Monday, 26. September 2016
25.09.2011
 
 

Aufstand der Wikinger

Michael Grandt / Alexander Strauß

Als jeder isländische Bürger für die Dauer von 15 Jahren 100 Euro im Monat Schulden der Banken zurückzahlen sollte, gingen sie auf die Barrikaden. Das Ergebnis: Jetzt werden die Verantwortlichen der Finanzkrise strafrechtlich verfolgt. Vorbild für Deutschland?

Island wurde seit der Finanzkrise vollkommen umstrukturiert. Der Initiator dafür war das isländische Volk selbst. Im Gegensatz zur deutschen und den anderen europäischen Regierungen war die isländische nicht auf der Seite der Finanzindustrie, sondern auf der Seite ihrer Bürger.

Der kleine, nur 320.000 Einwohner zählende Inselstaat war einmal sehr wohlhabend. Im Jahre 2003 wurden alle Banken privatisiert. Um mehr ausländische Investoren zu gewinnen, boten die

Finanzinstitute Onlinekonten mit hohen Renditeversprechungen an. Diese sogenannten »Ice Save’s« lockten viele englische und niederländische Kleinanleger. Aber mit den Investitionen wuchsen auch die Auslandschulden der Banken. Es entstand eine Blase mit einem Volumen von 900 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Sie platzte, als die Finanzkrise nach Europa kam. Die drei wichtigsten Banken Islands, Landsbanki, Kaupthing und Glitnir gingen pleite und mussten verstaatlicht werden. Dadurch hafteten plötzlich die Bürger für die Schulden der Banken. Aber es kam noch schlimmer: Ende 2008 meldete Island auch noch Konkurs an.

 

Dem damaligen Premierminister Geir Haarde gelang es dennoch, vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der EU Kredite zu erhalten. Der Preis dafür: Der IWF und die EU-Kommission wollten sich massiv in die Haushaltspolitik des Landes einmischen. Die Isländer waren damit nicht einmal ansatzweise einverstanden. Sie reagierten mit massiven Protesten und Unruhen und zwangen die Regierung so zum Rücktritt.

Die neue Regierung, die 2009 gewählt wurde, gab aber den Forderungen der Gläubiger zunächst ebenfalls nach. Jeder isländische Bürger sollte für die Dauer von 15 Jahren 100 Euro im Monat – mit einer Verzinsung von 5,5 Prozent – die 3,5 Milliarden Euro Schulden zurückbezahlen, die die Banken verursacht hatten.

Doch diese Rechnung wurde erneut ohne das eigene Volk gemacht. Die Isländer ließen sich nicht davon überzeugen, für die Schulden einzustehen, die von der Finanz»industrie« verursacht worden waren. Schließlich blieb der Regierung nichts anderes übrig, als einzulenken. Staatsoberhaupt Olafur Ragnar Grimmsson weigerte sich schließlich, das Gesetz zu ratifizieren, das die Bürger Islands für diese Schulden haftbar machen sollte.

Durch die Verweigerung der Schuldenrückzahlung stieg der internationale Druck auf das Land. Großbritannien und die Niederlande drohten mit Repressalien, die Island isolieren sollten, sowie mit dem Einfrieren von isländischen Spar- und Girokonten.

Die Isländer blieben wiederum stur und entschieden sich per Volksabstimmung gegen die Rückzahlung der Bankschulden. Der Kredit des IWF wurde daraufhin eingefroren. Doch auch davon ließen sich die Wikinger nicht einschüchtern, sondern im Gegenteil: Die Verantwortlichen der Finanzkrise werden jetzt verfolgt und strafrechtlich verurteilt.

Auch ein zweiter Versuch der Gläubigerstaaten, die Rückzahlung, diesmal mit besseren Konditionen, ins Rollen zu bringen, scheiterte an einer Volksabstimmung.

Mit sehr viel Mut und Beharrlichkeit haben sich die Isländer verweigert, den Interessen des internationalen Finanzsektors nachzugeben, und sie setzten noch einen drauf: Sie beschlossen eine Verfassungsänderung, die das Land von der Macht der internationalen und virtuellen Geldwirtschaft befreien soll.

Damit sind die Isländer wohl Vorbild für alle. Auch in Deutschland wäre es wünschenswert, wenn das Volk seine Macht viel mehr zur Geltung bringen würde.

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Quellen:

 

 


 

 

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