Wednesday, 29. June 2016
07.04.2011
 
 

Dritter EU-»Staatsbankrott«: Portugal

Michael Grandt

Nach Griechenland und Irland hat es jetzt auch Portugal erwischt: Ohne EU-Finanzhilfe steht das Land vor dem Staatsbankrott. Nicht einmal mehr die eigenen Banken wollen portugiesische Staatsanleihen kaufen.

Portugal ist finanziell am Ende. Der Dolchstoß kam aus den eigenen Reihen: Die großen Inlandsbanken sind nicht mehr bereit, Anleihen ihres eigenen Staates zu zeichnen, und das, obwohl das Land bis Mitte Juni 12 Milliarden Euro für die Tilgung von Bonds und Zinszahlungen aufbringen muss.

Die Banken sind selbst am Ende, denn seit Monaten bekommen sie an den Märkten kein Geld mehr und hängen seither am Tropf der Europäischen Zentralbank, die sie mit Kapital versorgt, ansonsten wäre schon lange Schluss. Doch die Zeit drängt. Schon bis Ende nächster Woche muss Lissabon für fällige Anleihen und Zinsen rund fünf Milliarden Euro aufbringen, Geld, das die Regierung nicht mehr hat, weil die eigenen Banken den Kredithahn zudrehen. Und dann auch noch das: Die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonitätsnote Portugals Anfang der Woche erneut gesenkt und prüft weitere Herabstufungen.

Daraufhin stieg die Rendite der fälligen Bonds auf bis zu 8,9 Prozent – Rekordhoch – und auch die Kreditausfallversicherungen waren für Portugal erstmals teurer als für das sowieso schon bankrotte Irland.

Gestern Abend hat der noch geschäftsführende Regierungschef José Sócrates die EU dann offiziell um Finanzhilfen gebeten. In einer im Fernsehen übertragenen Rede sagte er, diese Maßnahme sei »unvermeidbar« gewesen, obwohl er sich zwei Tage zuvor noch energisch gegen die EU-Hilfe ausgesprochen hatte, weil dies »schlimme« Folgen für Portugal und für Europa haben würde. Doch seine Meinung revidierte er jetzt innerhalb von 48 Stunden. Experten gehen nun von einer finanziellen Hilfe zwischen 60 und 80 Milliarden Euro aus. Die EU will das Hilfegesuch am Wochenende beraten. Und wieder verfallen die Verantwortlichen in die gleichen Phrasen: »Das ist ein verantwortungsvoller Schritt für die Sicherung der Finanzstabilität im Euro-Raum«, sagte Währungskommissar Olli Rehn der Financial Times Deutschland.

Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Das Europäische Währungssystem ist am Ende. In nur elf Monaten ist Portugal bereits der dritte de facto bankrotte Staat, dem durch massive Finanzhilfe der anderen EU-Länder und des IWF (in der Hauptsache Deutschland) geholfen werden muss: Griechenland 110 Milliarden Euro, Irland 85 Milliarden Euro und Portugal voraussichtlich 80 Milliarden Euro, also über eine viertel Billion Euro an Hilfen. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn die Märkte haben bereits den nächsten Kandidaten im Visier: Spanien.

 

 


 

 

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