europäische Statistikbehörde Eurostat austrickst und sich trotz explodierender Staatsschulden in die Währungsunion schmuggelt. Dass nun innerhalb kurzer Zeit führende Berater und Mitarbeiter dieser Investmentbank zu Regierungschefs und an die Spitze der EZB aufstiegen, ist schon eine bemerkenswerte Koinzidenz.
Bislang scheinen die beiden »Super-Marios« die Märkte allerdings noch nicht überzeugt zu haben. Die Zinsen für Italo-Bonds sind bereits wieder über die Sieben-Prozent-Marke gestiegen. Im Zweifel wird’s Mario Draghi schon richten – indem er dauerhaft italienische Schrottanleihen kauft.
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