Monday, 26. September 2016
03.12.2010
 
 

Die sieben Todsünden der EU

Michael Grandt

Wie kann es so weit kommen, dass die Europäische Gemeinschaft den Euro in eine Existenzkrise treibt? Hier die politisch unkorrekte Antwort.

Es gibt noch Licht im Dunkel der Mainstreampresse: Torsten Riecke, Handelsblatt-Korrespondent in Zürich, stellte sich unlängst die Frage, was die Gründe dafür sind, dass sich die EU immer wieder selbst in die Krise führt. Er machte dabei sieben Todsünden aus, die ich dem Leser nicht vorenthalten möchte:

 

1. Verdrängung

Die meisten europäischen Politiker und Staatschefs beschwichtigen und sehen die Krise als vorübergehende Finanzklemme schwacher Euro-Länder, obwohl sie wissen, dass es gerade die Banken finanzstarker Staaten sind, die sich in jenen Ländern besonders engagiert haben.

 

2. Illusion

Als man in Brüssel den 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm aufspannte, glaubte man, allein dieses Hilfsversprechen werde die Märkte für immer beruhigen. Doch dies erwies sich als Irrtum, denn die internationalen Finanzakteure sind sich sicher, dass der Rettungsschirm die Probleme nicht einmal bis zu seinem Ablaufdatum 2013 verschiebt. Der De-facto-Staatsbankrott Irlands ist das beste Beispiel hierfür.

 

3. Übermut

Die Europäische Zentralbank (EZB) stützt die Schuldnerländer nicht nur mit Anleihekäufen, sondern hält deren Banken auch noch mit ständigen Liquiditätsspritzen über Wasser, was die Grenzen zwischen Fiskal- und Geldpolitik aufhebt und die Preisstabilität gefährdet.

 

4. Kommunikation

Bundeskanzlerin Merkel hat die Krise durch unbedachtes Handeln zweimal verschärft: Zuerst schwieg sie im Falle Griechenlands zu lange, dann redete sie im Falle Irlands zu vorschnell über eine etwaige Beteiligung privater Gläubiger.

 

5. Planlosigkeit

Weder in den europäischen Hauptstädten noch in der EU-Zentrale in Brüssel gibt es Pläne, wie man die angeschlagene Währungsunion auf Dauer stabilisieren will. Der Rettungsschirm verspricht lediglich eine Atempause und der angedachte Krisenmechanismus ist noch lange nicht verabschiedet.

 

6. Unehrlichkeit

Man kann die Währungsunion in der jetzigen Form nicht zusammenhalten, wenn man zugleich eine Transferunion zwischen armen und reichen Ländern ablehnt. Hier muss der Öffentlichkeit klarer Wein eingeschenkt werden.

 

7. Führungslosigkeit

Durch seine wirtschaftliche Stärke wäre Deutschland eine »natürliche« Führungsmacht in Europa. Doch es fühlt sich dieser Rolle noch nicht gewachsen und fällt immer wieder durch Inkompetenz auf.

 

__________

Quelle:

Handelsblatt vom 19.11.2010

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Immer mehr schwerstkriminelle Gewaltverbrecher klagen sich aus der Sicherungsverwahrung in die Freiheit

Torben Grombery

Nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg am 17. Dezember 2009 zu dem Schluss gekommen ist, dass das seinerzeit von der rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Gesetz zur nachträglichen Sicherungsverwahrung gegen elementare Rechte verstößt, klagen sich immer mehr »Kinderschänder«, »Vergewaltiger« und »Doppelmörder« aus  mehr …

Der Irland-Crash

Michael Grandt

Schon im Februar habe ich den irischen Staatsbankrott vorhergesagt. Damals wurde ich belächelt, doch jetzt steht die Insel vor dem Aus. Nach Griechenland ist Irland nun schon der zweite europäische Staat innerhalb von zehn Monaten, der de facto pleite ist. Der Euro ist tot – es lebe die D-Mark!  mehr …

EU-Kommission will GVO »durch die Hintertür« zulassen

F. William Engdahl

Monsanto, BASF, Bayer, Syngenta, DuPont, Dow Chemical und andere, das heißt die Lobby der Produzenten gentechnisch veränderter Organismen (GVO), ist hinter den Kulissen in Brüssel fieberhaft bemüht, in aller Heimlichkeit die EU-weite Zulassung ihrer nicht getesteten genmanipulierten Pflanzen durchzusetzen – trotz des massiven Widerstands der  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

So begleichen die Bürger die Kosten der Krise

Michael Grandt

Die Staatsschulden steigen immer höher. In ganz Europa wissen sich die Regierungen nicht anders zu helfen, als die Bürger kräftig zur Kasse zu bitten. Sie müssen jetzt ausbaden, was Banker und Politiker verursacht haben.  mehr …

So zerstört die EU deutsche Arbeitsplätze – die verschwiegenen Folgen der EU-Osterweiterung

Niki Vogt

Die EU-Osterweiterung sollte auch den Deutschen Vorteile bringen. Doch nicht nur im sächsischen Meißen verlieren die Mitarbeiter florierender deutscher Unternehmen nun überraschenderweise ihre Arbeitsplätze. Die Deutschen sind ohnehin schon die Zahlmeister der EU. Und sie sind auch auf anderen Gebieten in der EU die Dummen.  mehr …

Geheimer Notfallplan – Schließung der Bankschalter

Udo Ulfkotte

Nicht nur in Deutschland gibt es Pläne, vor dem Hintergrund der sich ausweitenden EU-Schuldenkrise und dem möglichen Ausscheiden eines Landes aus der Eurozone vorübergehend Bankschalter zu schließen und alle Geldautomaten abzustellen.  mehr …

Weltraumgleiter X-37B beendet geheime Mission

Andreas von Rétyi

Am 22. April dieses Jahres startete ein voll automatisierter, experimenteller »Drohnen«-Raumgleiter mit der Bezeichnung X-37B zu einem Testflug ins All. Bereits wenige Minuten nach dem Liftoff versanken die Behörden in dauerhaftes Schweigen. Über das Projekt sind nur wenige Eckdaten bekannt, engagierte Satellitenbeobachter konnten jedoch den Orbit  mehr …

Deutsche Pleitebanken vor dem Kollaps?

Michael Grandt

Die sogenannte »Bankenrettung« wird schlimme Folgen haben. Und jetzt verkündet der EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia auch noch, dass die irischen und die deutschen Banken seine »größten Sorgenfälle« seien.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.