Saturday, 28. May 2016
04.11.2011
 
 

Schock: Gigantische Griechenland-Risiken für Frankreichs Großbanken

Michael Brückner

Alle Welt blickt nach Athen, dabei brennt die Lunte bereits am nächsten Pulverfass: Die französischen Großbanken müssen in diesen Tagen schockierende Zahlen vorlegen. Ihr Engagement in Griechenland reißt sie noch tiefer in die Krise als befürchtet. Die Wachstumsaussichten des Landes sind trübe, von Haushaltskonsolidierung kann keine Rede sein.

 

Mancher Satz, der beschwichtigen und die verunsicherten Bürger beruhigen soll, lässt bei Kennern der Finanzmärkte die Alarmglocken läuten. Vor kurzem wandte sich der französische Nationalbankpräsident Christian Noyer mit einer Botschaft an seine Landsleute: »Ich garantiere den Bankkunden, dass sie keine Angst um ihre Einlagen haben müssen«. Aber was ist eine solche Garantie tatsächlich wert? Wir erinnern uns an den beinahe schon legendären Auftritt von

Bundeskanzlerin Merkel und ihrem seinerzeitigen Finanzminister Steinbrück am 5. Oktober 2008 – einem Sonntag. »Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein«, betonte die Kanzlerin. Und die Mainstreammedien jubelten über die »größte Sparergarantie der Weltgeschichte« (tz-online vom 7. Oktober 2008). Was wirklich davon zu halten war, enthüllte wenige Tage später die damalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Nicolette Kressl. Sie beantwortete eine parlamentarische Anfrage mit folgendem entlarvenden Hinweis: »Die Erklärung der Bundeskanzlerin und des Bundesfinanzministers ...stellt eine politische Erklärung dar... Hieraus lässt sich für die Bürger keine rechtsverbindliche und damit selbstständig einklagbare Garantieerklärung ableiten« (siehe Deutscher Bundestag, 182. Sitzung, 15.10.2008, Plenarprotokoll 19.412 C). Ob den Beschwichtigungen eines von der Politik eingesetzten Notenbankpräsidenten mehr Glaubwürdigkeit zuzubilligen ist als denen der deutschen Regierungsspitze, darf zumindest bezweifelt werden.

Dass sich die Franzosen um ihr Erspartes sorgen, kommt nicht von ungefähr. Die größten Banken des Landes sind vor allem infolge der Eurokrise in eine gefährliche Schieflage geraten. Bereits jetzt ist die Situation sehr ernst. Kommt es jedoch zu einem Bankrott Griechenlands, droht ein Beben mit heftigen Schockwellen. Schon seit Monaten machen unabhängige Beobachter keinen Hehl aus ihrer Überzeugung, dass die vermeintliche Griechenland-Rettung eigentlich eine Rettung der französischen Banken ist. Jetzt wird deutlich, wie tief die Banken der Grande Nation im griechischen Schlamassel stecken.

Die Crédit Agricole (CA) ist die Muttergesellschaft der griechischen Emporiki-Bank. Ihr  Verlustrisiko liegt im schlimmsten Fall bei über 26 Milliarden Euro. Die Großbank BNP Paribas wiederum soll aktuell noch griechische Staatsanleihen in einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro im Portfolio haben. Hinzu kommen beträchtliche Bestände an italienischen Papieren. Die Société Générale hielt im Sommer Italien-Bonds im Umfang von 2,2 Milliarden Euro. CA und BNP Paribas sind noch wesentlich stärker im Apenninenstaat engagiert. Dafür leidet die Société Générale nach wie vor am Skandal um ihren ehemaligen Händler Jérôme Kerviel, der durch riskante Spekulationsgeschäfte im Eigenhandel seinem Arbeitgeber einen Verlust von über 4,8 Milliarden Euro bescherte.

Während sich Frankreichs Präsident Sarkozy in Cannes als Gastgeber des G20-Gipfels feiern lässt, zittert die Finanzbranche weltweit den aktuellen Quartalszahlen der größten Banken des Landes entgegen. Den Anfang machte jetzt BNP Paribas – und es kam schlimmer als befürchtet. Vor allem infolge der Griechenland-Pleite brach der Gewinn des Instituts im dritten Quartal 2011 um sage und schreibe 71 Prozent ein. Pikant: Seit 2008 hat die Bank Staatshilfen in Höhe von acht Milliarden Euro erhalten.

Auch die übrigen Großbanken dürften die Märkte in den nächsten Tagen mit Hiobsbotschaften schocken. Bis Mitte kommenden Jahres müssen sich die Institute wohl rund zehn Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital beschaffen. Und das ist nur der »Best case«. Kommt es in Griechenland zum finalen Crash, brauchen die französischen Banken noch einmal mindestens 16 Milliarden Euro. Möglicherweise liegt der Betrag sogar deutlich höher, weil die französischen Bilanzierungsmethoden als ziemlich intransparent gelten.

Banken mit Milliarden-Risiken, ein ausgesprochen schwaches Wirtschaftswachstum, wachsende Staatsschulden, ein schlechteres Bonitätsrating – in Frankreich braut sich die nächste Euro-Krise zusammen. Kommt es in Athen zum finalen Showdown, brennt die Lunte am Pulverfass Frankreich.

 

 


 

 

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