Der Euro wird nicht nachhaltig ansteigen
Michael Grandt
Der Euro erholt sich wieder, aber für einen nachhaltigen Anstieg der europäischen Einheitswährung gibt es keine Anzeichen. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass der Kurs zum Jahresende nur noch bei rund 1,15 US-Dollar liegen könnte.
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Der Verfall des Euro in den letzten Monaten ist mit rationalen Argumenten und der Diversifikation von Wechselkursen nicht zu erklären. Viele Marktteilnehmer reagierten und reagieren (immer noch) irrational. Sogar Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan, der als überzeugter Theoretiker bekannt ist, stellte fest, dass die Annahme rationalen Verhaltens in der Finanzkrise nicht funktioniert habe.
Oft wird in den Mainstream-Medien der November 2009 zitiert, als der Euro bei 1,5134 USD notierte, aber das Hoch lag im April 2008 bei 1,60 USD. Am 7. Juni 2010 lag der Kurs nur noch bei 1,1923 Dollar. Gegenwärtig liegt die Gemeinschaftswährung zwischen 1,22 und 1,24 USD.
Aber auch der aktuelle leichte Anstieg lässt sich nicht rational erklären und wenig spricht dafür, dass er auf Dauer sein wird. Die Märkte befürchten, dass sich die Situation im Euroraum noch schlechter entwickeln wird als in den USA. Zudem gehen viele Experten davon aus, dass sich die amerikanische Wirtschaft schneller erholt und die Fed ihren Leitzins früher anheben wird als die EZB. Viele Investoren fürchten daher, dass die europäischen Sparprogramme sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken werden – und Vertrauen wird erst dann zurückkehren, wenn die maroden EU-Wackelstaaten auch nachhaltige Sparerfolge vorweisen können. Aber das kann dauern.
Hier die Stimmen einiger Experten:
Die Commerzbank geht davon aus, dass der Euro bis Ende 2010 weiter fällt – auf 1,17 USD und die Prognose für das Jahr 2011 liegt sogar nur bei 1,13 USD.
Christian Reicherter von der DZ Bank glaubt nicht, dass der Euro die Talsohle schon durchschritten hat, und sieht ihn am Jahresende bei 1,25 USD.
Ansgar Krekeler, Händler bei der WGZ Bank, sieht den Euro bei rund 1,15 Dollar und Achim Walde von Sal. Oppenheim prognostiziert den Stand des Euro Ende Dezember bei etwa 1,20 USD. Noch pessimistischer ist Stefan Schneider von der Deutschen Bank, der aufgrund der Euroskepsis die Gemeinschaftswährung bei 1,15 USD sieht.
Eine präzise Schätzung, wie es mit dem Euro weitergeht, kann es allerdings nicht geben, weil zu viele Faktoren am Devisenmarkt eine Rolle spielen – und da sind ja auch noch die Marktteilnehmer, die manchmal völlig irrational handeln.
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Quelle: Handelsblatt vom 17.06.2010
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