Sunday, 25. September 2016
24.08.2010
 
 

Angst: Rezession in Griechenland verschärft sich

Michael Grandt

Die Milchmädchenrechnungen der EU und des IWF gehen wie erwartet nicht auf, denn ein Staat, der radikal spart, kann kein Wirtschaftswachstum generieren. Die Folge: Eine neue sich immer weiter verschärfende Rezession, und Griechenland steht erneut vor dem Chaos.

Es kommt, wie es kommen musste: Griechenland stürzt immer tiefer in die Rezession. Die Milchmädchenrechnungen der EU und des IWF gehen nicht auf: Durch radikales Sparen kann man kein Wirtschaftswachstum generieren. Eine Lektion, die auch unsere Politiker lernen sollten.

Knapp vier Monate nach dem Griechenland-Notkredit und dem Euro-Stabilisierungspaket zeigen sich die ersten Auswirkungen der Volksverdummungen, die die Regierungen im Zuge der Milliardenhilfen an die Hellenen ihren steuerzahlenden Bürgern »verkauft« haben. Griechenland steht erneut vor dem Chaos:

  • Die Steuereinnahmen lagen trotz Erhöhungen im Juli sogar um sieben Prozent unter dem Vorjahr.
  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im Jahresvergleich um 3,5 Prozent ein. Für das zweite Halbjahr wird ein Minus von fünf Prozent prognostiziert.
  • Jeder dritte Jugendliche ist ohne Arbeit.
  • Für den Herbst erwarten die Gewerkschaften einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 20 Prozent.
  • In Athen ist bereits jeder sechste Einzelhändler pleite.
  • Die Kaufhäuser melden Umsatzeinbußen von durchschnittlich 13 Prozent.
  • Der griechische Einzelhandelsverband rechnet bis zum Jahresende mit 100.000 Insolvenzen.
  • Die staatlichen Verkehrsbetriebe fahren täglich einen Verlust von vier Millionen Euro ein.
  • Griechische Banken bekommen auf dem Interbankenmarkt so gut wie kein Geld mehr von anderen Instituten und leihen es sich daher von der Europäischen Zentralbank (EZB). Waren es im Januar 2010 noch 50 Milliarden Euro, sind es jetzt bereits 96,2 Milliarden.
  • Investoren trauen Griechenland nicht und verlangen immer höhere Renditen und Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen.

Der Grund für die tiefe Rezession liegt auf der Hand: die Übererfüllung der Sparversprechen der griechischen Regierung. Sie erhöhte die Steuern deutlich, etwa die Mehrwertsteuer von 19 auf jetzt 23 Prozent, die Renten wurden gekürzt, die Bezüge der Staatsbediensteten um 20 Prozent beschnitten und die öffentlichen Investitionen werden im nächsten Jahr um eine halbe Milliarde Euro reduziert. Kann man so Wirtschaftswachstum generieren? – Nein!

Durch diese staatlichen Eingriffe fehlt das Geld an allen Ecken und Enden und jetzt auch noch das: Die Inflation steigt. Im Juli betrug sie immerhin 5,5 Prozent, der höchste Stand seit 13 Jahren. Das zehrt zusätzlich an der Kaufkraft der Griechen, was fatale Auswirkungen hat, macht der Konsum doch 73 Prozent des BIP aus. Die Konsumflaute verringert wiederum die Steuereinnahmen. Ein Teufelskreis, ausgelöst von übereifrigen Politikern in Athen, denen der IWF im Nacken sitzt.

Doch die Zeit wird knapp, denn ab 2013 muss Athen mit der Tilgung der Hilfskredite beginnen. Jetzt schon schreiben viele Wirtschaftswissenschaftler die Schulden ab – die deutsche Regierung hofft jedenfalls, dass die vielen Milliarden ihrer Steuerzahler aus Griechenland wieder zurückfließen.

 

 

Quellen:

Handelsblatt, 19. August 2010 und 23. August 2010

 

 


 

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