Dienstag, 27. Juni 2017
18.03.2011
 
 

Selbstmorde wegen Wirtschaftskrise

Michael Grandt / Alexander Strauß

Irlands Schuldenkrise treibt Tausende in die Verzweiflung. Die Anzahl der Suizide auf der irischen Insel nimmt in erschreckendem Maße zu.


Pro Woche nehmen sich in Irland zehn Menschen das Leben. Das ist eine Steigerung um 24 Prozent gegenüber den Vorjahren. Die Behörden gehen jedoch davon aus, dass die Zahl noch höher klettern kann, wenn die Rezession, die das Land nach wie vor im eisernen Würgegriff umklammert, noch weiter anhält.

Im Jahr 2009 wurden 500 Selbstmorde verzeichnet. Bereits damals starben mehr Iren durch ihre eigene Hand als im Straßenverkehr. Experten schätzen die Dunkelziffer allerdings noch deutlich höher ein. In dem stark von katholischen Einflüssen geprägten Land galt Selbstmord bisher als nicht zu verzeihende Sünde. Doch das Empfinden hat sich aufgrund der Wirtschaftskrise deutlich verändert. Jetzt kann es jeden treffen. Deshalb ist es – anders als in früheren Zeiten – keine Schande mehr, an der Beerdigung eines Selbstmörders teilzunehmen. Wohltätigkeitsverbände und -organisationen sind sich einig, dass der rapide Anstieg der Suizide mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes verbunden ist. »Die Zunahme der Selbstmorde hängt mit der Rezession zusammen«, sagt Geoff Day vom Nationalen Amt für Suizidprävention.

Das wohl prominenteste Selbstmordopfer war der irische Baulöwe Patrick Rocca. Der Sohn eines italienischen Einwanderers, der wegen seines kometenhaften Aufstiegs als Ikone galt, wurde im Januar 2009 in seiner Dubliner Villa tot aufgefunden. In der Nähe der Leiche des Multimillionärs fand die Polizei eine Pistole. Aussagen von Freunden zufolge hatte sich Rocca durch eine Beteiligung bei der Großbank Anglo Irish finanziell übernommen – ein Schicksal, von dem in Irland seit dem Ausbruch der Banken- und Wirtschaftskrise immer mehr Menschen heimgesucht werden. Irland, der einstige Hoffnungsträger mit einer so dynamischen Wirtschaft, dass andere Länder vor Neid erblassten, fiel im Zuge der Krise viel schneller und stärker in die Rezession, als der europäische Durchschnitt. Tausende Menschen stürzten in Verzweiflung, weil sie nicht mehr wussten, wie sie ihre Schulden zurückzahlen und ihre Familien ernähren sollten.

Die meisten Selbstmordopfer waren in einem scheinbar sicheren Arbeitsverhältnis. Daher traf sie die Arbeitslosigkeit völlig unerwartet. Bald schon wurden sie mit großen finanziellen Problemen konfrontiert. Die Zahl der Menschen, die ihre Arbeit verlieren und mit der Rückzahlung ihrer Schulden zu kämpfen haben, steigt nach wie vor an. Viele von ihnen wissen daher keinen anderen Ausweg mehr als den Freitod.

 

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Quelle:

http://news.yahoo.com/s/nm/20110224/wl_nm/us_ireland_suicide

 

 


 

 

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