Thursday, 28. July 2016
24.05.2011
 
 

Ciao Italia?

Michael Grandt

Euro-Krise und De-facto-Staatsbankrotte in Griechenland, Irland und Portugal – wer ist als Nächstes dran? »Börsen-Guru« Felix Zulauf ist sicher: Es wird Italien sein, die Bombe wird noch in diesem Jahr platzen, und S & P droht sogar mit der Herabstufung der Bonität.

Der Vermögensverwalter Felix Zulauf gab unlängst im Handelsblatt ein Interview zur Schuldenkrise. Nach Griechenland, Irland und Portugal sieht er Italien als das nächste Land, das in Schwierigkeiten geraten wird: »Die Einlagen der Kunden bei den Banken sinken. Wir erleben einen Bank-Run in Zeitlupe. Die Banken in Italien wie auch in Spanien werden mit immer kurzfristigeren Mitteln refinanziert. Bald wird in Italien der größte Käufer der Staatsanleihen ausfallen. Das heißt: Die Renditen müssen steigen. Und die Bombe in Italien wird noch in diesem Jahr platzen.«

Untersuchen wir einmal die Fakten zu dieser politisch unkorrekten Aussage:

  • Italien zählt neben Portugal, Irland, Griechenland und Spanien bereits zu den sogenannten »PIIGS-Staaten«; nicht gerade rühmlich für ein Land, das sich selbst zu den führenden Industrienationen rechnet.
  • Rating-Agenturen bewerten Italien ähnlich negativ wie Irland, Malta und Portugal.
  • Schon seit 20 Jahren balanciert das Land am Abgrund eines Staatsbankrotts.
  • Italien sitzt auf dem höchsten staatlichen Schuldenberg Europas, dem dritthöchsten auf der ganzen Welt: 118,9 Prozent des BIP; 2010 betrug die Verschuldung 1,84 Billionen Euro. Damit sind die Staatsschulden höher als das Bruttoinlandsprodukt.
  • Die Neuverschuldung beträgt 5,3 Prozent des BIP, doppelt so viel wie bisher.
  • Mehr als 13 Prozent der Familien leben unterhalb der Armutsgrenze.
  • Die Arbeitslosigkeit ist hoch, sie beträgt zehn Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit ist noch höher.
  • Italien hat mit Spanien die niedrigste Geburtenrate in Europa.
  • Es gab in den verganenen Jahren katastrophale Einschnitte im Bildungs- und Gesundheitssystem.
  • Bis 2012 sollen knapp 25 Milliarden Euro eingespart werden, vor allem bei Kommunen und Regionen. Auch die Staatsdiener müssen mit weniger Geld auskommen.
  • Um das Drei-Prozent-Kriterium des Maastricht-Vertrages zu erfüllen, müssten Italiens Staatsausgaben um 37,6 Milliarden Euro sinken.
  • Allein in diesem Jahr muss Italien aber etwa 273 Milliarden Euro frisch am Markt aufnehmen.
  • Die exportorientierte Wirtschaft ist so hart getroffen, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
  • Thomson Reuters bewertet die Bankrottwahrscheinlichkeit Italiens bereits mit 26 Prozent.

Fazit: Italien hat es bisher immer geschafft, sich irgendwie zu retten. Doch die Luft wird zunehmend dünner. Dass die stolzen Italiener einmal Hilfe aus dem Europäischen Rettungsschirm in Anspruch nehmen müssen, kann aufgrund der genannten Parameter nicht ausgeschlossen werden.

Ähnlich sieht es auch die Rating-Agentur Standard & Poor's, die an der Zahlungsfähigkeit Italiens zweifelt und jetzt eine Herabstufung der Bonitätsnote prüft. Der Ausblick für das Rating wurde bereits von »stabil« auf »negativ« gesenkt, was die Regierung in Rom empörte.

 

__________

Quellen:

http://www.br-online.de/bayern2/breitengrad/italien-wirtschaftskrise-armut-ID1236160683179.xml

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72370245.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,730916,00.html

Handelsblatt vom 12. Mai 2011 und 23. Mai 2011

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:kreditwuerdigkeit-s-p-droht-italien-mit-herabstufung/60055260.html

 



 

 

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